Wohnhaus Dornacherstrasse 174 von Architekt Rolf Müller © Architektur Basel
Mahagoni und Ortbeton: Ein schönes Stück Brutalismus im Gundeli
Die Dornacherstrasse ist kein Ort der architektonischen Schönheit. Die wenigen beschaulichen Fragmente der Gründerzeit sind zwischen meist lieblosen Zeugen der Hochkonjunktur der 1960er-Jahre gezwängt. Zum Glück gibt es löbliche Ausnahmen. Wer ein Auge für Architektur hat, dem ist es sicher schon einmal aufgefallen. Und dennoch ist kaum etwas darüber bekannt. Die Rede ist vom Haus an der Dornacherstrasse 174. Rolf Müller (*1936) heisst der Architekt. Erbaut wurde es 1970/71. Ein besonders sehenswertes Stück Brutalismus in Basel. Architektur Basel wollte mehr über das Haus erfahren – und besuchte den 82-jährigen Rolf Müller in dessen Atelier an der Mühlheimerstrasse im Kleinbasel. Er absolvierte seine Hochbauzeichnerlehre in den 1950er-Jahren bei den Gebrüdern Stamm in Basel – einer Baufirma mit langer Tradition, die bis heute als Stamm Bau AG in der Region tätig ist. 1956/57 war Müller als Fachhörer für zwei Semester an der ETH eingeschrieben – und studierte dabei unter anderem beim Tessiner Meister der Betonarchitektur Rino Tami. Um seine künstlerischen Fähigkeiten weiterzubilden, besuchte er zudem Kurse der Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule in Zürich. Nach mehreren Praxisjahren in Büros in Basel und Zürich gründete er 1961 zusammen mit drei Kollegen ein eigenes Architekturbüro: Courvoisier Müller Storck Zurbuchen. Rund acht Jahre dauerte die Zusammenarbeit. 1970 machte er sich selbständig. Sein erstes eigenes Projekt war das Haus an der Dornacherstrasse 174.
Wohnhaus Dornacherstrasse 174 von Architekt Rolf Müller © Architektur Basel
Wohnhaus Dornacherstrasse 174 von Architekt Rolf Müller © Architektur Basel
Zusammen mit Müller kehren wir zurück ins Gundeli: Von der Strasse blicken einem die robusten, horizontalen Betonbänder und die dahinterliegende feine, hölzerne Fensterschicht entgegen. Gliederung erfährt die Strassenfassade dank der vorspringenden Mittelpartie, die ihr zudem zusätzliche Tiefe verleiht. „Mir war es ein Anliegen möglichst wenige Materialien zu verwenden. Beton für die Struktur, die Pflanztröge und Brüstungen. massives Mahagoni für die Fenster – und als Furnier für die Innentüren“, erklärt Rolf Müller. Das edle und besonders witterungsbeständige Tropenholz wurde damals ohne Bedenken verbaut. „Heute würde ich Schweizer Eiche wählen“, meint Müller rückblickend. Für die nichttragenden Innenwände wurde das damals neu entwickelte Gips-Leichtbausystem von Richter eingesetzt. Die Böden waren ursprünglich mit einem zeittypischen Spannteppich bezogen, später wurden sie dann mit Eichenparkett belegt. Sämtliche Metallteile wurden schwarz gestrichen. Sonnenschutz wurde keiner eingebaut.
Entwurfsskizze
Grundriss Obergeschoss
Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel
Rolf Müller, Architekt geboren 1936 in Luzern 1952 – 55Lehre als Hochbauzeichner bei Gebrüder Stamm 1956/57 Fachhöhrer an der ETH und Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule Zürich 1961 – 69 Mitinhaber bei Courvoisier Müller Storck Zurbuchen Architekten, Basel ab 1970 selbständig als Rolf Müller Architekt