Podiumsgespräch 6. Nov 2018: Emanuel Christ debattiert mit Meinrad Morger – wie weiter mit dem „Rostbalken“?

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Die Architektur Dialoge haben eine gute Nase, was aktuelle Debatten zur Stadtentwicklung in Basel angeht. Ein besonders spannendes Podiumsgespräch findet am 6. November statt: Es kommt zum Duell zweier Architekten, die in Basel mit prägenden Bauten das Stadtbild massgeblich mitgestaltet haben – und sich für einmal uneins sind.

Alles der Reihe nach: Anfang Mai plädierten die Architekten Christ & Gantenbein in einem Artikel in der NZZ für den Erhalt des Postreitergebäudes 2 beim Bahnhof SBB. „Uns hat dieser aus heutiger Sicht geradezu heroische Infrastrukturbau stets gefallen“, schreiben sie. Im Bau sehen die beiden Architekten grosses Entwicklungspotential, das man bloss zu aktivieren brauche: „Wir plädieren dafür, das zeichenhafte Gebäude als Denkmal für den Geist der siebziger Jahre zu erhalten und diesen Geist gleichzeitig zu reaktivieren, indem das heute obsolete Betriebsgebäude umgebaut und geöffnet wird. Mit Zugängen, Durchgängen, Rampen, Brücken und Auslegern könnte man es mit der umliegenden Stadt verbinden und so zu neuem Leben erwecken.“ Das Postreitergebäude (1972 – 80, Suter + Suter) sei ein Denkmal, das es zu erhalten gelte.

Das bestehende Postreitergebäude © Architektur Basel

Ein Baudenkmal? Das bestehende Postreitergebäude © Architektur Basel

Zweiter Akt: Ende Mai informierten die Post und SBB Immobilien über die Zukunft des „Rostbalkens“. Ihr Fazit: Abriss. Nach den Plänen von Morger Partner Architekten soll der bestehende Bau fast vollständig abgerissen werden und durch einen neuen Büro- und Wohn-Komplex mit drei Hochhäusern ersetzt werden. Was vom Postgebäude übrig bleibt, ist lediglich der „Reiter“, also die gleisüberspannende Betonkonstruktion als Grundlage. Die erst vierzigjährige Bausubstanz sei in „einem schlechten Zustand“, weshalb eine weitere Nutzung bzw. Umnutzung nicht möglich sei, erklärte Michael Heim, der zuständige Manager der Post Immobilien an der damaligen Medienkonferenz. Was jedoch ganz konkret in schlechtem Zustand sei, liess er auf entsprechende Rückfrage von Architektur Basel offen. Wurde beim Nauentor der Denkmalschutz der höheren Wirtschaftlichkeit einer Neubebauung untergeordnet?

Nauentor: Illustration Vogelperspektive

Nauentor von Morger Partner: Geplant ist ein Gebäudekomplex mit drei Hochhäusern

Und jetzt die Debatte: Am Dienstag, 6. November werden die beiden Architekten Meinrad Morger und Emanuel Christ im Rahmen der Podiumsdiskussion „Nauentor, Oppenheim und Co. Was bringen Hochhäuser der Stadtverdichtung?“ über den Sinn oder Unsinn der geplanten Verdichtung rund um den Bahnhof SBB diskutieren. Dabei geht es um Fragen wie „Welchen Umgang pflegt Basel mit Bauten der jüngeren Geschichte wie dem «Rostbalken»?“ oder „Gibt es Alternativen zu Hochhäusern und zum verdichteten Bauen?“.

Man darf gespannt sein, in welcher Form die Kontroverse zwischen Emanuel Christ und Meinrad Morger betreffend dem denkmalpflegerischen Umgang mit dem Postreitergebäude fortgeführt wird. Dass Architekten in der Öffentlichkeit debattieren, hatte in Basel bisher Seltenheitswert. Umso erfreulicher, dass sich die beiden dieser wichtigen Diskussion stellen. Sie setzen damit ein Zeichen für eine Kultur der öffentlichen Architekturdebatte. Wir freuen uns auf den dritten Akt rund um die Zukunft des „Rostbalkens“.


Infos zur Veranstaltung
Podiumsgespräch: Nauentor, Oppenheim und co. Was bringen Hochhäuser und Stadtverdichtung?
Datum: Dienstag, 6. November um 19 Uhr
Ort: Multifunktionsraum Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt | Dufourstrasse 40, Basel
mit Prof. Emanuel Christ, Architekt, Christ & Gantenbein | Prof. Meinrad Morger, Architekt, Morger Partner | Dr. Felix E. Müller, Journalist, ehem. Chefredaktor NZZ am Sonntag | Moderation: Dominique Spirgi, Redaktor TagesWoche
Sprache: D | Eintritt frei |

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