Visualisierung Klybeckquai © Bau- und Verkehrsdepartement
Klybeckquai, quo vadis?
Deutliche Mehrkosten und Verzögerungen bei der geplanten Verlagerung der Hafenbahn werfen Fragen zur Projektplanung und Kommunikation der Regierung auf. Gemäss aktueller Einschätzung steigen die Kosten von ursprünglich rund 275 Millionen auf neu rund 475 Millionen Franken. Gleichzeitig verschiebt sich der Realisierungshorizont um fünf Jahre – bis 2038.
Kritik ist angebracht. BZ-Chefredaktor, Patrick Marcolli, bemängelte in seinem Kommentar insbesondere die Kommunikation der Regierung: «Wer kurz vor einem Feiertag eine Meldung mit dem trockenen Verb ‹überprüft› im Titel an Medien und Bevölkerung vorbeischleusen will, hat definitiv ein schlechtes Gewissen.» Tatsächlich wirkt der gewählte Kommunikationszeitpunkt unglücklich, zumal es sich um eine erhebliche Anpassung eines für Basel bedeutenden Infrastrukturprojekts handelt.
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Die aktuellen Schwierigkeiten stehen in einem deutlichen Spannungsverhältnis zu den ambitionierten städtebaulichen Visionen, welche die Regierung noch vergangenen August für den Klybeckquai und den Westquai stolz präsentierte. Damals war von «mehr Grün, mehr Rhein, mehr Lebensraum für alle» die Rede. Zentraler Bestandteil dieses Konzepts war die Verlegung der Hafenbahn, welche die «städtische Transformation des Klybeck- und Westquais am Rhein» überhaupt erst ermöglichen soll.
Im Planungsvorschlag wurde angekündigt, dass «die Barriere des Gleisfeldes der Hafenbahn aufgehoben» werde und sich die Quartiere Klybeck und Kleinhüningen «schrittweise an den Rhein und an die Wiese entwickeln» könnten. Vorgesehen sind preisgünstiger Wohnraum, ein neuer Quartierpark am Rhein sowie zusätzliche Frei- und Grünräume. Gerade dieser der Bevölkerung mehrfach in Aussicht gestellte «Quartierpark» kann in dieser Form jedoch nur realisiert werden, wenn die heutige Hafenbahninfrastruktur tatsächlich zurückgebaut wird. Damit steigt der politische Druck erheblich: Ein Scheitern oder längeres Aufschieben der Hafenbahnverlagerung würde nicht nur ein Infrastrukturprojekt betreffen, sondern zentrale Versprechen der Stadtentwicklung infrage stellen.
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Auch die Ursachen der Kostensteigerung geben Anlass zur Diskussion. Laut Regierungsrat haben sich die Rahmenbedingungen durch den Wegfall des Rheintunnelprojekts verändert, wodurch geplante Synergien entfallen. Hinzu kämen komplexe Bauabläufe im dicht bebauten Gebiet sowie Provisorien zur Aufrechterhaltung des Hafenbetriebs während der Bauzeit. Marcolli hält dazu fest: «Wie man sich derart verschätzen und beispielsweise nicht in Betracht ziehen kann, dass der Hafenbetrieb trotz Baustelle aufrechterhalten werden muss, können wohl nur die involvierten ‹Experten› im Baudepartement wirklich erklären.» Die Kritik verweist damit auf eine zentrale Frage: Wurden die technischen und betrieblichen Herausforderungen in der frühen Projektphase genügend realistisch eingeschätzt? Gerade bei städtebaulichen Grossprojekten im urbanen Raum sind präzise Grundlagen entscheidend für die politische Glaubwürdigkeit. Das haben wir bereits im Klybeck-Areal gelernt.
Qua vadis? Die Verlagerung der Hafenbahn bleibt ein Schlüsselprojekt für die Entwicklung am Klybeckquai. Die Chance für einen «offenen, grünen und durchmischten Stadtteil» mit neuen Wohn-, Arbeits- und Freiräumen am Rhein sollte nicht verspielt werden. Die angekündigte, realistischere Neubewertung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses erscheint sinnvoll. Transparenz ist ein erster Schritt für mehr Vertrauen in die Planung. Geduld bleibt Gold wert. Ob eine Realisierung vor 2038 möglich ist, bleibt offen. Es wäre wünschenswert.
Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel