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Buchner Bründler, Christ & Gantenbein oder Herzog & de Meuron – alle Beiträge zum Aeschenplatz 6 im Überblick
Er schlägt seinen Hammer unentwegt auf das Eisen. Unbeirrbar, auch bei klirrender Kälte. Dank seiner ikonografischen Qualität prägt der «Hammering Man» des US-amerikanischen Künstlers Jonathan Borofsky den Aeschenplatz. Dahinter befindet sich das ehemalige Bankgebäude der UBS. Es wartet auf ein zweites Leben. «Die Umgestaltung des ehemaligen Bankgebäudes am Aeschenplatz hat etwas Emblematisches. Schon einmal ist an diesem Ort die architektonische Geschichte komplett ausgewechselt worden», heisst es in der Einleitung des Juryberichts zum Studienauftrag, der vergangenes Jahr stattfand. Tatsächlich prägt das ehemalige Bankgebäude die östliche Fassade des Aeschenplatzes. Bau und Ort stehen vor einer grundlegenden Transformation: Um herauszufinden, wie diese aussehen könnte, wurden sieben Architekturbüros eingeladen, die im Rahmen eines Studienauftrags städtebauliche und architektonische Lösungen erarbeiten. In unserem heutigen Artikel blicken wir auf alle Beiträge – von Christ & Gantenbein über Herzog & de Meuron bis Buchner Bründler.
Birseckbahn am Aeschenplatz im Jahre 1967 (Quelle: ETH-Bildarchiv)
Die erarbeiteten Beiträge offenbaren die Suche nach einem neuen Selbstverständnis im Umgang mit dem Bestand und den Qualitäten und Defiziten der gebauten Stadt. Die Auseinandersetzung war auch für die Jury eine diskursive Herausforderung: «Aus der herausfordernden Aufgabenstellung heraus entstand eine Vielfalt an hochwertigen architektonischen Vorschlägen, die es erlaubt hat, den Umgang mit diesem Ort, seiner Nutzung und seiner Geschichte inhaltlich intensiv zu diskutieren, um daraus nicht nur einen Entscheid abzuleiten, sondern auch eine erfreuliche Vielzahl neuer Erkenntnisse gewinnen zu können.» Die Vorgabe war klar: Aus Gründen der ökologischen Nachhaltigkeit und des kostenbewussten Bauens war zu prüfen, inwieweit der Erhalt der Bestandsbauten möglich war. Die Lösungsansätze fielen unterschiedlich aus: Von Teilabbrüchen (Buchner Bründler oder Christ & Gantenbein) über monumentale Aufstockungen (Sauerbruch Hutton) bis zur umfassenden, oberirdischen Erneuerung (Duplex Architekten) offenbarten die Beiträge ein variantenreiches Repertoire an architektonischen Ansätzen und Haltungen. Man rieb sich am Bestand.
ehemaliger Schweizerischer Bankverein am Aeschenplatz im Jahre 1990 (Quelle: ETH-Bildarchiv)
Das Siegerprojekt der ARGE Staufer & Hasler Architekten und Graser Troxler Architekten konnte sich dank seiner konsequenten Haltung des «Weiterbauens» durchsetzen. Die Jury überzeugte die Ambition, sorgsam mit den bestehenden Ressourcen umzugehen und sich vertieft und mit der erklärten Absicht, «das Haus glücklich zu machen», vorurteilsfrei auf den Bestand einzulassen. Das sperrige Haus am Aeschenplatz weitgehend zu erhalten, aber neu zu programmieren und aufzustocken, lässt einen Prozess zu, der von den Qualitäten (und Defiziten) des Bestandsbaus bestimmt wird. Dabei zeigte die Auseinandersetzung der Jury, dass der Entscheid nicht nur aus einer zeitgemässen Diskussion um Nachhaltigkeit entsprang, sondern auch soziale und stadträumliche Überlegungen umfasste. Es stellte sich die Frage, inwiefern die bestehende Stadt überschrieben und neu programmiert werden kann und soll. Dabei geht es nicht nur um die physische Permanenz der gebauten Umwelt, sondern auch um eine Art kulturelle, graue Energie, die identitätsstiftend in unseren Städten eingelagert ist.
Aeschenplatz 6 Visualisierung Siegerprojekt "In den Gärten"
Die planerische Grundlage, die durch dieses Projekt für die anstehenden Verhandlungsprozesse zwischen der Stadt, den Nutzerinnen sowie den Eigentümerinnen geschaffen wurde, verheisst eine spannende Zukunft für das zweite Leben des ehemaligen Bankgebäudes. Als nächster Schritt folgt der politische Prozess: Der Kanton erarbeitet den Bebauungsplan, der im Anschluss von Regierung und Parlament verabschiedet wird. Dass dieser Weg mitunter steinig sein kann, musste zuletzt das Hochhausprojekt Horburg erfahren. Es bleibt zu abzuwarten, dass der Prozess am Aeschenplatz besser läuft. Bis dahin werden einige Hammerschläge vergehen. Es ist dem Haus zu wünschen, dass man es endlich wieder «glücklich» macht. Und dem Hammering Man ebenso.
Die sehenswerten Beiträge wollen wir euch nicht vorenthalten. Die Projektbeschriebe stammen aus dem Jurybericht.
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ARGE Staufer & Hasler Architekten AG /
Graser Troxler Architekten AG, Frauenfeld / Zürich
© ARGE Staufer & Hasler Architekten AG /
Graser Troxler Architekten AG, Frauenfeld / Zürich
Mit dem Projektvorschlag «In den Gärten» entwickeln die Projektverfassenden einen auf den ersten Blick überraschend klaren und einfachen Ansatz. Ausgehend von einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Bestand wird eine passgenaue Strategie für die Transformation des bestehenden Stadtbausteins entwickelt. Es gelingt dabei, der bestehenden Megastruktur ein neues «Nutzungskaleidoskop» einzuschreiben, das die Qualitäten zwischen Aeschenplatz und Quartier neu austariert und an ausgesuchten Orten miteinander verbindet. Der «Koloss» wird architektonisch nicht komplett überschrieben, sondern mit ausgesuchten Eingriffen neu gewertet und belebt. Mit dem weitgehenden Verzicht auf grundlegende strukturelle Eingriffe, gewinnt der Vorschlag an Evidenz und Klarheit.
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Graser Troxler Architekten AG, Frauenfeld / Zürich
Die Nutzungskapazitäten der Gebäudestruktur werden für die Anlage von drei in Hybridbauweise entwickelten, aufgesetzten Wohngeschossen ausgeschöpft; das restliche Programm wird zur Hauptsache in der bestehenden Struktur eingelagert. Indem die ehemaligen Arkaden mit publikumswirksamen Nutzungen bespielt werden, gelingt es, das Gebäude neu im Stadtraum zu adressieren und so den Vorbereich als urbane Sequenz zu beleben. Hauptzugang bleibt das als Palmenhausumgedeutete Glasfoyer, das als kuratierter, lebendiger Ort die unterschiedlichen Nutzungen zusammenbringt und sich mit einer nach innen verlegten «rue intérieure» verbindet. Die unterschiedlichen Nutzungen werden so zu eineminteressanten, inneren Begegnungsraum verbunden; gleichzeitig werden so aber klare Zugänge zu den verschiedenen Arbeits- und Wohnbereichen geschaffen, die eine gute Adressierung ermöglichen. Im Übergang zum bestehenden Blockrandfragment schafft zudem eine «Quartierlink» genannte Verbindung zur Gartenstrasse eine interessante Durchlässigkeit und verbindet den Aeschenplatz mit dem Quartier. Hier wird auch die räumliche Figur des Bestandsweiterentwickelt; ein eingeschossiges, «Schweif» genanntes Gebäude umfasst einen tiefer gelegten Gartenhof, der eine Aktivierung der Untergeschosse ermöglichen soll.
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Graser Troxler Architekten AG, Frauenfeld / Zürich
Interessant ist der Umgang mit den diversen Programmanforderungen des Quartierbausteins; sie sind «talentorientiert» platziert und reagieren geschickt auf lärmtechnische und strukturelle Gegebenheiten. Lärmseitig schützt die robuste Büroschicht die in den innenliegenden Schenkeln angelegten Mietwohnungen, die sich mit neu angesetzten Aussenräumen zum Garten orientieren. Über dem «Quartierlink» ist eine Seniorenresidenz angedacht, auf dem Dach sind grosszügige Eigentumswohnungen organisiert, die in ihrer inneren Durchbildung und den kiemenartigen Gartenhöfen eine hohe Wohnqualität versprechen.
© ARGE Staufer & Hasler Architekten AG /
Graser Troxler Architekten AG, Frauenfeld / Zürich
Der Freiraumentwurf setzt das Potenzial der städtebaulichen Situation in differenzierten Räumen mit verschiedenen Öffentlichkeitsgraden um. In stimmiger Verbindung von elaborierter Funktionalität und subtiler gestalterischer Raffinesse schafft die Freiraumgestaltung nutzbare Räume von starker Atmosphäre. Sie basiert auf dem Gedanken eines Kaskadengartens mit Grünelementen – und den zugehörigen wasserspeichernden Substratvolumen – auf verschiedenen Höhenstufen. Im Zentrum des Perimeters liegt im ersten Untergeschoss der grosszügige Garten der Hausgemeinschaft, der vom aufgestockten Bestandsbau und seiner südlichen Ergänzung umfasst wird. Die tiefer liegende Kiesfläche mit ihrem Ruderalbewuchs dient den Gebäudenutzenden als wertvoller Rückzugsort mit gutem Mikroklima. Von seinem vielfältigen Baumkronendach profitiert aber auch der öffentliche Raum auf Erdgeschossebene. Hier entsteht, gleichsam als Aufweitung der Gartenstrasse, ein kleiner Platz. Er lebt von seiner stimmigen Einbindung ins Wegesystem, einer guten Belebung mit Nutzungen und einem interessanten Belagsteppich, der sich als Wegeverbindung bis zum Aeschenplatz weiterzieht. Ein schönes Versprechen, das noch auf Machbarkeit und Unterhaltskosten zu prüfen wäre, ist der «Palmengarten» in der verglasten Eingangshalle. Er könnte zur Adresse und USP destransformierten Areals werden. Viel Potenzial hätte auch der Freiraum südlich dieses Innengartens. Leider wird er aber von der mächtigen Tiefgarageneinfahrt stark verstellt, was auch die Uminterpretation des Bauwerks zur Tribüne nicht ganz wettmachen kann.
