Ein Feuerwerk von Kunst-und-Bau-Werken – und mitten drin ein Betonpfahl | Hans Arps zentraler Beitrag zum Bau der Basler Gewerbeschulen

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In diesem Artikel widmen wir uns einem Meister im Umgang mit Künstlern und seinen eigenen Bauten. Der Basler Architekt Hermann Baur hat wie kein anderer in zahlreichen seiner Projekte mit Künstlern zusammengearbeitet, darunter auch beim Bau der Allgemeinen Gewerbeschule und der Schule für Gestaltung in Basel, zum Beispiel mit dem deutsch-französisch-schweizerischen Künstler Hans Arp.

Die Stufenpyramide von Armin Hofmann mit Arps Betonstele © Architektur Basel

Die Stufenpyramide von Armin Hofmann mit Arps Betonstele © Architektur Basel

Die Anlage
Die Allgemeine Gewerbeschule (AGS) und Schule für Gestaltung (SfG) entstand nach Plänen der Arbeitsgemeinschaft Hermann Baur, mit dem Architektentrio «Bräuning, Leu, Dürig» und Hermann Baurs Sohn Hans-Peter. Der eigentliche Entwurf der Anlage entstammt jedoch mehrheitlich dem ursprünglichen Wettbewerbsentwurf Baurs aus dem Jahre 1940.

Die Schulanlage im Basler Wettsteinquartier, zwischen Riehenstrasse und Vogelsangstrasse gelegen, wird über den Eingang an der Vogelsangstrasse erschlossen. Von dort gelangt man auf den zentral angelegten Pausenhof, den die beiden Hauptgebäude einrahmen: der fünfgeschossige, zweibündige Bau der AGS und der achtgeschossige, einbündige Bau der SfG. Diese werden durch einen Brückentrakt mit der Aula verbunden. Auffällig ist auch die grosse, so genannte Maurerhalle mit imposantem Faltdach. Alles ist in Sichtbeton gehalten. Hinter dem AGS-Trakt schliessen vier Werkstattgebäude an das AGS Volumen an. Baur verfolgte mit dieser Anlage die architektonischen Ziele des «Neuen Bauens», die hier stark erkennbar wurden. Dafür sprechen die Betonfertigteile der beiden Haupttrakte und die sachlich-schlichte Innenausstattung. Die Postulate für den Schulhausbau des «Neuen Bauens» – Sonne, Luft und Licht – mit denen Hermann Baur beim Projekt Bruderholzschulhaus (1935-1939) für neue Massstäbe gesorgt hatte, sind hier ebenfalls wiederzufinden.

Wandrelief beim Eingang des Areals an der Vogelsangstrasse © Architektur Basel

Wandrelief beim Eingang des Areals an der Vogelsangstrasse © Architektur Basel

Eine Vielfalt von Künstlern
Das Spezielle am Projekt dieser Schulanlage ist, dass Hermann Baur mit nicht weniger als elf Künstlern zusammengearbeitet hat. Darunter sind bekannte Kunstschaffende wie der Schweizer Grafiker Armin Hofmann, Coghuf [Ernst Stocker] und Walter Bodmer. Mit ihnen und den anderen beteiligten Künstlern hat er auch bei vielen anderen Projekten zusammengearbeitet. Oft war es so, dass Baur die Bauherrschaft davon überzeugte mit Künstlern zusammenzuarbeiten um die Kunst-und-Bau-Werke in seine Architektur einzubeziehen. Selbstverständlich war aber dies, bei einem öffentlichen Gebäude wie diesem, auch explizit vom Basler Kunstkredit gewünscht, der hierfür einbezogen wurde.

Hans Arp (links), Emil Ruder und Armin Hofmann (rechts) beim Giessen der Betonstele von Arp, 1961. © Fotografie [s. d.], 1961, [https://www.pinterest.ch/pin/563935184560140694/]

Hans Arp (links), Emil Ruder und Armin Hofmann (rechts) beim Giessen der Betonstele von Arp, 1961. © Fotografie [s. d.], 1961, [https://www.pinterest.ch/pin/563935184560140694/]

