Unispital Basel: Herzog & de Meuron planen spektakuläres Hochhaus

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Die Ergebnisse des Studienauftrags zum Perimeter B des Universitätsspitals Basel (USB) an der Schanzen- und Klingelbergstrasse stehen fest. Das Beurteilungsgremium empfiehlt den Lösungsvorschlag des Teams Herzog & de Meuron/Rapp zur Weiterbearbeitung. „Für das USB stellt die Realisierung einen wichtigen Schritt zur langfristigen Entwicklung des Campus Gesundheit dar“, schreiben die Verantwortlichen.

Das Areal an der Schanzen- und Klingelbergstrasse (Perimeter B) ist die letzte bedeutende Reserve für die bauliche Entwicklung des Universitätsspitals Basel auf dem Campus Gesundheit. Mit dem Studienauftrag für dieses Areal will das USB die weitere Entwicklung des Campus Gesundheit konkretisieren. Der Entwurf des Teams Herzog & de Meuron/Rapp überzeugte das Beurteilungsgremium, die Fachexperten des Kantons und das Universitätsspital Basel (USB) von den sieben eingereichten Entwürfen am meisten. Er sieht einen drei- bis viergeschossigen Sockel mit zwölfgeschossigem Aufbau vor. „Die stringente Struktur des Gebäudes basiert auf einem gleichmässigen Stütz- und Ausbauraster und ist modular gestaltet. Das sorgt für hohe Flexibilität sowohl in der Planung als auch bei späteren Veränderungen“, heisst es in der Medienmitteilung.

Perspektive Klinikum 1 Richtung West © Herzog & de Meuron

Perspektive Klinikum 1 Richtung West © Herzog & de Meuron

Der neue 68 Meter hohe Turm soll zum einen Platz für komplexe ambulante Behandlungen bieten, zum Beispiel für ein Tumorzentrum, zum anderen soll es Funktions- und Laborbereiche aufnehmen. Gemäss dem Schlussbericht des Beurteilungsgremiums zeichnet sich der Entwurf aus durch einen starken städtebaulichen Beitrag mit einem hohen Mass an Nutzungsflexibilität, sinnvoll aufgezeigten Spitalprozessen und angemessener Wirtschaftlichkeit.

Übersicht Perimeter B © Universitätsspital Basel

Übersicht Perimeter B © Universitätsspital Basel

Entwicklung der ambulanten Angebote
Mit dem Entwicklungsschritt will das USB primär die Voraussetzungen für die Zugänglichkeit zu komplexen ambulanten Behandlungen verbessern. Das ambulante und das stationäre Geschäft sollen entflochten werden, um die Effizienz zu erhöhen, die Arbeit der Mitarbeitenden zu vereinfachen und die Wartezeiten für die Patientinnen und Patienten zu verkürzen. Denkbar ist auch, dass aus Kooperationen entstehende Angebote im neuen Gebäude ihren Platz finden.

Perspektive Klingelbergstrasse Richtung Schanzenstrasse/UKBB © Herzog & de Meuron

Perspektive Klingelbergstrasse Richtung Schanzenstrasse/UKBB © Herzog & de Meuron

Das neue Gebäude bietet auch die nötigen Rochadeflächen, um während der langfristigen Entwicklung des Campus Gesundheit (Neubau Klinikum 2, spätere Sanierung Klinikum 1) den Betrieb möglichst uneingeschränkt weiter zu führen, den Zugang zu erleichtern und die Wartezeiten tief zu halten. „Und dies ohne negative Auswirkungen durch kostenintensive und nicht nachhaltige Provisorien im heutigen Spitalgarten, der eine Erholungsfläche für Patienten, Mitarbeitende und die Bevölkerung bleibt.“

Ansicht Hebelstrasse © Herzog & de Meuron

Ansicht Hebelstrasse © Herzog & de Meuron

Klärung offener Fragen und Dialog
Wie geht es weiter? Der Verwaltungsrat des USB wird voraussichtlich vor Ende Jahr über die Freigabe des Vorprojekts entscheiden. Dazu sollen die noch offenen Fragen geklärt werden. Dies betrifft einerseits die finanzielle Tragbarkeit. Die Kosten für den neuen Klinikteil an der Schanzen- und Klingelbergstrasse sind Teil der 2011 veranschlagten 1,2 Milliarden CHF für die Gesamtentwicklung des Campus Gesundheit und belaufen sich nach heutigen Schätzungen auf gut ein Viertel der gesamten Investition bis und mit Inbetriebnahme. „Für die nachhaltige Finanzierbarkeit braucht es eine weitere Steigerung der betrieblichen Produktivität“, schreibt das Unispital. Letzteres ist ohne die Fusion mit dem Kantonsspital Baselland, die Anfang Jahr von der baselstädtischen Stimmbevölkerung abgelehnt wurde, anspruchsvoller zu erreichen.

Blick in die grosszügige Eingangshalle © Herzog & de Meuron

Blick in die grosszügige Eingangshalle © Herzog & de Meuron

Minimale Überschreitung des Zweistundenschattens
Ein zweiter, wichtiger Punkt betrifft die baurechtlichen Verhältnisse. Mit dem Bebauungsplan 215 vom 25. Mai 2015 liegen die Grundlagen für eine langfristige räumliche Planung des USB vor. Der vorliegende Lösungsvorschlag sieht ein höheres Gebäude vor, was die Verabschiedung eines Bebauungsplans zusätzlich durch den Grossen Rat des Kantons Basel-Stadt bedingt. Es hat sich früh im Verfahren gezeigt, dass nur mit der Freigabe der ursprünglich vorgesehenen Höhenbegrenzung eine städtebaulich wie auch für die Nutzung sinnvolle und ansprechende Lösung möglich sein würde. Der aus städtebaulicher und funktionaler Sicht präferierte Lösungsvorschlag von Herzog & de Meuron/Rapp würde zu einer minimalen Überschreitung des Zweistundenschattens führen. Dies hat das Beurteilungsgremium für die Weiterbearbeitung des Projekts zur Prüfung empfohlen.

Eingangsbereich, Perspektive Schanzenstrasse Richtung Klingelbergstrasse © Herzog & de Meuron

Eingangsbereich, Perspektive Schanzenstrasse Richtung Klingelbergstrasse © Herzog & de Meuron

„Das USB versteht es als seinen Auftrag, zu einer modernen Infrastruktur für die Gesundheitsversorgung der kommenden Generationen beizutragen, sowohl im Bereich des Spitals als auch der klinischen Forschung“, schreiben die Verantwortlichen. Der Neubau von Herzog & de Meuron wäre auf jeden Fall ein spektakulärer architektonischer Wurf für den Unispital-Campus. Mit einem kleinen Wermutstropfen aus denkmalpflegerischer Sicht: Die baukulturell bedeutenden und zudem inventarisierten Schwesternhäuser und das ehemalige sog. „Infektionskrankenhaus“ (1939 – 46) von Architekt Hans Schmidt würden der Abrissbirne zum Opfer fallen.

Wir bleiben dran: Architektur Basel wird demnächst ausführlich über den Studienauftrag, das Siegerprojekt und die weiteren Beiträge berichten.

Quelle: www.unispital-basel.ch

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