© ARGE Staufer & Hasler Architekten AG /
Graser Troxler Architekten AG, Frauenfeld / Zürich
Die Ausnutzung liegt leicht unter den Vorgaben; dennoch handelt es sich um ein effizientes Projekt, das auch ökologisch vorbildlich ist. Kontrovers diskutiert wird die architektonische Ausbildung des «Schweifes», der sowohl nutzungstechnisch wie auch städtebaulich nicht zu überzeugen mag. Nicht abschliessend zu beurteilen ist zudem auch die äussere Erscheinung des neuen Stadtbausteins, die zwar in Teilen vielversprechend wirkt, aber insbesondere zur Gartenstrasse noch nicht final ausformuliert ist. Die Jury ist von den vielseitigen Talenten des Projektes beeindruckt und schätzt sowohl die grosse Diversität und Qualität des Nutzungsangebotes, als auch die feine und gut austarierte innere Durchbildung. Im Durchwirken des Bestands mit den neuen Anforderungen entsteht, ausgehend von einem schwierigen Ursprung, ein beispielhaftes zeitgemässes Ensemble mit starkem Charakter; oder um es mit den Worten von Hermann Czech zu sagen: ein «vollgültiges Werk».
Herzog & de Meuron Basel Ltd., Basel
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Der Projektvorschlag «Verwenden & Verwandeln» überzeugt durch einen feinfühligen und äusserst sorgfältig ausgearbeiteten Umgang mit dem Bestand. Auf der Grundlageeiner Projektcharta für die nachhaltige Entwicklung des Areals wird eine ausgeklügelte Transformationsprogrammatikentwickelt, die den Bestand als «Steinbruch» versteht. Der in allen Teilen des Projektes spürbare und akribisch eingehaltene Fokus auf das klimagerechte Bauen webt dabei geschickt und mit gezielten Eingriffen an der Verwandlung von einem heute introvertierten, sich gegen den Stadtraumabgrenzenden monofunktionalen Block zu einem offene nund multifunktionalen Stadtbaustein mit durchwegs qualitätvollen, variierenden Wohnangeboten und attraktiven Bürolandschaften. Mit unterschiedlichen Strategien wird das bestehende Gebäude aufgestockt, ergänzt und angepasst; der Bestand wird überformt und zu einem neuen, vielgestaltigen Ganzen gefügt.
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Mit dem Setzen eines Hochpunktes im Bereich desheutigen Atriums stärkt das Projekt den städtebaulichen Zusammenhang entlang des St. Alban-Grabens. Die daran anschliessenden Wohnungsaufbauten auf dem Bestandsgebäudeverbinden sich mit den zugeordneten Freiräumen zu einer pavillonartigen Dachlandschaft, die jedoch hinsichtlich Massstäblichkeit und Angemessenheit hinterfragt wurde. Ebenfalls mit Neubauten wird die Gartenstrasse gefasst und als Wohnadresse aufgewertet. Die Setzung der drei Bauvolumen ist an sich interessant; im Gegenzug müssen aber zwei der Bestandsflügel etwas «gestutzt» werden. Die entstehende Nähe der architektonisch bewusst noch nichtausformulierten Bauten zueinander stellt in der Wahrnehmung der Jury zudem eine gewisse Herausforderung für die soziale Nachbarschaft dar. Im Kern der Anlage lässt die bauliche Disposition einen durchgängigen Innenhof entstehen. Ganz im Geist des Erhalts des Bestands bleiben die vier Lichthöfe der Untergeschosse bewahrt.
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Der Entwurf leitet daraus für den Hof im Erdgeschoss den Typus des Raums im Raum ab: Der Hofgliedert sich in die heckengefassten «Stadtgärten», die ebenfalls von Hecken umgebenen Einschnitte der Lichthöfe und die Erschliessung rundum. Hinzu kommen die privaten Vorzonen der Erdgeschosse im Westen, auch sie mit Heckenfassung. Diese Gliederung und die grosse Zahl an körperhaften Elementen auf kleinem Raum führen zu einer gewissen Kleinteiligkeit, wo angesichts der mächtigen Baukörper eher Grosszügigkeit wünschenswert gewesen wäre. Die Durchgänge sind dadurch teilweise recht beengt. Die räumliche Situation schränkt auch die Nutzbarkeit ein. Der Eintritt in den Hof vom Aeschenplatz aus strahlt wenig Öffentlichkeit aus. Die Verbindung zwischen Aeschenplatz und Gartenstrasse ist damit zwar gegeben, jedoch wenig einladend und wird im Hof zudem von den Heckenelementen verstellt. Das öffentliche Gesicht der Anlage zum Aeschenplatz hin wird mit der Weitergestaltung der Promenade aus dem Bestand heraus ökologisch, stadtklimatisch und gestalterisch überzeugend weiterentwickelt: Der Baumbestandwird zum „Arboretum“ ergänzt, das Heckenthemaweitergeführt und eine Fassadenbegrünung als neues Thema eingeführt. Bei diesem Projekt handelt es sich um einen sehr sorgfältig und umfassend ausgearbeiteten Vorschlag, der eine äusserst akribische Auseinandersetzung mit sämtlichen Aspekten der Aufgabe darstellt. Die Ausnützung ist leichtunter der gesetzten Vorgabe, trotzdem handelt es sich um ein marktgerechtes Projekt mit hoher Ambition.
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Der von den Verfassenden vorgeschlagene Lösungsansatz für die Transformation des Bestands in einen multifunktionalen Stadtbaustein wird vom Beurteilungsgremium als bereichernder und in vielen Teilen gar als hervorragend ausgearbeiteter Projektvorschlag wahrgenommen, welcher einen wesentlichen Beitrag zur Entscheidungsfindung beitragen konnte. Dabei wurden besonders Mass und Vokabular der vorgeschlagenen architektonischen Eingriffe und neuen Bauten intensiv und teilweise auch kontrovers diskutiert. Der Grad der architektonischen Überformung des Bestandes vermochte schlussendlich nicht ganz zu überzeugen.
