Forderung nach Abbruch des Rhyparks: Gelungene Provokation von Christ & Gantenbein

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Eine Provokation kann als gelungen bezeichnet werden, wenn sie ein reales Problem pointiert benennt und damit eine längst überfällige Debatte auslöst. Dem Basler Architektenduo Emanuel Christ und Christoph Gantenbein gelang dies, indem sie in einem Artikel in der NZZ eine Neubebauung des „Rhyparks“ zwischen Dreirosenbrücke und St. Johanns-Park samt Abbruch des langgezogenen Wohnblocks aus den 1980er-Jahren  von Architekt Walter Wurster, dem Erbauer der Siedlung Sesselacker auf dem Bruderholz, forderten.

Auf unserer Facebook-Seite provozierten Christ & Gantenbein damit eine angeregte und kontroverse Debatte. Eine grosse Zahl der LeserInnen sprach sich gegen einen Abbruch aus. Hauptargument: Damit würde auf einen Schlag eine erhebliche Zahl günstiger Wohnungen vernichtet. Der Wohnblock gehört nämlich der Wohngenossenschaft WGN, welche die Wohnungen trotz toller Lage samt Rheinblick zu verhältnismässig moderaten Preisen vermietet. Christ & Gantenbein attestieren denn auch, dass „eine Stadt auch billige Wohnungen“ brauche, jedoch nicht an dieser Lage. „Das Areal ist angesichts der attraktiven Lage und der wenigen Landreserven in der Stadt völlig unternutzt.“

Überbauung Rhypark im St. Johann © Wohnbau-Genossenschaft Nordwest WGN

Überbauung Rhypark im St. Johann © Wohnbau-Genossenschaft Nordwest WGN

„Bezahlbare Wohnungen haben neben dem Novartis Campus nix verloren“, entgegnete Leser Michel Steiner nicht ganz ohne Ironie. Luca Baumann schlug vor „mit einer neuen Umgebungsgestaltug rund um die Rhypark-Siedlung“ den Ort städtebaulich stärker zu aktivieren – ohne Abbruch. Weiter bis an den Voltaplatz dachte Lutz Windhöfel – und kehrte damit den Spiess gegen die Architekten um: „Nicht grundsätzlich schlecht, die Idee. Aber was würden Christ & Gantenbein sagen, wenn jemand ihren missglückten Bau am Voltaplatz, der bis zur Hälfte leersteht, zum Abriss frei geben würde. Ich würde dies begrüssen. Aber, was sagen die verantwortlichen Architekten dazu?“

Gelobt wurden die effizienten und sparsamen Wohnungsgrundrisse im bestehenden Bau. Es bleibt fraglich, ob ein Neubau angepasst an die gestiegenen Komfortbedürfnisse hier besser abschneiden würde. Aline Viola Otte schreibt dazu: „Vom Grundriss her sind das die besten und dazu noch bezahlbarsten Wohnungen, die man sich in einer solch unverbaubaren Lage überhaupt wünschen kann. Unbedingt stehen lassen!“ Tatsächlich ist eine 3 ½-Zimmer-Wohnung mit einer Mietfläche von 83 m2 gut geschnitten, ohne einen Quadratmeter zu verschwenden. Besonders gelungen sind die 5 ½-Zimmer-Wohnungen im Knick des Gebäudes: Sie bieten zwei Schlafzimmern, dem Wohnraum, der Küche und Essbereich freien Blick auf den Rhein.

Grundriss 5.5-Zimmer-Wohnung Überbauung Rhypark im St. Johann © Wohnbau-Genossenschaft Nordwest WGN

Grundriss 5.5-Zimmer-Wohnung Überbauung Rhypark im St. Johann © Wohnbau-Genossenschaft Nordwest WGN

Zahlreiche Leserinnen und Leser konnten der Betonarchitektur aus den 1980er-Jahren wenig positives abgewinnen. Einige wünschen sich deshalb eine Neubebauung. Mehrfach wurde die bestehende Architektur als „hässlich“ bezeichnet. Leserin Yolanda Gürtler formulierte es besonders pointiert: „Absolut hässlich, wie die Faust aufs Auge! Versteckt das Riesending doch einfach hinter viel, viel GRÜN, bitte!“ Thomas Schaad forderte ultimativ: „Abreissen und an der Stelle zwei neue Wohnhochhäuser von mindestens 150m Höhe bauen.“

Fazit: Eine Mehrheit unserer Leserschaft zieht den Erhalt von günstigem Wohnraum der Aufwertung des heute wenig einladenden Aussenraums rund um den Rhypark vor. „Der wunderbare Ort mitten in der Stadt wirkt heute geradezu beklemmend. Sein riesiges Potenzial liegt brach!“, schreiben Christ & Gantenbein. Wenn das Potential jedoch nur dann eingelöst werden kann, wenn dabei günstiger Wohnraum verloren geht, stösst das offensichtlich auf wenig Gegenliebe. Der Kommentar von Leser Marc Lüthi fasst das Dilemma gut zusammen: „Wenn ein Neubau denn wirklich hübscher wäre, auch eine schönere Gestaltung des Umlandes mit besserer Anbindung zum Rhein geplant würde, mindestens gleich viel Wohnungen, wenn nicht sogar mehr gebaut würden und das Ganze noch garantiert zu keinen teureren Mieten führen würde, könnte man darüber diskutieren.“

Der von Christ & Gantenbein geäusserte Wunsch „unerschrocken optimistisch eine neue Zukunft zu planen“ darf die soziale Dimension und die grosse Sensibilität weiter Bevölkerungskreise betreffend dem Verlust von günstigem Wohnraum, die sich zuletzt im vierfachen Ja an der Urne zu den Wohninitiativen geäussert hat, nicht ausser Acht lassen. Vorher wird eine Neubebauung des Rhyparks kaum mehrheitsfähig sein.

Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel

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