Aktuelles 18.03.24

KV Basel - Ein stattliches Haus am Aeschengraben © Architektur Basel

KV soll abgerissen und neugebaut werden - kein zeitgemässer Umgang mit der architektonischen Substanz

Wie die BZ-Basel nüchtern berichtete, soll das KV-Gebäude am Aeschengraben 15 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Die Aussage, es werde aktuell ein neues, nachhaltiges Gebäude für die Nutzung durch die Berufsfachschule KV Basel und durch dritte geplant, lässt aufhorchen. Der komplette Abriss des bestehenden, architektonisch durchaus qualitätsvollen Baus von Suter + Burkhardt aus dem Jahre 1938 ist unmöglich ein nachhaltiger Akt und zeigt nicht den zeitgemässen Umgang mit der architektonischen Substanz, die die Basler Stimmbürger: innen mit der Annahme der Klimaschutzzielen deutlich verlangt hatten. Das KV ist trotz der bereits erfolgten, nicht nur vorteilhaften Umbaumassanahmen, ein stattliches Haus, das im Stadtraum positiv in Erscheinung tritt.

© Architektur Basel

Der Wunsch nach einem Campus Der Kaufmännische Verband wünscht sich einen fortschrittlichen Campus mit modernster Infrastruktur am heutigen Standort. Auch dieser Umstand ist ein Widerspruch. Das Wort ‹Campus› kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ‹Feld›. In Amerika nutzte man den Begriff zur Bezeichnung von Universitätsgebäuden ausserhalb der Stadt, die üblicherweise von einer parkähnlichen Anlage umgeben sind. Er impliziert mehrere Gebäudetrakte in einer idyllischen, grünen Umgebung mit grosser Aufenthaltsqualität. Der Begriff wird heute von den Schulen oft marketingtechnisch benutzt. Der Stadtbaustein am Aeschengraben 15 vermag alleine, auch in der begrüntstenen und besten architektonischen Ausformulierung keinen Campus zu bilden. Aber zurück zum eigentlichen Thema: Der Kaufmännische Verein liess sich am Aeschengraben vom Juli 1937 bis in den September 1938 ein Schul- und Vereinshaus zum Zweck seiner Verwaltung und der Bildung, Unterhaltung und Geselligkeit erbauen. Vor rund 20 Jahren wurde das anmutige Gebäude das letzte Mal saniert. Wir haben uns im Schulhaus umgesehen. Viel wurde bereits transformiert und erweitert. In seiner ursprünglichen Anlage war das Vereinshaus durchaus reizvoller. Dennoch finden sich neben der Struktur auch einige architektonische Elemente noch im Originalzustand, die aus unserer Sicht erhaltenswert wären, wie beispielsweise die Erschliessungsräume.

Am Aeschengraben © SBZ

KV Basel - Ein stattliches Haus am Aeschengraben © Architektur Basel

Zu unflexibel? Der Kaufmännische Verband schreibt, die Raumkonzeption stamme noch aus der Zeit des Frontalunterrichts und starrer Bildungsmodelle. Sie argumentieren für den Abriss mit der Aussage, die Baustruktur sei unflexibel und nicht auf die künftigen Anforderungen an moderne Bildungsstandorte anpassbar. Umfassende Abklärungen hätten ergeben, dass die notwendigen räumlichen Anpassungen nicht ohne massivste Eingriffe in die Struktur und das Volumen des Gebäudes machbar seien. Deshalb habe sich der Kaufmännische Verband Basel zu einem Ersatz durch einen Neubau am heutigen Standort entschlossen. Schaut man sich den Ursprungsbau und die Grundrisse an, ist dies schwierig nachvollziehbar. Es bleibt das Gefühl, dass gerade die Grundstruktur sehr gut umnutzbar und neu zu bespielen ist. Leider haben wir noch keine Einsicht in die Projektierung erhalten, auch die vertiefte Analyse, die zum Abriss-Entscheid führte, wurde uns nicht gezeigt. Erst im Sommer sei die Planung des Projektes dann soweit, dass sie veröffentlicht werden kann. Wir sind gespannt auf die Ausführungen.

Innenhof © SBZ

Suter + Burckhardt nutzten den herrlichen Baumbestand eines alten Wohngartens weiter © SBZ

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Kein qualitätssicherndes Verfahren Wir bedauern, dass der Kaufmännische Verband nicht dahingehend beraten wurde, dass an einem solchen Standort mit dieser Substanz zwingend auf ein qualitätssicherndes Verfahren zu setzen ist. Mit einer guten Fachjury hätte man verschiedene Szenarien vergleichen können. Allenfalls wäre es einem Projektteam ja gelungen, das Programm auch ohne Komplettabriss vorzuschlagen. Bei einem Konkurrenzverfahren kommen jeweils viele verschiedene Lösungsansätze zum Vorschein. Dies zeigen diverse aktuelle Verfahren im Umgang mit Substanzbauten. Beispielsweise einige Meter weiter, bei der ehemaligen UBS. (Hier geht es zu den Wettbewerbsbeiträgen)