Duplex Architekten AG, Zürich
© Duplex Architekten
Wo heute eine monofunktionale Anlage steht, sollen sich in Zukunft Arbeiten und Wohnen rund um kleinere Höfe auf verschiedenen Niveaus begegnen. Die Nutzungen werden in fünf unterschiedlich hohen Gebäudekörpern mit polygonaler Grundfläche untergebracht. Um diese städtebauliche Konzeption zu erreichen ist es notwendig, den oberirdischen Bestandsbau mit umfangreichen Eingriffen aufzulösen; ihn «wie einen Felsen aufzubrechen». In enger Verflechtung von Volumen und Freiraum entsteht durch Hinzufügen und Entfernen des „topographischen Stadtbodens“ eine so komplexe, wie spannende Raumfolge auf verschiedenen Höhenniveaus.
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Daraus ergibt sich ein differenziertes und vielfältiges Angebot an Freiraumtypologien, vom Eingangsplatz und dem Stadtplateau in Ergänzung der St. Alban-Anlage, über verschiedene Höfe bis zu den grünen Aufenthaltsbereichen der angrenzenden Erdgeschosse. Allerdings ist diese hohe räumliche Komplexität baulich aufwändig und steht teils im Widerspruch zum vorgesehenen Öffentlichkeitsgrad der Freiräume. Am Aeschenplatz entsteht zwischen den Gebäuden eine öffentliche Platzsituation, der „City Square“, welcher als Adresse und Entrée je nach Erdgeschossnutzung gut funktionieren kann. Von hieraus jedoch sind die Verbindungen ins Innere des Areals teils schwierig: Das Auf und Ab mit Treppen, Rampen, Durchgängen, verschiedenen Ebenen und Verwinkelungen ist für einen urbanen öffentlichen Raum sehr komplex. Orte wie die beiden Höfe und die verschiedenen Aufenthaltsplätze bilden zwar durchaus attraktive Räume, deren Belebung in dieser Konzeption als öffentliche und halböffentliche Räume aber schwierig werden dürfte.
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Positiv hervorzuheben ist die Substratmächtigkeit und die hohe Zahl an Bäumen. Ein hoher Stellenwert wird der Verbindung St. Alban-Anlage/ Gartenstrasse beigemessen. Die Durchwegung desganzen Areals mit den Abgrabungen auf mehreren Ebenen vervielfachen jedoch die Erdgeschossfläche, wodurch das Risiko von Leerstand in den Erdgeschossen ebenfalls erhöht wird. Die räumliche Komplexität der Aussenräume, sowie die Ausgestaltung der Fassade lässt die Frage offen, ob der urbane Kontext und das vorhandene städtebauliche Umfeldgenügend berücksichtigt wurden, um einen adäquaten Umgang zur Transformation des neuen, multifunktionalen Stadtbausteines an seiner exponierten Lage zu finden. Die fünf Baukörper sind in eine einheitliche, neue Fassade aus hinterlüfteten Terracottaplatten mit Holz-Metallfenstern und roten Textilmarkisen gekleidet. Durch dieses Überstülpen einer komplett neuen Identität, in welcher der ursprüngliche Bau nicht wiedererkennbar ist, tritt der Gebäudekomplex nahezu als Neubau in Erscheinung.
© Duplex Architekten
Die Nutzungsverteilung ist insgesamt plausibel und die Grundrisslösungen in den Wohngeschossen bilden die Basis für eine lebendige Mischung von vielfältigen Lebensentwürfen. Es werden Ideen formuliert, wie Wohnen und Arbeiten im 21. Jahrhundert funktionieren könnte: über Konzepte wie „Enfilade am Licht“, das „atmende Haus“ oder Wohnungen mit einem „übrigen Zimmer“ entstehen Grundrisse mit überraschenden Momenten: Die erreichte Diversität an Wohnungen ist beachtlich, hier wurde sehr viel Zeit investiert, um innovative Lösungen für heutige Wohnsituationen zu finden.
© Duplex Architekten
Die Aspekte des nachhaltigen Bauens werden zurückhaltend aufgenommen. Obwohl grosser Wert daraufgelegt wird, das Projekt im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen zu denken, vermag die lose Anwendung der Konzepte einer Schwammstadt nicht zu überzeugen; Substratmächtigkeit in den Höfen, die begrünte Dachlandschaft mit grosser PV-Anlage, Grünflächen, Wasserflächen zur Verdunstungskühle und Retensionsflächen, können die mehrgeschossige bestehende Unterbauung, die eine direkte Versickerung verunmöglicht, nicht kompensieren.
© Duplex Architekten
In Anbetracht der umfassenden Eingriffe in den oberirdischen Bestand ist die bauliche Eindringtiefe hoch. Selbstwenn das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht und heute auch nicht als Bereicherung des Stadtraums wahrgenommen werden kann, so ist es dennoch ein Zeugnis der Stadthistorie. Dessen blosse Überdeckung durch ein neues Gewand löscht diese erzählte Geschichte lediglich aus und wirkt nicht überzeugend genug weiterentwickelt. Insgesamt würdigt das Gremium die guten und vielseitigen Ansätze, mit denen die Verfassenden einen eigenständigen und wichtigen Beitrag leisten, der letztendlich nicht vollständig überzeugen konnte.
