Der grösste «Teppich» Basels | Julia & Claudia Müllers Fliesenteppich für den Neubau des Sandgrubenschulhauses

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Der riesige von Hand «gewobene» Fliesenteppich der Künstlerinnen Claudia & Julia Müller ist der Blickfänger im «Wohnzimmer» des Neubaus Sandgrubenschulhaus II. Der erweiternde Neubau von Stücheli Architekten bot wieder eine ideale Möglichkeit, ein Kunst-und-Bau-Werk entstehen zu lassen.

Die Schulhaus-Erweiterung
Der Neubau des Sandgrubenschulhauses II von Stücheli Architekten entstand, wie viele der neuen Schulbauten in Basel, als Folge des Beitritts des Kanton Basel-Stadt zum HarmoS-Konkordat. Der neue Aufbau dieses Schulsystems sieht insbesondere vor, Tagesstrukturen zu offerieren. Dies führt dazu, dass die Schulbauten im Vergleich zu früher eine ganz neue Raumorganisation anbieten müssen. Durch die Einführung von Tagesstrukturen halten sich die Schüler an den Schultagen länger in den Schulgebäuden auf als früher. Der erweiternde Neubau besteht aus drei Flügeln, welche die Spezialräume, die Lernateliers und die Turnhalle aufnehmen. Sie alle treffen sich in einem zweigeschossigen, zentralen Raum – dem «Wohnzimmer» – wie ihn die Architekten selbst nennen. Er ist zugleich Pausenzone und Erschliessungsbereich des neuen Komplexes.

«Teppich (It’s this rug I have, it really tied the room together)», Julia & Claudia Müller, 2013 © Kunstkredit Basel-Stadt

«Teppich (It’s this rug I have, it really tied the room together)», Julia & Claudia Müller, 2013 © Kunstkredit Basel-Stadt

Ein Teppich entsteht
Die beiden Schwestern Claudia & Julia Müller gewannen 2013 den Wettbewerb, der vom Kunstkredit Basel-Stadt gemeinsam mit dem Bau- und Verkehrsdepartement ausgeschrieben worden war. Für den eingeladenen Wettbewerb wurden fünf Projekte eingereicht, darunter das Gewinnerprojekt mit dem Titel «Teppich (It’s this rug I have, it really tied the room together)» der beiden Schwestern. Der von ihnen entworfene Fransenteppich soll den übergrossen, zentralen Raum nicht nur wohnlicher gestalten, sondern auch durch seine enorme Grösse von (9.5 x 5.86 m) optisch verkleinern. Daher auch das im Werktitel enthaltene Zitat: «It’s this rug I have, it really tied the room together» aus dem Film «The Big Lebowski».

«Teppich (It’s this rug I have, it really tied the room together)», Julia & Claudia Müller, 2013 © Kunstkredit Basel-Stadt

«Teppich (It’s this rug I have, it really tied the room together)», Julia & Claudia Müller, 2013 © Kunstkredit Basel-Stadt

Der Mosaikteppich besteht aus unzähligen kleinen Terracotta-Riemchen, welche in Zusammenarbeit mit Daniela Bernardi entstanden sind. Die studierte Architektin führt das gleichnamige Keramikgeschäft Bernardi + Huber AG, welches sich vor allem auf spezielle Projekte mit Keramikfliesen spezialisiert hat. So war sie auch involviert bei der Umsetzung der Fliesenarbeiten in den Toilettenanlagen des neuen Anbaus des Basler Kunstmuseums von Christ & Gantenbein.

Für den Fliesenteppich liess sie die Fliesen nach den Angaben der beiden Künstlerinnen von Hand in Modena fertigen, in einem Terrakotta-Werk mit dem sie öfters zusammenarbeitet. Zehn verschiedene Farben und diverse Grössen waren Grundlage zur Erstellung dieses übergrossen Teppichs. Danach wurden die unzähligen Plättchen von den Künstlerinnen «gewoben» beziehungsweise in die richtige Auslegeordnung gebracht – und schliesslich vom Fliesenleger in den Hartbetonboden eingebracht. Die kleinformatigen Fliesen und das Fugenbild geben dem «Teppich» einen textilen Charakter, der die Wohnlichkeit unterstreicht.

