Archivperle: Projekt von Herzog & de Meuron für ein Frei- und Hallenbad in Riehen

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Was eine alte Neujahrskarte für Geschichten zu erzählen vermag. Wobei es sich in diesem Fall nicht um irgend eine Neujahrskarte handelt, sondern um diejenige zweier jungen und aufstrebenden Architekten aus Basel: Jacques Herzog & Pierre de Meuron. Die Karte aus dem Jahr 1981 zeigt eine schön inszenierte Schwarzweiss-Fotografie des Modells für den Neubau eines Frei- und Hallenbades am Mühleteich in Riehen (1979-1981). Es handelt sich um einen der ersten Wettbewerbe, den die beiden Architekten gewinnen konnten.

Modellbild © Herzog & de Meuron

Modellbild © Herzog & de Meuron

Die spannungsvolle Komposition der Gebäudeteile bettet sich gekonnt in die Auenlandschaft ein. Die Architekten liessen sich dabei von Altmeister Alvar Aalto inspirieren: „Das wellenförmige Hallendach aus Blei und Aluminium mit der erhöhten Galerie im Westen verweist auf das Interesse einer Visualisierung des Bauprogramms. Insgesamt erinnert die Anlage an Alvar Aaltos Werk, insbesondere an die planimetrische Syntax des Sanatoriums in Paimio (1929-1933) und an die landschaftlich empfindsame Einfügung der Villa Mairea (1938/39).“ (Herzog & de Meuron, 1995)

Besonders markant am Entwurf war die Dachform der Schwimmhalle. Drei bauchige Gewölbe sollten mit leichtem Aluminum verkleidet werden. Auch die Führung des zenitalen Lichts ins Innere der Halle weisst auf eine präzise Studie der Bauten Aalto’s hin. Im Kontrast zur blechernen Schwimmhalle stand der langgestreckte, sperrholzverkleidete Garderobentrakt. Leider wurde das faszinierende Projekt nicht realisiert: „Das Projekt unterlag 1983 einer Gemeindeabstimmung, bei der es verworfen wurde.“ Immerhin durften Herzog & de Meuron Jahrzehnte später das Riehener Naturbad an der Wiese bauen.

Längsschnitt © Herzog & de Meuron

Längsschnitt © Herzog & de Meuron

Was die Karte zudem verrät: Das kongeniale Architektenduo logierte anno dazumals auf dem Münsterhügel, genauer an der Rittergasse 19a. Rein topographisch betrachtet war die weitere Karriere also ein Abstieg. Architektonisch hingegen setzten die beiden 1981 erst zum Höhenflüg an.

Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel

Quelle:
Architekturmuseum in Basel (1988): Herzog & de Meuron: Architektur Denkform, Wiese, Basel.

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