Wettbewerbe 15.06.26

© ARGE Staufer & Hasler, Graser Troxler Architekten

170 Wohnungen am Riehenring – Blick auf Projekte von Clauss Kahl Merz + Truwant + Rodet, Rahbaran Hürzeler, Staufer & Hasler und Graser Troxler

Die Messe befindet sich im Wandel. Die glorreichen Tage der international gefeierten «Baselworld» sind vorbei. Expansion ist kein Thema mehr. Im Gegenteil. Und das hat konkrete städtebauliche Konsequenzen: Mit dem Heimfall der Messehalle 3 eröffnet sich in Kleinbasel die seltene Chance, ein bislang trennendes Infrastrukturfragment in einen neuen urbanen Stadtbaustein zu transformieren. Die Messebauten prägen den Ort: Ihre grossmassstäblichen Volumina waren Ausdruck wirtschaftlicher und stadträumlicher Bedeutung, wirken jedoch zugleich als räumliche Barriere zwischen dem Matthäus- und dem Rosentalquartier. Genau an dieser Schnittstelle setzte der Projektwettbewerb an. Gesucht waren Antworten auf zentrale Fragen zeitgenössischer Stadtentwicklung: Wie lassen sich bislang getrennte Stadträume verbinden? Wie kann an bestehende Bau- und Infrastrukturen angeknüpft un diese umgedeutet werden? Und wie entstehen innerstädtische Wohnformen, die Gemeinschaft fördern, Nutzungsmischung ermöglichen und zugleich langfristig anpassungsfähig bleiben? Antworten lieferte ein anonymer Architekturwettbewerb.

© Kanton Basel-Stadt

Die Ausgangslage war anspruchsvoll. Bereits die vorgängige Machbarkeitsstudie machte deutlich, dass sich die Vielzahl an Anforderungen – vom Umgang mit Bestand und Erschliessung über Fragen der Dichte, Freiraumqualität und Nachhaltigkeit bis hin zu sozialräumlichen Erwartungen – nicht einfach auflösen liessen. Der Wettbewerb bestätigte diese Komplexität. Zwar lieferten die zwölf qualifizierten Teams laut Kantonsbaumeister Beat Aeberhard «durchwegs qualitativ hochwertige und bemerkenswerte Entwürfe», doch vermochte zunächst kein Projekt vollständig zu überzeugen. Auch die drei bestbewerteten Beiträge liessen trotz hoher Qualität «entscheidende Fragen offen», wie der Jurybericht festhält.

Die Jury – prominent besetzt mit Ludovica Molo, Simon Frommenwiler oder Nico Ros – entschied sich deshalb mit grosser Mehrheit, die definitive Rangierung zunächst auszusetzen und drei Projekte in eine anonyme, entschädigte Überarbeitungsrunde zu schicken. Die drei Entwürfe hätten bereits «interessante Ansätze» verfolgt und «in weiten Teilen» überzeugt, zugleich aber Schwächen aufgewiesen, die gezielt überarbeitet werden sollten. Dieser ungewöhnliche Schritt erwies sich als entscheidend. Die Jury habe die Option keineswegs leichtfertig gewählt, betont Beat Aeberhard; der zusätzliche Aufwand für Teams und Verfahren sei erheblich gewesen. Doch die Überarbeitung habe sich «mehr als ausgezahlt»: Die drei Projekte hätten sich «in einer beeindruckenden Weise präzisiert, geschärft und hinsichtlich ihrer Umsetzung konkretisiert», sodass der finale Entscheid schliesslich «zügig und einstimmig» getroffen werden konnte.

© Clauss Kahl Merz Atelier / Truwant+Rodet+

Die prämierten Projekte «IM WANDEL» der ARGE Clauss Kahl Merz + Truwant + Rodet +, «ROSI» von der ARGE Rahbaran Hürzeler + HSSP sowie «DSCHUNGELI» der ARGE Staufer & Hasler mit Graser Troxler formulieren drei unterschiedliche, aber gleichermassen ambitionierte Antworten auf die Zukunft des Areals. Während das Siegerprojekt «IM WANDEL» insbesondere durch seine präzise städtebauliche Einfügung, flexible Nutzungslogik und eine ressourcenbewusste, teilweise oberirdische Interpretation des Quartierparkings überzeugt, setzt «ROSI» auf eine urbane Doppelhof-Typologie mit starkem Freiraumbezug, während «DSCHUNGELI» die Weiterentwicklung der historischen Hallenstruktur und eines gemeinschaftlich geprägten Grünraums ins Zentrum stellt. Gemeinsam ist allen drei Projekten der Versuch, aus einem bislang trennenden Ort einen neuen Stadtraum der Verbindung zu schaffen – zwischen Quartieren, Nutzungen und Formen des gemeinschaftlichen Wohnens. Wie Beat Aeberhard es in seiner Würdigung formuliert, stehen dabei «Kontinuität, Neuanfang und Gemeinschaft» im Zentrum. Das Siegerprojekt ist ein Versprechen. Man darf sich auf die Zukunft am Riehenring freuen – oder in den Worten von Jonathan Koellreuter: «Wir freuen uns auf die Planung dieses neuen Quartierbausteins und sind überzeugt, damit einen Mehrwert für die angrenzenden Quartiere und die zukünftigen Bewohner:innen zu schaffen.»

Mit grossem Interesse werfen wir einen ausführlichen Blick auf die Projekte auf den Podestplätzen. Die nachfolgenden Projektbeschriebe stammen aus dem Jurybericht.


IM WANDEL
1. Rang / 1. Preis 🏆
ARGE Clauss Kahl Merz + Truwant + Rodet +

© ARGE Clauss Kahl Merz + Truwant + Rodet +

Das Projekt IM WANDEL zeichnet sich auch nach der Überarbeitung durch eine sehr präzise Setzung von vier zum Teil zusammengebauten Gebäudevolumen aus, die mit der Messehalle 1E ein kompaktes Ensemble mit drei unterschiedlich ausformulierten Hofbereichen sowie einen angemessenen Vorplatz zum Riehenring bilden. Diese volumetrische Disposition orientiert sich geometrisch an der grossen Messehalle und fügt sich an dieser Schnittstelle zwischen den grossmassstäblichen Messebauten und dem angrenzenden Wohnquartier entlang des Riehenrings städtebaulich auf eine überzeugende Art und Weise ein. Das Projekt weist trotz seiner geforderten Bebauungsdichte eine angemessene Durchlässigkeit auf, die sowohl gemeinschaftliche Intimität als auch räumliche Grosszügigkeit und Offenheit im Inneren sowie gegenüber dem umgebenden Quartier bietet. Die Erdgeschosse der verschiedenen Gebäudetrakte sind grundsätzlich zweckmässig konzipiert und ermöglichen so eine Anordnung von Nutzungen, welche den Aussenraum sinnvoll beleben. Ausnahme bildet die Anlieferung, welche in der vorgeschlagenen Anordnung zu einem Konflikt mit der Tramhaltestelle führt.

© Clauss Kahl Merz Atelier / Truwant+Rodet+

Das Projekt bietet ein reichhaltiges Angebot an unterschiedlichen Wohntypen, welche jeweils aus dem spezifischen stadt- wie auch binnenräumlichen Kontext heraus sinnvoll erscheinen. Sie werden zwei- bis mehrspännig über Treppenhäuser oder über offene Treppenanlagen und Laubengänge erschlossen. Die Reduktion der Laubengänge hat in der Überarbeitung eine Klärung der räumlichen Orientierung gebracht. Sie führt wohl zu mehr Treppenhäusern, erlaubt jedoch eine bessere Adressierung wie auch attraktivere Ausrichtung einzelner Wohnungen. Die verschiedenen, effizient organisierten Wohnungstypen sind insbesondere im Bereich des Zugangs präzisiert und dadurch attraktiver geworden.

© ARGE Clauss Kahl Merz + Truwant + Rodet +

Der Vorschlag, das Quartierparking als offene, mehrheitlich oberirdische Struktur auszubilden, scheint intelligent und vielversprechend. In Zeiten geringer Auslastung oder in Zukunft bei einem eventuell sinkenden Stellplatzbedarf können diese Flächen einfach in zur Sperrstrasse hin ebenerdige Gewerbe- oder auch Wohnflächen umgewandelt werden. Nebst einer erhöhten Flexibilität führt dieses Konzept zu Einsparungen an Kosten und einer Reduktion an CO2-Emissionen. Zum grossen Innenhof hin bietet dieser innere Gebäudetrakt Raum für gemeinschaftliche oder halböffentliche Nutzungen und verleiht der Anlage so eine zusätzlich belebende Wirkung.

© ARGE Clauss Kahl Merz + Truwant + Rodet +

In seinem architektonischen Ausdruck hat das Projekt in der Überarbeitung entscheidend an Qualität gewonnen. Der Verzicht auf offene Laubengänge zum umgebenden Stadtraum an der Feldbergstrasse und am Riehenring führt zu einem angemesseneren architektonischen Auftritt und einer selbstverständlicheren Einfügung in den vorliegenden urbanen Kontext. Die metallene Materialisierung der Gebäudehülle und die Verwendung eher roher Materialien wie dem Glasbaustein bei den Treppenhäusern verweisen in der vorgestellten Art auf die ehemaligen gewerblichen Programme, welche dieses Quartier prägten. Die Veredelung der prägnanten Stirnfassaden in Naturstein bilden einen spannungsreichen Kontrast dazu. Überhaupt besticht das Projekt durch einen Reichtum an architektonischen Akzenten, welche allseitig sehr spezifisch unterschiedlichste Stellen im Projekt auszeichnen. Diese Elemente – wie beispielsweise die schrägen Dachschilder an den Ecken des Geviertes wie auch die prägnant ausformulierte Ecke des offenen Parkgeschosses an der Ecke Sperr- und Isteinerstrasse – verleihen dem Projekt, neben seiner überzeugenden Materialisierung, architektonisch Identität. Die oberirdische Anordnung des Parkings reduziert den massiven Untergeschossbau erheblich und ermöglicht eine beachtliche CO2-Einsparung von rund der Hälfte im Vergleich zu Projekten mit vollständig unterirdischem Parking. Die geneigten Stützen tragen zusätzlich zu einer ressourcenschonenden Lastabtragung bei.

© Clauss Kahl Merz Atelier / Truwant+Rodet+

Insgesamt zeigt die Überarbeitung ein ausgereiftes, technisch glaubwürdiges und zugleich nachhaltiges Tragwerkskonzept, das sowohl funktional wie auch konstruktiv überzeugt und dem Projekt eine hohe Robustheit und langfristige Flexibilität verleiht. Das Projekt hat durch die Detaillierung des Programms enorm an Klarheit gewonnen. Ein heterogenes Ensemble von Räumen bildet eine durchlässige Struktur, die vielfältige öffentliche und gemeinschaftliche Aneignungen ermöglicht. Im Zentrum steht das offene Quartierparking, das sich als mehrgeschossiges Foyer bis ins Dach zieht und durch seine Flexibilität kurzfristige wie langfristige Umnutzungen zulässt.

Das Projekt bietet ein breites Spektrum von öffentlichen bis gemeinschaftlichen Räumen: einen baumbestandenen Quartierplatz am Riehenring, den nicht unterbauten Waldhof sowie Familien- und Pflanzhof im zweiten Obergeschoss. Alle Höfe sind gut zugänglich und an den Stadtraum angebunden. Insgesamt überzeugt die Siedlung durch Variabilität, räumliche Durchlässigkeit und hohe Anpassungsfähigkeit an zukünftige Bedürfnisse.

© ARGE Clauss Kahl Merz + Truwant + Rodet +

Dazu kommt die Vielschichtigkeit der neuartig gestaffelten öffentlichen und gemeinschaftlich nutzbaren Freiräume. Am Riehenring ist weiterhin der baumbestandene Quartierplatz mit angrenzender Gastro- und Gewerbefläche angeordnet und der Bike & Ride-Standort ist wie gefordert an der Feldbergstrasse passend zwischen locker angeordneten Bäumen platziert. Die Isteinerstrasse ist über die höhergelegte Querverbindung mit dem Riehenring verbunden und erschliesst zugleich das Quartierparking, die Sportnutzungen, die Gemeinschafts- und Waschküche, Gewerberäume sowie den Waldhof. Dieser hat, ohne den Sportplatz, an Klarheit und Grosszügigkeit gewonnen. Über eine Freitreppe werden die Freiräume über dem Quartierparking erschlossen. Es ist dies der gemeinschaftlich orientierte Familienhof und der etwas privater konzipierte Pflanzhof. Alle Freiräume sind direkt mit dem Stadtraum verbunden. Klare und spezifisch ausgestaltete Öffnungen setzen Akzente, schaffen gezielte Bezüge zum Quartier und leiten über zu den gemeinschaftlichen innenliegenden Freiräumen der Überbauung.

IM WANDEL überzeugt durch seine präzise Einfügung im städtebaulichen Kontext und durch eine innovative typologische Umsetzung. Der Vorschlag, das Quartierparking als flexible Struktur zu konzipieren, welche in Zukunft eine Wandelbarkeit an sich ändernde Bedürfnisse ermöglicht, wird ausdrücklich gewürdigt. In der Überarbeitung konnte das Projekt in sämtlichen beanstandeten Punkten erheblich verbessert werden, und es verspricht in dieser Form zukünftig als wertvoller neuer Baustein eine Bereicherung für das Quartier am Riehenring zu werden.

ROSI
2. Rang / 2. Preis
ARGE RAHBARAN HÜRZELER + HSSP

© ARGE RAHBARAN HÜRZELER + HSSP

Das Projekt ROSI überzeugt die Jury als kraftvolle und zugleich fein austarierte Antwort auf die Aufgabe, an dieser prominenten Lage ein neues Herz zwischen Matthäus- und Rosentalquartier zu formulieren. Das Projekt wird nach der Überarbeitung mit dem 2. Preis ausgezeichnet, es verbindet Präzision, programmatische Vielfalt und sozialräumliche Qualität.

© ARGE RAHBARAN HÜRZELER + HSSP

Die Setzung des kompakten Doppelhof-Volumens ist präzise: Der Baukörper nimmt die Typologie der Blockrandbebauung des Kleinbasels auf, interpretiert sie mit zwei unterschiedlich charakterisierten Höfen jedoch zeitgemäss weiter. Durch das leichte Zurückweichen von Riehenring und Feldbergstrasse entstehen klar gefasste Aufweitungen, die als Quartier- und Vorplätze ausgebildet sind und der neuen Anlage eine angemessene Präsenz im Stadtraum verleihen. Die Reaktivierung der Isteinerstrasse als verkehrsberuhigte Begegnungszone stärkt die Vernetzung mit der Nachbarschaft und schliesst das Projekt konsequent an die bestehende Quartierstruktur an.

© ARGE RAHBARAN HÜRZELER + HSSP

Besonders positiv würdigt die Jury die fein abgestufte Sequenz von Aussenräumen – vom stark urbanen Quartierplatz mit Bäumen und Buvette am Riehenring über die Arkade an der Feldbergstrasse bis zur bespielten Isteinerstrasse. Diese Räume sind robust, klar lesbar und versprechen eine hohe alltägliche Nutzbarkeit. Die beiden Innenhöfe ergänzen dieses System stimmig: Der nördliche Baumhof wirkt als mineralischer, urban geprägter gemeinschaftlicher Hof und bildet die innere Adresse der Anlage. Der südliche Gartenhof ist grün, geschützter und stärker auf Kinder, Spielen und Alltag fokussiert.

© ARGE RAHBARAN HÜRZELER + HSSP

Die Differenzierung der Höfe wurde in der Überarbeitung deutlich geschärft und stellt eine der grossen Qualitäten des Beitrags dar. Gleichzeitig bleiben einzelne Punkte in der räumlichen Zuordnung jedoch nicht ganz überzeugend. So erscheint die Anordnung von drei Studiowohnungen zum stärker öffentlichen Baumhof hin in ihrer Adressierung und Privatheit nicht vollständig geklärt. Umgekehrt weist der als ruhiger Gartenhof gedachte südliche Hof durch die grosszügig angeordneten Veloparkierungen und die damit verbundene Frequenz eine höhere Öffentlichkeit auf, als es die konzeptionelle Idee des Rückzugsortes vermuten lässt. Die Distanz des vorderen Teils der Anlage zu den Veloräumen wird damit im Alltag zudem sehr gross. Ebenfalls nicht selbsterklärend scheint die Adressierung der verschiedenen Treppenhäuser, da würde man sich eine etwas einfacher verständliche Lösung wünschen. ROSI überzeugt als «Wohnmaschine» mit einem vielfältigen, sorgfältig entwickelten Wohnungsmix: Durchgesteckte Lauben-, hofbezogene Maisonette-, Eck- und Loggiawohnungen sowie ein eigenständiges Appartementhaus ermöglichen unterschiedliche Wohnformen und Haushaltsgrössen.

© ARGE RAHBARAN HÜRZELER + HSSP

In der Überarbeitung wurde der architektonische Ausdruck deutlich geschärft. Die additive Figur mit bewegter Traufe und den vorspringenden Erker- und Balkontürmen vermittelt zwischen den unterschiedlichen Massstäben der Umgebung. Die Fassaden sind klar tektonisch aufgebaut: Ein massiver Sockel trägt die leichte, modular gefügte Holzkonstruktion der Obergeschosse. Die Kombination aus Re-Use-Wellbandprofilen, fein differenzierten Brüstungselementen, grosszügigen Holzfenstern und textilen Sonnenstoren erzeugt ein lebendiges, gleichzeitig robustes Erscheinungsbild, das den nachhaltigen Anspruch des Projekts glaubhaft transportiert. Gleichzeitig erkennt die Jury an dieser städtebaulich herausfordernden Lage – an der Schnittstelle zwischen Messeund Wohnstadt – noch Spielraum für eine stärkere architektonische Eigenständigkeit. Ein etwas mutigerer, klarer konturierter Ausdruck hätte das Potenzial, dem Ort eine noch spezifischere Identität zu verleihen und die inhaltlich überzeugende Idee auch im Stadtbild noch deutlicher sichtbar zu machen.

© ARGE RAHBARAN HÜRZELER + HSSP

Positiv hervorzuheben ist die ambitionierte ökologische Haltung mit hohem Vorfertigungsgrad, umfangreichen Dachgärten, Photovoltaik und einem differenzierten Regenwassermanagement. Im Bereich der Tiefgarage und des Quartierparkings verbleiben jedoch – trotz Überarbeitung – Optimierungspotenziale bezüglich Kompaktheit, Flächenverbrauch und dem Bau einer neuen Erschliessungsrampe, die in der vorgeschlagenen Form kritisch diskutiert wurde.

© ARGE RAHBARAN HÜRZELER + HSSP

Kritisch diskutiert wurde die Platzierung des Appartementhauses zwischen Café und Gewerbefläche, da der baumbestandene Quartierplatz als zentraler, öffentlich zugänglicher Aussenraum besonders einladend gestaltet ist. Die Begegnungszone der Isteinerstrasse erfährt mit dem neu vorgesehenen Durchgang und den erweiterten Gewerbeflächen eine Aufwertung. Die Machbarkeit des Durchgangs wird jedoch aufgrund der zu steilen Rampengeometrie infrage gestellt. Die Höfe sind weiterhin unterschiedlich gestaltet, und ihre Proportionierung wurde präzisiert. Neu sind beide Höfe leider teilweise unterbaut. Gut erschlossene Dachterrassen mit begrünten Pergolen ergänzen das vielfältige Freiraumangebot. Insgesamt bindet das Projekt ROSI das Quartier ein und bietet den Bewohnenden attraktive, abwechslungsreiche Aussenräume.

© ARGE RAHBARAN HÜRZELER + HSSP

ROSI überzeugt als dichter, urbaner und sozial starker Beitrag. Das Projekt greift die komplexe Aufgabe sorgfältig auf und entwickelt sie mit einem zeitgemässen Doppelhof sowie einem differenzierten Freiraumsystem weiter. Die gute Nutzungsverteilung, der vielfältige Wohnungsmix, die teilweise präzise Erdgeschossorganisation sowie die konstruktive und wirtschaftliche Klarheit rechtfertigen den 2. Preis in hohem Mass.

DSCHUNGELI
3. Rang/3. Preis ARGE
Staufer & Hasler, Graser Troxler Architekten

© ARGE Staufer & Hasler, Graser Troxler Architekten

Das Projekt verfolgt das Ziel, in einem stark verdichteten Quartier einen neuen, gemeinschaftlich geprägten Grünraum zu schaffen und zugleich die historische Struktur der Halle 3 aus dem Jahr 1934 weiterzuentwickeln. In der ersten Phase überzeugte das Projekt DSCHUNGELI durch eine klare Haltung, eine präzise Integration des Bestands und den konsequenten Einsatz wiederverwendeter Bauteile.

© ARGE Staufer & Hasler, Graser Troxler Architekten

In der Überarbeitung verliert der Entwurf an räumlicher Klarheit und architektonischer Ausdruckskraft. Die stärkere Orientierung der Wohnungen nach aussen führt zu geschlossen wirkenden Innenfassaden, wodurch der zentrale Hofraum an Offenheit und städtebaulicher Präsenz einbüsst. Auch die Kopffassade erscheint deutlich verschlossener, sodass der «Dschungel» im Hof von aussen nur noch schwer erkennbar ist. Damit wird die ursprünglich prägende Geste eines offen zugänglichen, gemeinschaftsbildenden grünen Hofes abgeschwächt.

© ARGE Staufer & Hasler, Graser Troxler Architekten

Die verbesserte Durchlässigkeit der Wohnungen wirkt sich positiv auf die Belichtung aus, führt jedoch teilweise zu wenig grosszügigen oder räumlich ungünstigen Grundrisssituationen. Insgesamt zeigt die Überarbeitung mehr funktionale und typologische Unschärfen, die in der Erstfassung weniger stark in Erscheinung traten.

© ARGE Staufer & Hasler, Graser Troxler Architekten

Trotzdem bleiben wesentliche Qualitäten bestehen: die sensible Weiterentwicklung der historischen Messehalle 3, die funktionale Ergänzung durch Photovoltaikmodule sowie der Einsatz nachhaltiger Bauweisen. Auch der «Dschungel», ein urbaner Grünraum mit einheimischen Pflanzen, Regenwassernutzung und Gemeinschaftsflächen, trägt weiterhin zu Mikroklima, Identität und sozialer Interaktion bei. Die Mischung aus Wohnen, Gewerbe, Kindergarten, Gemeinschaftsraum und Sportflächen stärkt zudem die Nutzungsvielfalt und den Bezug zum Quartier.

© ARGE Staufer & Hasler, Graser Troxler Architekten

Mit der Abkehr vom ursprünglichen Erhalt der markanten Rahmenstruktur der Messehalle 3 verliert das Projekt allerdings an Ausdruckskraft. Die charakteristische Gestalt wird durch eine generische Form ersetzt, was die Wirkung auf die Aussenräume stark verändert. Die einst prominente Sichtbeziehung zum «Dschungel» entfällt nun vollständig, da an der Feldbergstrasse ein Appartementhaus entsteht, das nun eine unerwartet prominente Stellung einnimmt. Im ursprünglichen Projekt waren an dieser Stelle der Spielplatz und der Gemeinschaftsraum vorgesehen, mit offenem Blick in den grünen Hof. Der «Dschungel» bleibt als dicht begrünter, teilweise überdachter Freiraum bestehen und schafft eine besondere Atmosphäre, die die Nachbarschaft innerhalb der Siedlung stärkt. Gleichzeitig wirkt dieser Raum eher introvertiert: Er funktioniert primär für die Bewohnenden, während die quartierseitige Zugänglichkeit trotz Durchwegung eine gewisse Schwelle behält.

© ARGE Staufer & Hasler, Graser Troxler Architekten

Stadträumlich schöpft das Projekt sein Potenzial in der Überarbeitung besser aus. Der grosszügige Platz am Riehenring ist klarer gestaltet und wird durch eine Reihe von Gastro- und Gewerberäumen belebt. Eine Buvette markiert den Abschluss vor der Halle 1E. Die Nutzung dieser Halle ist flexibel und multifunktional gehalten. Entlang der Feldbergstrasse hingegen bleibt nur die «prominente Stirn», die keinerlei Läden oder öffentliche Nutzungen aufweist und so effektiv den Charakter einer modernen Messehalle annimmt.

© ARGE Staufer & Hasler, Graser Troxler Architekten

Das Herz der Bebauung bleibt der zentrale grüne Hof, der als gemeinschaftlich bespielbarer «Dschungel» weiterentwickelt wurde und neu nicht mehr unterbaut ist. Die neue Gestaltung mit den «Brückenschlägen» und den Erschliessungsstegen vermag jedoch die vorherige überraschende Atmosphäre des «Dschungels» nicht mehr gleichermassen zu vermitteln. Vermisst werden insbesondere die Balkone, die früher eine direkte Beziehung zwischen den Wohnungen und dem gemeinschaftlichen Freiraum ermöglichten. Durch die Anordnung des Appartementhauses anstelle der quartierbezogenen Nutzungen im stirnseitigen Gebäude an der Feldbergstrasse verliert dieser Freiraum an Ausstrahlung, und die Einbindung in das Quartier wird geschwächt.

© ARGE Staufer & Hasler, Graser Troxler Architekten

DSCHUNGELI hat in der Überarbeitung wesentliche Elemente seiner ursprünglichen Kraft und Identität verloren, insbesondere durch den Wegfall der Stahlrahmen. Es überzeugt zwar durch nachhaltige Materialwahl, das Holz-Lehm- Tragwerk, die gelungene Freiraumgestaltung und die Quartieranbindung, büsst aber an architektonischer Ausdruckskraft, räumlicher Klarheit und Offenheit des Innenhofs ein. Funktionale Einschränkungen in den Grundrissen, Unklarheiten im Tragwerk und die reduzierte Typologie-Vielfalt schwächen die ursprüngliche Identität zusätzlich.