Buchner Bründler Architekten AG, Basel
© Buchner Bründler Architekten
Die Bestandsbebauung entlang der St. Alban-Anlage wird beidseitig zurückgebaut und auf einen zentralen Gebäudekörpermit rückseitigen Nebentrakten reduziert. Auf den neu entstehenden Freiflächen wird im Osten ein Wohnhochhausplatziert, und im Süden bildet ein weiteres achtgeschossiges Wohnhaus ein direktes Gegenüber zum Bestand und die südliche Fassung für einen Wohnhof. Die westliche bestehende Blockrandbebauung des Turmhauses wird mit einem Anbau abgeschlossen und zwischen den Bauten entsteht ein attraktiver neuer Gassenraum in Nord-Süd Richtung, begleitet von einem niedrigen Längsbau mit kleinteiligen Gewerbeeinheiten. Die durch diese Setzung erzeugte vielfältige Abfolge von unterschiedlichen Aussenräumen wird als erfolgreich beurteilt, insbesondere die neu entstandene Gassen- und Hofsituation.
© Buchner Bründler Architekten
Im Gegenzug vermag der aufgrund der Einkürzung neu symmetrisch erscheinende Hauptbau mit den aufgesetzten drei Wohngeschossen nicht zu überzeugen; die Erweiterung in Holz wirkt provisorisch und entwickelt gegenüber dem dominanten Bestand zu wenig Kraft. Auch die städtebauliche Betonung der Ost-Ecke mit einem Wohnhochhaus birgt Herausforderungen; der mit der Freistellung einhergehende hohe öffentliche Anspruch an das Erdgeschoss scheint an dieser Lage schwierig einzulösen und bringt für die darüber liegenden Wohnnutzungenkeine offensichtlichen Vorteile. Die im Süden angeordnete Rampe zerschneidet zudem den Aussenraum zusätzlich und lässt den östlichen Projektbereich als von der restlichen Parzelle separiert erscheinen.
© Buchner Bründler Architekten
Die städtebauliche Setzung schafft auch im Freiraum eine grundlegend neue Ausgangslage: Anstelle der geschlossenen Fassade entsteht auf Basis des Bestands ein einfaches, doch differenziertes System aus Gassen, Hof und Platz- und damit auch eine einladende neue Transparenz und Durchgängigkeit zwischen Aeschenplatz und Gartenstrasse. Der verbindende Bodenbelag ist als Geste stimmig, aus Sicht der Versickerung ist aber die vorgesehene Pflästerung nicht optimal. Vor allem der westliche Gassenraum ist mit seiner Ausstattung und dem Zusammenspiel mit der Erdgeschossnutzung für die Öffentlichkeit und die Anwohnerschaft gut nutzbar. Treppen und eine Rampe führen von beiden Durchgängen aus in einen leicht erhöhten Hofzwischen Alt- und Neubau. Seine geschützte Lage, seine stimmige Zonierung und üppige Bepflanzung versprechen einen wertvollen Rückzugsraum für die Anwohnerschaft. Die Setzung des östlichen Neubaus führt zu einer schwierigen freiräumlichen und typologischen Situation; das Gebäude steht freiräumlich bezugslos mitten auf dem Platz, das Umfeld wird so zur Restfläche. Entsprechend findet die Freiraumgestaltung hier keine überzeugende Lösung. Zwar ist die hohe Zahl an Bäumen sehr lobenswert, die Räume und ihre Nutzungen bleiben aber zu unpräzise und beliebig. Die „Gartenzimmer“ entfalten als Versuch, das städtebauliche Problem mit vegetativen Mitteln zu lösen, zu wenig Kraft.
© Buchner Bründler Architekten
Das Nutzungskonzept sieht im Bestandsbau eine vielversprechende flexible Halle für Märkte, temporäre Nutzungen und Restauration vor. Gegen die Hofseite sind ergänzend ruhigere Flächen für Büronutzungen vorgesehen. In den übrigen Erdgeschossen sind weitere Gewerbeflächen vorhanden, einzig im südlichen Baukörper findet Wohnen bis ins Erdgeschoss statt. Der Zugang zu allfälligen publikumsorientierten Nutzungen im Untergeschoss, wie z.B. zum vorgeschlagenen Sportzentrum, erfolgt über einzelne punktuelle Treppen und Lifte. Hier wäre eine stärkere räumliche Anbindung an die Erdgeschossebene einem erfolgreichen Betrieb zuträglich. In den Obergeschossen werden weiterhin Büroflächen zur Strasse und neu Wohnungen gegen Süden angeboten. Die differenzierte Anordnung von Arbeiten gegen die lärmbelastete Nordseite und von Wohnen gegen den ruhigen Süden überzeugt. Die gemischte Anbindung von Wohn- und Büronutzungen an einem Erschliessungssystem und das Fehlen von Tageslicht in den inneren Erschliessungsbereichen aufgrund des Entfalls der Lichthöfe stellt hingegen eine Verschlechterung gegenüber der heutigen Situation dar.
© Buchner Bründler Architekten
Die unterschiedlichen Wohnstandards sind im vorliegenden Projekt nach Gebäudekörpern getrennt. Eine stärkere soziale Durchmischung und mehr Begegnungsorte für die Bewohnerschaft wären wünschenswert. Die Neubauten werden als effiziente und nachhaltige Hybrid- und Holzbauten vorgeschlagen. Die Grundrisse sind dementsprechend regelmässig strukturiert und die Fassaden bis ins konstruktive Detail entwickelt. Insgesamt wird jedoch ein relativ grosser Anteil an Bestandsbauten zugunsten einer neuen Bebauung abgebrochen. Die resultierende neue städtebauliche Situation vermag nicht in allen Teilen zu überzeugen und es stellt sich insbesondere im östlichen Bereich der Parzelle die Frage nach dem resultierenden Mehrwert.
