Brutal radikal – Rolf Müller feat. Buchner Bründler

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Rolf Müller ist kein Unbekannter. Sein Wohnhaus an der Dornacherstrasse haben wir an dieser Stelle zum brutalistischen Meisterwerk erklärt. Dennoch ist und bleibt das Werk des 1936 in Luzern geborenen Architekten unterbewertet. Ein Einfamilienhaus in Allschwil aus dem Jahre 1961 beweist erneut seine Qualitäten – indem es radikal umgebaut und überformt wurde. Featuring Buchner Bründler Architekten würde man im Hiphopjargon sagen.

Wohnhaus in Allschwil von Buchner Bründler und Rolf Müller © Daisuke Hirabayashi

Eternithaus lässt grüssen
Auf halbem Weg nach Schönenbuch liegt das Einfamilienhausquartier am südwestlichen Rand Allschwils. Biederste Hüslischwiiz. Zumindest auf den ersten Blick. Hier hat Rolf Müller Anfang der 1960er-Jahre ein zweigeschossiges Wohnhaus erbaut. Die prägnanten Pultdächer, die mit Welleternit bedeckt sind, das Zusammenspiel zwischen gestrichenem Mauerwerk und Beton, die roten Fensterrahmen und die Metallgeländer mit feinem Drahtgitter als Füllung zeugen vom Optimismus der damaligen Zeit. Der beschwingte Geist von Paul Baumgartens “Eternithaus” der Interbau 1957 in Berlin klingt an. Wenige Jahre nach Fertigstellung wurde der Bau um einen zweigeschossigen Wohnbereich erweitert. Mit der Umnutzung und Erweiterung der Garage kamen weitere Anbauten hinzu. “Diese Interventionen verunklärten den Baukörper räumlich und architektonisch, es entstanden Brüche und Zäsuren”, beschreiben Buchner Bründler den vorgefundenen Zustand des Hauses.

Wohnhaus in Allschwil von Buchner Bründler und Rolf Müller © Daisuke Hirabayashi

Umbau in Schwarz-Weiss-Grün
Die Architekten wollten mit ihrer Intervention “die Schnittstellen klären” und der Architektur ihre ursprüngliche Konsistenz zurückgeben. Dabei ist das Farb- und Materialkonzept von entscheidender Bedeutung: Schwarz-Weiss-Grün. Die neuen Wandflächen wurden mit einer tiefschwarzen Holzschalung aus Seekiefer belegt. Der Unterlagsboden wurde grün gestrichen. Die neuen Abdeckungen in Bad und Küche sind betoniert. Das Elternschlafzimmer wurde in die ehemalige Garage verlegt, wobei sämtliche Oberflächen schwarz sind und die Raumhöhe lediglich 2.10 m beträgt, was den räumlichen Bezug in den Garten stärkt. Programmatisch wurde ausserdem ein zusätzliches Gästezimmer realisiert. Es befindet sich in einem kleinen, gläsernen Anbau. In leicht japonisierender Manier verfügt es über eine kreisrunde Öffnung, die den Blick in den Garten rahmt. Ein schwarzes Quadrat (feat. Kasimir Malewitsch) und ein grüner Kreis zieren als Wandmalerei die Seitenwand des überhohen Wohnraums. 

Wohnhaus in Allschwil © Buchner Bründler

Verschränkung von Alt und Neu
Ob die Strategie der konsequenten Verschränkung, des Verschleifens von Alt und Neu, den Regeln der Denkmalpflege entspricht, sei dahingestellt. Die neuen architektonischen Elemente führen einen selbstbewussten Dialog (oder eher eine angeregte Diskussion?) mit dem Bestand. Buchner Bründler geht es nicht um ein lehrbuchhaftes Rekonstruieren oder gar Inszenieren der ursprünglichen Architektur. Nein, sie haben den Bestand mit gezielten Eingriffen und prägnanten Materialien formal und räumlich radikalisiert. “Die Addition der Bestandteile komplettiert das eine Ganze und ist nicht eine Gegenüberstellung divergierender Themen. Kein Teil ist zu viel, nichts könnte entfernt werden”, sagte Andreas Bründler in einem Interview vor über zehn Jahren. In Allschwil wurden die Qualitäten den Architektur von Rolf Müller eindrücklich freigelegt – und fulminant ins neue Jahrtausend katapultiert. Brutal radikal.

Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel

Wohnhaus in Allschwil von Buchner Bründler und Rolf Müller © Daisuke Hirabayashi


Literatur:
Architekturdialoge: Positionen – Konzepte – Visionen. Marc Angélil (Hrsg.), Niggli, 2011

 

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