Wettbewerbe 22.10.25

© ARGE OAEU + Conrad Kersting

Offener Wettbewerb: OAEU und Conrad Kersting gewinnen in Pratteln

An der Wartenbergstrasse in Pratteln wagt die Genossenschaft Gewona Nord-West den Schritt zu einer neuen Form des Wohnens im Alter – gemeinschaftlich, nachbarschaftlich und räumlich klug verdichtet. Auf dem von einer Erbengemeinschaft übernommenen Grundstück soll das genossenschaftliche Projekt «Lindenstrasse» entstehen: zehn barrierefreie Alterswohnungen, behutsam eingebettet in einen grossen Garten. Die alte Linde bleibt stehen, ebenso das Einfamilienhaus an der Strasse – zwei Konstanten, die das den Neubau im Ort verankern.

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73 Teams beteiligten sich am offenen Architekturwettbewerb, aus dem die ARGE OAEU + Conrad Kersting zusammen mit dem Landschaftsarchitekturbüro zwikr studio als Sieger hervorging. Ihr Entwurf überzeugt durch seine feine Balance zwischen Bestand und Neubau, durch klare Setzungen und eine ruhige, rationale Holzarchitektur. Das Haus, einem Möbelstück ähnlich, fügt sich zurückhaltend in die umgebende Einfamilienhauslandschaft – und verschiebt zugleich deren soziale Dynamik. Die Idee: Wer sein Haus an die nächste Generation weitergibt, kann im Quartier bleiben. Junge Familien rücken nach, während die Älteren in den neuen Wohnungen eine gemeinschaftliche, altersgerechte Wohnform finden.

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So entsteht eine zeitgenössische Variante des «Stöckli»-Wohnens – eine Neuinterpretation des ländlichen Prinzips der Nähe zwischen Generationen. «Ein Ort des Austauschs und des sozialen Miteinanders soll entstehen», formuliert es die Genossenschaft. Der Wettbewerb verlangte präzise Antworten auf eine vielschichtige Aufgabe: Wie verdichtet man sanft in einer Umgebung aus Einfamilienhäusern? Wie baut man eine gewachsene Gartenanlage, ohne deren Atmosphäre zu zerstören? Und wie bleibt der Bestand lesbar? Knapp die Hälfte der Teams erhielt den zum Abbruch freigegebenen Altbau – mit unterschiedlicher Eingriffstiefe. Die Jury kam zum Schluss, dass nur ein reduzierter, ressourcenschonender Eingriff den Charakter des Hauses bewahrt. Tiefere Eingriffe mit An- oder Umbauten wären zu aufwändig und unangemessen gewesen.

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Das Siegerprojekt besticht durch seine klare städtebauliche Setzung – und seine Einfachheit. Im Jurybericht steht: «Die Grundrisse sind einfach, aber geschickt angelegt. Die lineare Schichtung ohne innere Erschliessung ermöglicht eine gute Zonierung – vom privaten Rückzugsbereich bis zum grosszügig proportionierten Wohnraum an der Laube – und erlaubt sogar natürlich belichtete Badezimmer.» Jurymitglied Dominique Salathé ergänzt: «Bestandsbau und Garten bleiben in ihrer identitätsstiftenden Wirkung erhalten und werden neu für viele Menschen erlebbar. Das neue Programm fügt sich ruhig und unaufgeregt in die örtliche Bebauungsstruktur ein und schafft so ein stimmiges Ensemble für gemeinschaftliches Alterswohnen in Pratteln.»

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Das Siegerprojekt zeigt, dass Nachverdichtung nicht Verdichtung um jeden Preis heisst. Sondern kluge Zurückhaltung, präzise Massstäblichkeit, sorgfältige Lektüre des Ortes – und das Vertrauen in eine starke Idee. Pratteln darf sich auf einen klugen Beitrag zur sozialen Nachverdichtung freuen. Quelle: Medienmitteilung Gewona Nord-West