Kunst-und-Bau 13.11.18

Ein riesiges helles Foyer das von Licht durchflutet wird. Feinster, rasiermesserscharf geschalter weisser Sichtbeton. Ein weit auskragendes Dach, von dem sich in einer Ecke eine einzige mächtige konische Stütze nach unten formt. Doch dann – ein Steinblock. Ein 28 Tonnen schwerer Findling der sich zwischen Stütze und Boden gedrängt hat. Eric Hattans Kunst-und-Bau-Werk «Unverrückbar» hat im Rahmen der Erweiterung der neu eröffneten St. Jakobshalle als «Grundstein» in der grossen Foyerhalle Platz gefunden und bildet dort einen markanten Kontrast zur linearen Architektur.

Ausgangslage

Mit dem Projekt für die Erweiterung der St. Jakobshalle hat der Kunstkredit Basel-Stadt zusammen mit dem Bau- und Verkehrsdepartement 2014 einen eingeladenen Wettbewerb für eine künstlerische und ortsspezifische Intervention ausgeschrieben. Eine der Vorgaben Wettbewerbprogramms war es, dass das Kunstwerk gemeinsam mit den Architekten Jürg Berrel und Heinrich Degelo weiterentwickelt werden und so eine von Anfang in der Architektur integrierte Kunstintervention entstehen sollte. Also die richtige Voraussetzung, wie Kunst-und-Bau-Werke idealerweise entstehen sollten. Eric Hattan konnte sich mit seinem Vorschlag gegen fünf weitere Projekte durchsetzen und entschied den Wettbewerb mit dem Werk «Unverrückbar» für sich.

Modellfoto für den Wettbewerb © Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt

Modellfoto für den Wettbewerb © Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt

Ein langer Weg bis zum Ziel

Eric Hattan machte sich auf die lange Suche nach dem perfekten «Grundstein» für die Umsetzung seiner Idee. «Der Grundstein als Anfang von etwas Wichtigem. Wenn der Stein nicht zuerst hier steht, dann kann man die Säule nicht weiterbauen. Er steht hier als Anfang und gleichzeitig als Ruhepol - er wird sehr lange hier liegenbleiben» so der Künstler im Interview. Intuitiv machte er sich in der unendlichen Schweizer Berglandschaft auf die Suche nach einem solchen Findling, doch ganz unerwartet wurde er dann in einer Kiesgrube im Aargauischen fündig. Den Findling, den er dort vorfand, stammt ursprünglich aus dem Gotthardmassiv, ist Jahrtausende alt und mit einer wunderschönen Patina überdeckt. Flechten und Verfärbungen zeugen vom Zahn der Zeit, dem der Findling ausgesetzt war und der langen Reise zum heutigen Fundort. Findlinge sind grosse Steinblöcke, welche durch ehemalige Gletscherformationen an einen anderen Ort bewegt wurden. So war es die Idee des Künstlers den Stein nochmals zu versetzen und so finden wir ihn heute im neuen Foyer der St. Jakobshalle. Als wäre er schon immer da gewesen. Es war aber durchaus nicht einfach diesen Brocken an seinen neuen Standort zu bringen. Zusammen mit den Ingenieuren Schnetzer Puskas und Jermann wurde das noch nie zuvor bewältigte Projekt angegangen. Noch am Fundort in der Kiesgrube wurde mittels eines 3D Scanners die Form des erratischen Blocks aufgemessen. Dieser Vorgang diente dazu den Findling am zukünftigen Standort genau zu platzieren und die statisch notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Denn die mächtige Stütze, welche das weit auskragende Dach trägt, wächst nicht wirklich aus dem grossen Felsblock heraus. Die Ingenieure, deren ganzes Können gefragt war, planten eine versteckte Stahlstütze in den Felsblock ein, welche am Boden in einer Gelenkpfanne sitzt. Auf diese Weise können die leichten Bewegungen des Vordachs aufgenommen werden. Danach wurden viele weitere Armierungseisen in den Findling gebohrt um den Beton, welcher sich perfekt an die natürliche Form des Steins schmiegt, zu tragen. Und so scheint es als würde der Findling die gesamte Last der Stütze tragen.

Der Findling an seiner definitiven Position © Jermann Ingenieure + Geometer AG

Der Findling an seiner definitiven Position © Jermann Ingenieure + Geometer AG

«Köpfchen im Kopfstand»

Der starke Gegensatz zwischen der von Menschenhand geplanten Betonstütze und dem ursprünglich geformten Steinblock entkräftet die imposante Architektur im positiven Sinne und bringt den Besuchern einen fassbaren Massstab in die Foyerhalle. Gleichzeitig erinnert das Kunstwerk an eine umgedrehte Säule: Der Stein bildet das Kapitell der Stütze. Ein «Köpfchen im Kopfstand», so Eric Hattan.