Baukultur 25.07.23

Salz-Bohrtürme bei Schweizerhalle; Bilder schwarz weiss: Archäologie und Museum Baselland, sowie: Bildarchiv ETH Bibliothek Zürich Abgerufen auf: https://www.bzbasel.ch/bildergalerien/was-hat-baselland-dem-salzabbau-zu-verdanken-eigentlich-fast-alles-ld.1305164 Bilder Farbe: Piertzovanis Toews

Piertzovanis Toews: Basler Lieblingshäuser

Wer den grünen Ring des Hauses im Hof im Kleinbasel einmal gesehen hat, vergisst diesen nicht mehr so schnell. Ebenso einprägsam sind die beiden Architekten selbst - Ioannis Piertzovanis und Heinrich Toews. Für ihr Erstlingswerk erhielten sie 2021 das Kaninchen, den Senn-Förderpreis für junge Architektur der reichlich Ruhm und Ehre mit sich bringt, und prägen seither die Basler Architekturszene. Mit grosser Vorfreude haben wir nach Ihren Basler Lieblingshäusern gefragt und übergeben mit noch mehr Freude das Wort zur Vorstellung dreier zeichenhafter Bauten: «Viele unserer Lieblingshäuser sind natürlich bereits in der Reihe aufgetaucht. Wir wagen uns etwas über die Stadtgrenzen hinaus und beschreiben drei Gebäude in der nahen Umgebung, die uns besonders faszinieren.»  

Salz-Bohrtürme bei Schweizerhalle

Man sieht es ihnen auf den ersten Blick an: Es sind sehr markante Gestalten, gebaut für einen ganz bestimmten Zweck. Wie bei den hölzernen Fischernetz-Hütten in Hastings oder bei anderen monofunktionalen Zweckbauten: Das Bedürfnis, eine ganz bestimmte Tätigkeit ausüben zu können, hat hier eine einzigartige Typologie geformt. Das Turmgerüst, meistens aus Stahl, ist mit schwarzbraunen Brettern verkleidet. Die statisch bedingte Form des sich verjüngenden Turms wird durch die geschuppte Schalung noch einmal überzeichnet. Angedockte Pumpenhäuser wirken wie beschwerende Gewichte am Boden. Die schon mehrfach verschobenen Gebäude sind heute ausser Funktion, zeugen aber von einer bahnbrechenden Entwicklung. Die Entdeckung der Salzvorkommen wird Ausgangspunkt für die Entstehungsgeschichte des ganzen chemischen Industriezweigs in der Region.

Salz-Bohrtürme bei Schweizerhalle; Bilder schwarz weiss: Archäologie und Museum Baselland, sowie: Bildarchiv ETH Bibliothek Zürich Abgerufen auf: https://www.bzbasel.ch/bildergalerien/was-hat-baselland-dem-salzabbau-zu-verdanken-eigentlich-fast-alles-ld.1305164 Bilder Farbe: Piertzovanis Toews

 

Haus Gmür Riehen – Silvia Gmür 1978

Das Ineinanderflechten zweier zueinander verdrehter Koordinatensysteme, die in die Umgebung hinausgreifen, liegt dem Haus als klar gesetztes Thema zugrunde. Aber in welch einem Reichtum entfaltet sich hieraus die Gestalt, innen wie aussen! Nicht nur, dass die entstehenden Verschachtelungen zugelassen und ausgebaut werden – eine unbändige Lust an Sequenzen, Übergängen und Facetten hat hier ein Haus hervorgebracht, das vom Keller bis in die Dachspitzen wahrhaft entdeckt werden will. Bei aller rasenden Raumfreude fallen aber auch die fein gewichteten und präzise getroffenen Entscheidungen ins Auge. Während etwa die sägerauen Bohlen mit ihren unterschiedlichen Breiten ganz entspannt den Rhythmus der Wand vorgeben dürfen, oder gemauerte Stellen hinter den Rohren einfach unverputzt bleiben, wurde jede einzelne Schraube der roten Kaminbleche minutiös horizontal ausgerichtet.

Haus Gmür Riehen – Silvia Gmür 1978; Axonometrie schwarz weiss aus: Werk, Bauen + Wohnen, 1980, Heft 10 Bilder Farbe: Piertzovanis Toews

 

Haus Mme A.V. Hegenheim – Schwarz + Gutmann mit Heinz Hossdorf 1961

Eine Dachschale aus Schiffsplanken! Die Wasserfläche streut flackernde Lichtflecken über die gekrümmten Riemen. Gerade einmal drei Zentimeter stark wölbt sich das hyperbolische Dach über einem Rechteck von 16 x 20 Metern. Zwei Bretterlagen, kreuzweise übereinandergelegt, verleimt und verschraubt – mehr war nicht nötig. Nur wenige Minuten ausserhalb Basels hat der Ingenieur Heinz Hossdorf mit den Architekten Schwarz und Gutmann diese waghalsige Schale realisieren können. Zehn Jahre später setzen sie im gleichen Team das Hängedach des Theaters in Basel um. Getestet wurden die Schalen am Modell. Jedes einzelne Holzbrett wurde hier sorgfältig im Massstab 1:10 zugeschnitten und eingebaut. Aus Hossdorfs Labor für Modellstatik gingen auch weitere Schalentragwerke hervor: Das Dach des Lesesaals der Basler Universitätsbibliothek, das Kieswerk in Gunzgen oder die Gummibandweberei in Gossau.

Haus Mme A.V. Hegenheim – Schwarz + Gutmann mit Heinz Hossdorf 1961; Bilder schwarz weiss aus: Das Werk, April 1963 Bilder Farbe: Piertzovanis Toews

  Wir bedanken uns recht herzlich bei Ioannis Piertzovanis und Heinrich Toews und sind gespannt auf ihre folgenden Entwürfe und Bauten, die durchaus das Potenzial zu Basler Lieblingshäusern haben dürften.
Text und Bilder: Piertzovanis Toews Piertzovanis Toews