«Teppich (It’s this rug I have, it really tied the room together)», Julia & Claudia Müller, 2013 © Kunstkredit Basel-Stadt

«Teppich (It’s this rug I have, it really tied the room together)», Julia & Claudia Müller, 2013 © Kunstkredit Basel-Stadt

Einflüsse
«Referenzpunkt für die Gestaltung des «Teppichs» war eine abstrakt-gestische Malerei, nicht etwa tradierte Teppichknüpfmuster oder ein bestimmter kultureller Hintergrund. Seit langem beschäftigen sich die Künstlerinnen in unterschiedlichen Arbeiten mit der Übertragung von Malerei in andere Medien», wie der Basler Kunstkredit schreibt. Sie setzen sich auch mit der Frage auseinander, wie künstlerisches Handwerk auf industrialisierte Fertigungstechnik trifft, und sie versuchen, in diesem Feld eine innovative Praxis zu erlangen. Auch verfolgen sie die vielfältigen Möglichkeiten, wie ein handwerkliches Material als gestalterische Möglichkeit einsetzbar und verwendbar ist.

Nicht nur als grösster «Teppich» Basles fasziniert dieses Kunst-und-Bau-Werk, sondern vor allem als raumwirkendes Element. Der «Teppich» entzerrt durch seine Grösse das grosse Raumvolumen der zentralen Halle und lässt sie kleiner wirken. Als wohnliches Objekt erreicht es genau das, was sich alle Beteiligten wünschten: einen Treffpunkt für die Schüler, an dem sie sich wohlfühlen. Spaziert man heute durch diesen Raum, sieht man wie sich die Schüler dort aufhalten und sich auf den Teppich setzen. Ein rundherum gelungenes Werk, welches uns sehr gefällt.


Claudia Müller (*1964): Kurse an der Kunstakademie Düsseldorf, 1989 Eidgenössisches Kunststipendium, 1990 Kiefer Hablitzel Stipendium. Julia Müller (*1965): Lehrgang Textildesign an der Schule für Gestaltung Basel. Ab 1991 gemeinsames Atelier in Basel und ab 1992 Zusammenarbeit als Künstlerpaar. Klangobjekt, Wandrelief und erste zeichnerische Arbeiten. 2004 Kunstpreis Kanton Basel-Land. Mitarbeit bei verschiedenen Kooperationsprojekten wie dem medialen Panorama für die Expo.02 in Murten und diversen Arbeiten im Bereich Kunst-und-Bau. Seit 2005 hat Julia Müller eine Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe inne. Thematisch beschäftigen sich Claudia & Julia Müller vor allem mit menschlichen Beziehungen. Durch die 36-teilige Zeichnungsarbeit Random Signs erschliessen sich die beiden Künstlerinnen Themenkreise wie Archaik, Exotik und Fremdheit. Zunehmend manifestiert sich auch ein Interesse an gesellschaftspolitischen Themen wie prekären Familienkonstellationen (Idylls, Installation 2002–03, Aargauer Kunsthaus Aarau) oder der Koexistenz der Religionen (Die Welt, in der wir leben (Mekka), 2006). Ihre künstlerische Analyse ist immer betont subjektiv und zielt auf verdeckte, existentielle Ebenen. Claudia & Julia Müller arbeiten mit verschiedenen Medien wie Installation, Video, Wandzeichnung und insbesondere der Zeichnung auf Papier.


Technische Angaben

Künstlerinnen: Julia und Claudia Müller
SIKART Lexikon: http://www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=9720386&lng=de
Werktitel: «Teppich (It’s this rug I have, it really tied the room together)»
Standort: Sandgruben-Schulhaus II, Schwarzwaldallee 161, 4058 Basel
Datierung: 2016
Auftraggeber: Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt
Ausgangslage: Wettbewerb
Architekt: Stücheli Architekten, Zürich
Zusammenarbeit: Daniela Bernardi, Bernardi + Huber AG | http://www.bernardi.ch/
Gattung/Medium: Keramikfliesen, zehn verschiedene Farben


Text:
– Silvio Schubiger / Architektur Basel

Bildquelle:
– © Kunstkredit Basel-Stadt

Quellen:
– medien.bs.ch
– sikart.ch

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