© Architektur Basel

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                Im Tragwerk liegt das Potential Der Kaufmännische Verband schreibt: "Das Projekt soll nicht nur den modernen und zukunftsgerichteten Anforderungen an eine Bildungsinstitution genügen, sondern auch architektonischen Standards und Nachhaltigkeitskriterien entsprechen. So sind zum Beispiel neben der Wiederverwendung von Bauteilen auch vorgefertigte Elemente in Hybridbauweise aus Holz/Beton sowie eine Photovoltaikanlage vorgesehen. Das neue, nach SNBS („Standard nachhaltiges Bauen Schweiz“) zertifizierte Gebäude garantierte maximale Flexibilität für eine vielseitige Nutzung." Dies klingt alles sehr löblich. Der Fakt, dass die Tragstruktur ebenfalls abgerissen wird hat aber einen so grossen Effekt, dass jene Bemühungen zum Grünwaschen verkommen. Charlotte Bofinger schreibt in "Besser als Neu" über die Dekarbonisierung der Baubranche und hält fest: "Grosse Mengen von grauen Emissionen stecken im Tragwerk, hier ist der Erhalt sehr lohnend." Weiter schreibt sie, dass es einen Paradigmawechsel benötige, um die Baubranche zu dekarbonisieren. "Weg vom ausbeuterischen Schneller, höher, weiter hin zum Sorge-Tragen für Menschen und Ökosysteme."

Grundriss EG © SBZ

Eingangshalle © SBZ

© Architektur Basel

© Architektur Basel

Eine Grauzone?  Die Finanzierung wird durch den Kaufmännischen Verband Basel sichergestellt. Aktuell befindet sich das Projekt noch in der Planungsphase, es wurde nicht öffentlich ausgeschrieben. Die Baueingabe ist noch ausstehend. Projektpartner sind unter anderem Burckhardt Architektur AG und Dietziker Partner Baumanagement AG. Für die Bauphase ist der Umzug der Schule in ein Provisorium auf dem Klybeckareal vorgesehen. Die Bauzeit wird mit rund zwei Jahren veranschlagt. Der Kaufmännische Verband unterliegt nicht dem öffentlichen Beschaffungswesen. Er wird nicht wie viele anderen Berufsfachschulen vom Kanton geführt, aber hat mit dem Kanton eine Leistungsvereinbarung. Aus dem Ratschlag für die Subventionsperiode 2010-2014 geht hervor, dass der Regierungsrat in dieser Zeit ermächtigt war pro Jahr maximal eine Subvention von CHF 16.5 Mio. für die Handelsschule KV festzusetzen. Durch die hohen Subventionszahlungen bzw. Beiträge für die Leistungsvereinbarung sehen wir auch den Kaufmännischen Verband in der Pflicht in der heutigen Situation und nach Annahme der Klimaschutzziele mit Netto Null 2040 im Sinne der Stadt zu denken. In den Klimaschutzzielen wird eindeutig darauf hingewiesen, dass das Bauen im Bestand dem Neubau vorzuziehen ist! Selbst wenn eine staatliche Subvention, Empfänger:innen nicht an Klimaziele bindet, so haben doch alle eine Verantwortung – insbesondere grosse Bauprojekte machen den Unterschied! Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung des Projektes.

Aufenthaltsräume © SBZ

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  Artikel: Christina Leibundgut / Architektur Basel
Portrait: Suter + Burckhardt Architekten Suter + Burckhardt bildeten im ersten Drittel des 20. Jh. eines der produktivsten Basler Architekturbüros. Erfolgsrezept war die Verbindung einer beton künstlerischen Begabung (Burkhardt) mit ökonomischen und bautechnischen Fähigkeiten (Suter). Rudolf Suter (1871-1932) studierte nach einer Lehre bei Rudolf Linder an den technischen Hochschulen in Stuttgart und Berlin und bekleidete darauf das Amt eines Adjunkten des Bernischen Stadtbauamtes. Otto Burckhardt (1872-1952) hingegen ging den Weg durch die Ecole des Beaux-Arts und arbeitete anschliessend beim renommierten Pariser Architekten Charles Mewes. Die 1901 eröffnete Bürogemeinschaft realisierte eine stattliche Anzahl von Bankbauten (Schweizerischer Bankverein, Schweizerische Nationalbank, Schweizerische Bangesellschaft), Geschäftshäusern, aber auch bemerkenswerte Industriebauten wie die Bell- und die Watteck-Fabriken. In der nächsten Generation bildeten die Söhne von Suter, Hans Rudolf und Peter Suter, das äusserst produktive Unternehmen Suter und Suter ab 1945. Auszug aus dem Architekturführer Basel, Dorothee Huber, 2014, S. 209.
Quellen: