Projekte 19.01.26

Kalifornische Stimmung in Riehen © Markus Stern

Maison Imho: Struktur, Proportion und Lehmtechnik

Ein Sommerhaus aus den 1930er-Jahren zeugt von der einstigen Stadtflucht der Grosseltern, die ihre freien Tage auf dem grünen Hügel in Riehen verbrachten. Der ehemalige Rückzugsort ist heute Teil eines vornehmen und gut erschlossenen Wohngebietes. Die Familie, in deren Besitz sich das Grundstück seit mehreren Generationen befindet, fühlt sich mit dem Ort stark verbunden. Im ehemaligen Garten des Sommerhauses, das zeitgleich von Luca Selva Architekten erweitert wird, realisierten Stern Zürn Architekten einen Neubau, der sich mit präziser Haltung und experimentellem Anspruch positioniert. Wir durften für euch das Projekt in Augenschein nehmen.

Gemeinsamer Entwurfsprozess

Der Entwurf entstand in enger Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft. Deren Affinität zu mathematischen Prinzipien prägte den architektonischen Diskurs ebenso wie die Offenheit für konstruktive Experimente. Der kompakte Grundriss basiert auf einem Rechteck; die beiden eingezogenen Ecken sind im Verhältnis des Goldenen Schnitts abgeknickt. Die resultierenden Proportionen erweisen sich nicht nur konzeptionell, sondern auch räumlich als harmonisch. Auch alltägliche Elemente wie das Trittverhältnis der Treppe, waren der Eigentümerschaft wichtig und wurden mit besonderer Sorgfalt ausgearbeitet. Als Orthopäde analysierte der Auftraggeber genau, dass Treppen mit 16.4 cm Steigung und 30 cm Auftritt am bequemsten zu laufen sind. Der experimentelle Geist der Bauherrschaft ermöglichte es den Architekten, sich vertieft mit Fragen der Struktur, des klimagerechten Bauens und einem hochwertigen, zeitgemässen Handwerk auseinanderzusetzen.

Strukturprinzip nach Le Corbusier © Stern Zürn Architekten

Neuinterpretation eines architektonischen Prinzips

Der Projektname verweist auf die zentrale Referenz: Das Maison Imho greift das Maison-Dom-Ino-Prinzip von Le Corbusier auf und interpretiert es neu. Das Tragwerk wird auf ein minimales Skelett aus Recyclingbeton reduziert, bestehend aus Stützen und Deckenplatten. Die Ausfachungen erfolgen mit nachwachsenden und mineralischen Baustoffen wie Holz und Lehm. Während sich die Nordfassade als geschlossene, schwarz lasierte Holzhaut zeigt, öffnen sich die grosszügigen Glasflächen im Süden zur Landschaft und zur Stadt Basel. An diesem schönen Herbsttag und mit Blick auf den fein detaillierten Pool wähnt man sich beinahe in den Hills von Los Angeles.

© Markus Stern

Materialgerecht

Der Entwurf reagiert konsequent auf die vorhandenen Ressourcen. Der lehmhaltige Aushub des Grundstücks wurde im solothurnischen Seewen, rund 25 Kilometer von der Baustelle entfernt, zu Lehmsteinen verarbeitet. Diese bilden die Innenwände und fungieren aufgrund ihrer Masse als klimaregulierendes Element: Sie speichern solare Wärme im Winter und unterstützen im Sommer die Nachtauskühlung sowie die Feuchteregulierung. Die Oberflächen sind aus Lehmputz ausgeführt, wodurch weitgehend auf Gips- und Kalkputze verzichtet werden konnte. Der behagliche Charakter der Lehmoberflächen steht in bewusstem Kontrast zum rohen Betontragwerk und verleiht den Räumen eine spürbare Wärme.

© Stern Zürn Architekten

Presszelt in Seewen, der Aushub wird zu Lehmbausteinen © Marc Hübner

Die konstruktive Durcharbeitung zeigt sich auch in Details wie den gleitenden Deckenanschlüssen aus Holz, die für die Lehmbauweise massgebend sind. Materialgerecht zu bauen, bedeutet hier auch, Beton ausschliesslich dort einzusetzen, wo er statisch erforderlich ist. Bei der Treppe wurde die Konstruktion auf das Notwendige reduziert. Die daraus resultierenden runden Öffnungen erzeugen räumliche Durchblicke und zusätzliche Bezüge zwischen den Ebenen.

Screenshot

© Markus Stern

Ausbau © Stern Zürn Architekten

Das Maison Imho versteht sich als Pilotprojekt für ein materialgerechtes Bauen, das auf konstruktiver Logik, lokalen Ressourcen und präziser Ausführung basiert. Die Autoren sehen darin ein übertragbares Prinzip, das sich auch für grössere und stärker standardisierte Bauaufgaben weiterentwickeln lässt.

Baujahr 2025 Beteiligte; Stern Zürn Architekten Planung und Bauleitung, Basel wh-p Ingenieure, Basel Studio Emma Thomas, Landschaftsplanung, Basel Huber Straub AG, Baumeister, Birsfelden Georg Paul Lehmbau, Laufen Lehmag Lukas Baumann, Basel Lehmwerk, Marc Hübner, Seewen AG

Text: Christina Leibundgut, Architektur Basel

Vortrag der Lehmtechniken an der Swissbau

Markus Stern & Marco Zürn Formgepresste Lehmsteine im Maison Imho

Mittwoch 21. Jan. 2026 ⋅ 13.30

Swissbau Messeplatz 1, 4058 Basel, Schweiz

https://www.swissbau.ch/de/e/hands-on-earth-lehmtechniken-aus-erster-hand-kennenlernen.76348