ARGE Carmody Groarke / Rapp AG, London / Basel
© ARGE Carmody Groarke / Rapp AG, London
Mit Retain, Reuse und Reinvent soll das Vorzeichen einer nachhaltigen Entwicklung gesetzt werden. Der Bestandbleibt weitestgehend erhalten und wird nur punktuell zurückgebaut. Dort, wo die Gebäudetiefe ein kritisches Massüberschreitet, werden neue «Höfe» für Licht und Luft eingeschnitten und die bestehenden Atrien in offen, bewitterte Höfe überführt. Der Bestand wird partiell mit zwei weiteren Geschossen aufgestockt, deren Dachabschluss sich in Form von repetitiven Tonnendächern von der bestehenden Architektur absetzt. Zur Gartenstrasse hin wird der Bestand mit einem freistehenden, pavillonartigen Neubau ergänzt. Dieser wird ebenfalls um einen weiteren Innenhof organisiert. Bestand und Neubau stehen auf einem gemeinsamen Erdgeschossplateau. Der bestehende Sockel, welcher das Erdgeschoss vom Stadtboden abhebt, wird nivelliert, um so die Anbindung an das Stadtniveau zu gewährleisten. Mittelseiner Serie von Rampen wird ein fliessender Übergang von Strassenraum zu Grünraum angestrebt. Diese Nivellierung führt geometrisch zu komplizierten Anschlusskoten und Details. Das neue Ensemble bietet eine einfache und logische Adressierung entlang der St. Alban-Anlage. Zwei unterschiedlich grosse Durchgänge binden den freistehenden Neubau an der Gartenstrasse an das übergeordnete Wegsystem.
© ARGE Carmody Groarke / Rapp AG, London
Die Ambition möglichst viel beizubehalten, es wiederzuverwenden und daraus Neues zu erschaffen, wird architektonisch nicht konsequent umgesetzt. Wenn aus der inhärenten Logik des Bestandes herausgearbeitet wird, erstaunt der architektonische Formwille. Weder die Aufstockung noch die Fassadenentwicklung scheinen aus der strukturellen und architektonischen Logik des Bestandes entwickelt. Vielmehr wird hier ein gestalterischer Wille des Neuanfangssichtbar, welcher versucht, das Vorgefundene zu überschreiben. Innere Logik und äussere Erscheinung entfernen sich. Dass Neubau und Bestand, obwohl strukturell maximalunterschiedlich, in eine gemeinsame Erscheinung überführt werden, bleibt unverständlich. Der Entwurf wirkt dadurch sehr schematisch. Dieser Schematismus äussert sich auch in der immergleichen Typologie der Laubenerschliessung und der Wohnungsgrundrisse. Die Wohnungsdiversität istdementsprechend gering. Durch die Angleichung von Neu und Alt entsteht eine Artstädtebauliches Grossensemble, welches an Architekturen aus den 70er Jahren erinnert und aus der Sicht der Jury die Chance verpasst, aus dem Bestand Kraft für eine neue Interpretation zu schöpfen.
© ARGE Carmody Groarke / Rapp AG, London
Die Nutzungsverteilung ist insgesamt plausibel und intelligent und zeigt eben das Potential des Bestandes in Bezug auf Gebrauchswert und Nutzungsflexibilität. Die städtebauliche Figur mit dem Bestandsbau, der in den Freiraum ausgreift, und dem sechsstöckigen «Pavillonbau» bildet im Freiraum eine anspruchsvolle Ausgangslage. Siebelegt viel Fläche und schafft eine kleinteilige Situation mit teils beengten Durchgängen und zahlreichen kleinen, verschatteten Innenhöfen. Zwischen dem Altbau und dem Neubau entsteht ein gemeinschaftlicher Hof, der Aufenthaltsqualität verspricht, jedoch hinsichtlich Begrünung und Sickerfähigkeit noch Potenzial hat. Westlich des Neubaus wird eine lange, schmale Grünfläche vorgeschlagen, die mit ihren zahlreichen Bäumen und dem Spielangebot eine wertvolle Ergänzung des Freiraumangebots ist, aber recht peripher liegt und in ihrer Gestaltung noch zu präzisieren wäre. Durch die Öffnung der Atrien zu bewitterten Höfen und die Einführung weiterer Höfe ist die Hüllfläche entsprechend hoch.
© ARGE Carmody Groarke / Rapp AG, London
© ARGE Carmody Groarke / Rapp AG, London
Insgesamt ist durch die punktuellen Eingriffe die Interventionstiefe im Rohbau des Bestandes eher tief. Die Fassadenkonstruktion wird komplett ersetzt und sehraufwendig neugestaltet und verkleidet. Nicht verständlich ist das «Down-Cycling» der bestehenden Natursteinfassadenelemente für die neue Fassadenverkleidung. Die konsequente Weiterentwicklung des Bestands wird ökologisch sehr begrüsst, die dabei entstandene, neue und sehr aufwendige Fassadengestaltung muss aber kritisch hinterfragt werden. Der Entwurf weist den höchsten Anteil an Bestandes Bauten und den geringsten Anteil an Neubauten auf. Gleichzeitig aber auch den tiefsten Wert der oberirdischen und den höchsten der unterirdischen Geschossfläche. Insgesamt ist die Ausnützung im Vergleich eher tief. Durch die hohe Gebäudehüllfläche ist der Kosteneffizient mässig.
