Im Geiste Jean Prouvés: Das movable house von Rahbaran Hürzeler Architekten

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Der Name ist Programm: Das movable house ist in Bewegung. Vom Grundriss über die Gebäudeteile bis zur Speichermasse: bestimmend ist die Bewegung. Sämtliche Bauteile sind modular und sollen problemlos transportiert werden können. Das Haus kann je nach Bedarf auf- und abgebaut werden. Man fühlt sich an die vorfabrizierten Haustypen von Jean Prouvé aus den 50er und 60er Jahren erinnert: Beispielsweise sein geniales „Maison des Jours Meilleurs“ (1956), das innerhalb von lediglich 7 Stunden errichtet werden konnte.

movable house © Rahbaran Hürzeler Architekten

Entwickelt und umgesetzt wird das experimentelle Wohnhaus von Rahbaran Hürzeler Architekten aus Basel, gemeinsam mit ZPF Ingenieuren und dem Institut Energie am Bau der FHNW. Das movable house ist nicht für einen bestimmten Standort entwickelt, sondern soll an verschiedenen Orten umsetzbar sein. Voraussetzung dafür ist ein schneller Aufbau sowie ein leichter und effizienter Transport der Gebäudeteile. Ob auf der grünen Wiese, als Nachverdichtung im Stadtgebiet oder parasitär auf einem Gebäude: die vorgefertigten Segmente können an vielen unterschiedlichen Orten zusammengesetzt werden. Aus diesem Grund erfuhren die Architektinnen den ersten Standort vom Bauherrn erst während der Planungsphase. Auch der Grundriss ist im übertragenen Sinne in Bewegung. Die vier Haupträume gliedern sich um einen kreisrunden Bewegungs- und Aufenthaltsraum und gehen fliessend ineinander über. So entsteht auf kleinster Fläche flexibler und transparenter Wohnraum für eine vierköpfige Familie.

Im Pilotprojekt werden statische und bauphysikalische Grenzen ausgelotet und neue Material-Kombinationen eingesetzt. Die Tragstruktur des Gebäudes besteht nur aus vier begehbaren Holzschränken welche die auskragenden Dachelemente aus vorgespanntem Beton tragen. Das Verhalten des Gebäudes wird ein Jahr lang mit Sensoren überwacht und die daraus gewonnenen Erkenntnisse zur Optimierung von Nachfolgeprojekten genutzt. Bis hin zur Speichermasse bleibt das Gebäude in Veränderung: Die im Boden eingegossenen Salz- und Wachselemente wirken als Energiespeicher. Diese Energie wird als Wärme langsam an die Wohnräume abgegeben – Alles bleibt in Bewegung.

movable house © Rahbaran Hürzeler Architekten

Ab Juni erfahren wir mehr, denn dann soll der erste Prototyp des movable house in Riehen bei Basel fertiggestellt sein. Wir gratulieren schon jetzt zum Mut und Pioniergeist der beteiligten Architekten und Planer. Oder mit den Worten von Prouvé: „Tout ce que j’ai fait a toujours découlé d’une pensée qui était instantanément constructive. Je n’ai jamais eu une vision ou une forme à l’esprit, je n’ai pas de style. Je n’ai jamais dessiné de formes. J’ai fait des constructions qui avaient une forme.“

Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel

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