Aktuelles 14.05.26

© dorsa + 820

«Der Blaue Wolf» – dorsa + 820 gewinnen Wettbewerb mit radikalem ReUse

Auf dem nördlichen Teil des ehemaligen Güterbahnhofs Wolf entsteht ein neues, gemischt genutztes Stadtquartier. Auf dem Baufeld MF05, verfolgt SBB Immobilien mit einem Wohnungsbauprojekt einen konsequent zirkulären Ansatz. «Der Neubau versteht sich als Pilotprojekt für die Wiederverwendung identitätsstiftender Bauteile aus dem Bestand und setzt damit ein Zeichen für ressourcenschonendes Bauen und die Reduktion grauer Emissionen», hiess in der Wettbewerbsausschreibung. Eine hohe Ambition. Das junge Team von dorsa + 820 dürfen den Beweis der experimentellen baulichen Umsetzung antreten.

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Im Fokus stehen die Prinzipien der Wiederverwendung, Langlebigkeit, Demontierbarkeit und Systemtrennung. Die bestehende Infrastruktur des ehemaligen Güterbahnhofs wird dabei nicht als Abbruchmaterial verstanden, sondern als Rohstofflager für die neue Quartierentwicklung. In der Jury sassen unter anderem Emanuel Christ, Lilitt Bollinger und Sarah Barth.

Areal Wolf MF05 © dorsa + 820

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Den Wettbewerb entschieden das junge Team von dorsa + 820 mit dem Projekt «Der Blaue Wolf» für sich. Ihr Entwurf überzeugt durch einen experimentierfreudigen und zugleich präzisen Umgang mit dem Thema ReUse. Ausgangspunkt bildet der sorgfältige Rückbau der bestehenden Güterhallen 1 und 1a. Deren Betonstrukturen werden katalogisiert, geprüft und als tragendes Gerüst für den Neubau weiterverwendet. Rund 1500 Tonnen wiederverwendeter Betonelemente bilden die Primärstruktur von fünf übereinandergestapelten, doppelgeschossigen Hallen. ReUse ist hier mehr als ein Lippenbekenntnis.

Areal Wolf MF05 © dorsa + 820

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Ergänzt wird die Konstruktion durch leichte Holzbausysteme sowie wiederverwendete SBB-Schienen, die als sekundäre Bauteile für Zwischengeschosse, Balkone und räumliche Erweiterungen eingesetzt werden. Der «Blaue Wolf» folgt dabei einer modularen und reversiblen Bauweise: Verschraubte Verbindungen und anpassbare Systeme ermöglichen zukünftige Transformationen, Rückbau und erneute Wiederverwendung. So soll die Geschichte des Ortes – geprägt von Bewegung, Umlagerung und Transformation – in eine neue architektonische Form übersetzt werden. Auf die weitere Projektentwicklung darf man gespannt sein. Neben dem bemerkenswerte ReUse-Projekt von Parabase für Baufeld MF03 mausert sich das Areal Wolf zum Experimentierfeld für zukunftsweisendes Bauen – und katapultiert Basel damit hoffentlich an die Spitze der architektonischen Avantgarde.

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Artikel: Lukas Gruntz / Architektur Basel