Christ & Gantenbein AG, Basel
© Christ & Gantenbein
Der Bestand wird durch den Rückbau der drei rückwärtigen Flügel zu einer strassenbegleitenden Zeile, die um vier Geschosse aufgestockt wird. Die untergeordnete Gartenstrasse wird mit einem schlanken, in der Höhe gestaffelten, Zeilenbaubesetzt. Dazwischen spannt sich ein durchlässiger Gartenhof auf. Der Bestand wird in dieses städtebauliche Konzept integriert und der Rückbau der drei Flügel durch den neuen Hofraum gerechtfertigt. Es entstehen klare Adressen an der St. Alban-Anlage und an der Gartenstrasse. Die programmatische Verteilung scheint logisch und konsequent; Büro- und Dienstleistungsflächen bleiben im Bestandsbau, Wohnnutzungen werden in der Aufstockung und in dem Neubau untergebracht. Die Höhenentwicklung entlang der öffentlichen Anlagen wird plausibel dargelegt, jene entlang der Gartenstrasse scheint zufällig und ist eher der quantitativen Zielgrösse geschuldet.
© Christ & Gantenbein
Das einfache städtebauliche Dispositiv wird in der weiteren architektonischen Ausarbeitung stark beeinträchtigt. So werden die Eingänge zu den Eigentumswohnungen in den Hofraum gelegt und als vertikale und witterungsoffene Erschliessungstürme nach oben geführt. Dies führt zu einer unglücklichen Kernverdoppelung. Die bestehenden Bürokerne müssen feuerpolizeilich als Hochhauskerne nachgerüstet werden, obwohl sie die letzten vier Geschosse nicht erreichen. Das gewählte strukturelle Raster der Aufstockung scheint für Wohneigentum nicht geeignet, entstehen doch schlauchartige und eher beengte Wohnsituationen. Das Verinnerlichen der Arkade entlang der St. Alban-Anlageführt zu einer willkommenen Aktivierung der Erdgeschossflächen. Mit der Erweiterung dieser Flächen in das erste Untergeschoss, entstehen attraktive und zusammenhängende Verkaufsflächen, die aber nicht unabhängig voneinander vermietbar sind.
© Christ & Gantenbein
In den Obergeschossen des Bestandes entwickelt sich das Geschäftshaus über die gesamte Länge. Das Atrium wird durch ein Passstück ersetzt, sodass die Büroflächen nicht mehr zweigeteilt sind. Die neue Wohnzeile an der Gartenstrasse ist schlüssig entwickelt. Die Hauptorientierung der Wohnungen findet zum neuen Hofraum nach Norden statt und schränkt die Wohnhygiene und den Wohnkompass ein.
© Christ & Gantenbein
Strukturell werden die neuen baulichen Eingriffe als Skelettbau in Hybridbauweise erstellt und entsprechen den Vorgabeneiner ressourcenschonenden Bauweise. Bemerkenswert ist der Umgang mit den aus dem Bestandgelösten Baumaterialien, welche geschickt in einen neuen Lebenszyklus als Fassadenbauteil überführt werden. Es entsteht eine Logik der Wiederwendbarkeit, deren architektonische Anmutung einen hohen Reiz ausstrahlt.
© Christ & Gantenbein
Die beiden Zeilenbauten entlang den Strassen spielen im Zentrum des Perimeters einen sehr grosszügigen Hofraumfrei, der als Gartenhof interpretiert wird. Mit einem gutplatzierten Pavillon, einer umfassenden Durchwegung, einer fein ausgearbeiteten, räumlich bereichernden Topographie und zahlreichen Bäumen bietet der Hof einen wertvollen, nutzbaren und klimawirksamen Freiraum. Der nördliche Teil des Hofs wird als öffentlich zugänglicher Bereich deklariert. Angesichts der Stadtgartentypologie und der Zugänge ist eine öffentliche Nutzung und Belebung aber wenig realistisch. Auch ist die Hofgestaltung als «Waldgarten» zwar schön ausgearbeitet, aber fraglich, ob sie für diese urbane Situation robust genug ist. Im Westen wird das Gartenthema des Hofs bis an die Gartenstrasse geführt. Hier, im Winkel zwischen den Baukörpern, wäre aber typologisch und funktional eine platzartige Gestaltung als Adresse und Entree angemessener. Die Verbindung zwischen Aeschenplatz und Gartenstrasse ist mit den Wegen am westlichen und östlichen Hofrand gegeben. Die Zugänge, durch den nördlichen Gebäuderiegel hindurch beziehungsweise auf schmalen Wegen von der Gartenstrasse her, sind für die Öffentlichkeit wenig einladend. Das Projekt weist eine mittlere bis gute ökologische Bilanz auf. Durch den Rückbau ist die bauliche Eindringtiefe hoch. Mit elf neuen, vertikalen Erschliessungen ist der bauliche Aufwand proportional zur resultierenden Fläche hoch. Die Bauten werden jedoch kompakt und mit «leichten» Baukonstruktionen ergänzt. Der sommerliche Wärmeschutzwird durch den hohen Glasanteil kritisch beurteilt, ebenso die Tageslichtqualität der Wohnungen. Die Aufstockung weist eine Gebäudehöhe von 32 m auf und wird als Hochhaus eingestuft.
© Christ & Gantenbein
Die Verteilung von Büroflächen auf Bestand und Wohnflächen in Neubauten, führt zu einem inhärenten Überhang an Dienstleistungs- und Gewerbeflächen. Kombiniert mit einer geringen Wohnungsdiversität und einem nicht idealen Wohnungsmix weist das Projekt eine durchschnittliche Marktfähigkeit auf.
Sauerbruch Hutton, Berlin
© Sauerbruch Hutton
Das Projekt schlägt vor, die markante Bebauung entlang der St. Alban-Anlage auf die gesamte Länge zu erhalten und ihre raumkantenbildende Wirkung durch eine Aufstockung mit zwei weiteren 6-geschossigen Volumina zu verstärken. Eine horizontale Fuge trennt neu und alt und die geschwungene Formensprache der Aufstockung intensiviert zusätzlich die Lesbarkeit der Gebäudekörper als eigenständige, sich ergänzende Baukörper. Im südlichen Bereich wird entlang der Gartenstrasse eine sechsgeschossige Wohnzeile platziert und ein polygonaler «Wohnpavillon» schliesst die Bebauung gegen Westen ab.
© Sauerbruch Hutton
Die Bauten zum Aeschenplatz erreichen eine Höhe von 39 m und beziehen sich damit auf die Höhenentwicklung der benachbarten Helvetiatürme und auf das Turmhaus am Platz, eine Entsprechung in vergleichbarer Höhe oder Präsenz fehlt jedoch sowohl auf der gegenüberliegenden Seite, wie auch im weiteren Verlauf der St. Alban-Anlage. Die Jury würdigt den präzise formulierten und dezidierten architektonischen Ausdruck der aufgesetzten Bauten und die geschickt hinzugefügten Kerne und resultierende Überlagerung der statischen Systeme. Im Gegensatz dazu wirkt die zweifach genickte Wohnzeile entlang der Gartenstrasse in ihrer volumetrischen und architektonischen Ausformulierung wenig spezifisch und die Setzung eines dreigeschossigen Wohnungsbaus in der Hofmitte als nicht nachvollziehbar.
© Sauerbruch Hutton
Der Bestandsbau und die zusätzliche Zeile an der Gartenstrasse generieren drei klare Freiräume, die zu differenzierten Typologien ausgestaltet werden: einem grosszügigen gemeinschaftlichen Gartenhof für die Anwohnerschaft, einem kleineren, halböffentlichen Hof bei der Mensa und einem öffentlichen Platz an der Gartenstrasse, der zugleich Adresse, Aufenthaltsort und Tor zum Gartenhof ist. Der Platz ist in seiner Lage, Schlichtheit und Nutzbarkeit angemessen, im Sinne der Aufenthaltsqualität und des Mikroklimas wären hier aber Bäume wünschenswert. Der Gartenhof überzeugt mit einer guten Durchwegung und einem zentralen Spiel- und Aufenthaltsplatz. Der wertvolle grüne Rahmen mit seinen zahlreichen Bäumen stelltauch die Privatsphäre der Erdgeschosswohnungen sicher. Zu überdenken wären aber die für diese urbane Lage rechtgärtnerische Anmutung und das Verhältnis von ausgepflanzter zu nutzbarer Grünfläche. Überzeugend ist auch die Platzierung des Mensahofs und seine Gestaltung als ruhiger, öffentlicher / halböffentlicher Raum. Aus freiräumlicher Sicht unverständlich ist jedoch die Platzierung des Pavillons, der sowohl den Durchgang von der Gartenstrasse zum Gartenhof, als auch jenen von der Gartenstrasse zum Aeschenplatz durch den Mensahof verstellt. Insbesondere die auf den Bestand aufgestockten «Türme» überzeugen mit gut ausgearbeiteten Wohnungsgrundrissen und versprechen attraktive, zweiseitige Ausblicke auf die Stadt.
© Sauerbruch Hutton
Im Bestand werden weiterhin Büroräumlichkeiten und neu auch Wohnungen (Bestand Ost) angeboten. Durch das Einfügen von verglasten Wintergärten innerhalb der Bestandsstruktur und entsprechende Balkonschichten und Loggien bei den Aufstockungen wird situativ auf die Herausforderungen des Strassenlärms reagiert. Auch die «Fuge» zwischen Neu und Alt bietet mit den grösseren Terrassenflächen sowohl für Wohnen wie auch Arbeiten interessante zusätzliche Typologien an. Die Adressierung der Wohnungen erfolgt über separate Zugänge im Erdgeschoss zu den neu eingefügten Treppenkernen. Nebst den Zugängen zu den Büronutzungen befinden sich hier auch sogenannte «Periskope»; es sind dies sich ins Untergeschoss öffnende Räume, welche eine bessere Anbindung und Sichtbarkeit der unterirdischen Flächenermöglichen. Aufgrund der vielen aneinander gereihten Eingangssituationen bleibt bedauerlicherweise nur wenig Platz für eine aktive Programmierung des Erdgeschosses übrig; einzig im Osten sind kleinere Gewerbeflächen und ein Restaurationsbetrieb mit Verbindung zum Innenhofvorgesehen. Die unterschiedlichen Wohnstandards sind im vorliegenden Projekt nach Gebäudekörpern getrennt. Eine stärkere soziale Durchmischung und mehr Begegnungsorte für die Bewohnerschaft wären wünschenswert.
© Sauerbruch Hutton
Der reflektierte Umgang mit dem Bestand und der daraus resultierende grosse Anteil an Erhalt wird gewürdigt. Die Aufstockung zu Hochhäusern und die daraus resultierende hohen Anforderungen führen jedoch zu einer relativ hohen Eingriffstiefe mit entsprechendem Aufwand. Die neuerstellten Bauten werden als Hybrid- und Holzbauten vorgeschlagen, die Fassaden wo möglich mit PV-Modulen und Pflanztrögen ergänzt. Überlegungen zur Wiederverwendung von Bauteilen und Materialien sind ebenfalls im Ansatz vorhanden und könnten weiter vertieft werden.