Im Mittelpunkt
Zentraler Punkt der Anlage ist der grosse Hof, der Pausenplatz. Beim Betreten des Areals läuft man an den in freier Form durchbrochenen Wänden vorbei, welche von Hans Arp entworfen wurden. Wie die Fassade der Haupttrakte sind auch diese Kunstwerke in Sichtbeton gehalten. Einen bemerkenswerten Blickfang bietet hingegen die acht Meter hohe Betonstele inmitten des Pausenplatzes, die dem Gebäudeensemble «Halt und Mitte» gibt, wie der Architekt selbst beschrieben hat. Sie besteht aus verschiedenen geometrischen Volumen und trägt den Namen «Colonne aux éléments interchangeables». «Diese Stele spielt visuell eine derart wichtige Rolle, dass man sich nach mehrmaligem Besuch der Schule den grossen Hof ohne diesen zentralen Punkt nicht vorstellen kann. Die Stele übt in eigenartiger Weise einen Druck aus, der in keinem Verhältnis zu ihrer Grösse steht und wie eine Quelle der Energie wirkt. Sie bereichert die sie umgebenden strengen Fassaden, verleiht den Betonmauern durch Verwendung des gleichen Materials neue Bedeutung und lockert die Starre der Gebäudefluchten durch ihre lebendige Verbindung von geometrischen und organischen Formen auf», schreibt der amerikanische Architekt und Designer Nelson George über Arps Werk. Auf dem Pausenhof befindet sich, nicht weit von der Betonstehle entfernt, eine geometrisch versetzte Stufenpyramide von Armin Hofmann. Eine Fotografie aus dem Jahre 1961 zeigt die beiden Künstler Arp und Hofmann beim Zusehen des Giessvorgangs der Betonstele.

Diese Stele wurde im Sommer 2010 einer umfangreichen Betonsanierung unterzogen und erscheint seitdem in neuem Glanz.

Betonstele «Colonne aux éléments interchangables», Hans Arp, 1960. © (Fotografie Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt, [s.d.], in: Hermann Baur - Sachlichkeit in Beton. Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt (Hrsg.), Niggli, Sulgen, 2011, S. 11)

Betonstele «Colonne aux éléments interchangables», Hans Arp, 1960. ©
Fotografie Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt, [s.d.], in: Hermann Baur – Sachlichkeit in Beton. Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt (Hrsg.), Niggli, Sulgen, 2011, S. 11


Hans Arp wurde am 16. September 1886 in Straßburg geboren. Von 1904 bis 1906 studierte er an der dortigen Kunstgewerbeschule. Es folgte ein Studium der bildenden Kunst an der Kunstschule Weimar und an der Académie Julian in Paris. 1909 zog er in die Schweiz, nach Weggis. 1911 wurde er Mitbegründer der Künstlervereinigung „Moderner Bund“. Es folgten erste Kontakte zum Blauen Reiter in München. 1919 zog er nach Köln und wurde Herausgeber der marxistisch orientierte Satire-Zeitschrift „Der Ventilator“ mit Max Ernst und Johannes Baargeld. 1922 heiratete er die Schweizer Malerin Sophie Taeuber. 1923 zogen sie nach Paris, wo Arp an der ersten Gruppenausstellung der Surrealisten teilnahm. 1926 nahm er die französische Staatsbürgerschaft an und zog nach Meudon. 1931 wurde er Mitglied der französischen Künstlergruppe „Abstraction-Création“. Von den Nazis als „entartet“ bezeichnet, flüchtete er 1941 nach Zürich. Dort starb 1943 seine Frau. Seit 1949 lebte er in den USA. Von 1952 bis 1958 unternahm er Reisen nach Griechenland, Mexiko und in die USA. 1959 heiratete Arp die Baslerin Marguerite Hagenbach und zog mit ihr nach Locarno. Er starb am 7. Juni 1966 in Basel.


Technische Angaben

Künstler: Hans Arp
SIKART Lexikon: http://www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=4023372&lng=de
Werktitel: «Colonne aux éléments interchangeables»
Standort: Pausenhof der Allgemeinen Gewerbeschule Basel, Vogelsangstrasse 15, 4005 Basel
Datierung: 1961
Auftraggeber: Baudepartement Basel-Stadt
Ausgangslage: Direktauftrag
Architekt: Hermann Baur mit Bräuning, Leu, Dürig
Herstellung/Zusammenarbeit:
Gattung/Medium: Sichtbeton


Text:
– Silvio Schubiger / Architektur Basel

Bilder:
– © Architektur Basel
– © Foto Merkle, [s.d.], in: Hermann Baur – Sachlichkeit in Beton. Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt (Hrsg.), Niggli, Sulgen, 2011, S. 10).(Fotografie Foto Merkle, [s.d.], in: Hermann Baur – Sachlichkeit in Beton. Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt (Hrsg.), Niggli, Sulgen, 2011, S. 10/11
– © Der Neubau der Allgemeinen Gewerbeschule Basel. Festschrift zur Einweihung am 19.10.61, Allgemeine Gewerbeschule, Basel, 1961, o. S.
– © https://www.pinterest.ch/pin/563935184560140694/

Quellen:
– Baur, Hermann: 25 Jahre Planen und Bauen, in: Der Neubau der Allgemeinen Gewerbeschule Basel – Festschrift zur Einweihung am 19.10.61, Allgemeine Gewerbeschule, Basel, 1961, o. S.
– Nelson, George: Über die Integration der bildenden Künste am Beispiel der Basler Kunstgewerbeschule, in: Hermann Baur, mit Beträgen von Hanns A. Brütsch [et al.]und Textauszügen von Hermann Baur, Kat. Ausst. Hermann Baur, Schweizerisches Architekturmuseum, Basel, 1994, S. 68.

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