Reformierte Kirche Kilchberg | Baselbieter Baukultur #8

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Etwas versteckt liegt Kilchberg auf einer Anhöhe zwischen Rünenberg und Zeglingen. Abgesehen von einigen Gebäuden an Parallelstrassen im Süden präsentiert sich die Ortschaft fast gänzlich als klassisches Strassendorf entlang der Hauptstrasse. Die 160 Einwohnerinnen und Einwohner haben in der Hauptverkehrszeit zweimal die Stunde eine Busverbindung nach Gelterkinden. Die Hauptstrasse verläuft als S-Kurve durch die Ortschaft. Städtebaulicher Mittelpunkt des Dorfes bildet die reformierte Kirche St. Martin. Sie ist auch von weitem bereits gut sichtbar. Beinahe etwas überdimensioniert für ein Dorf dieser Grösse? Mitnichten. Etwas erhöht grenzt sie stirnseitig an den Kirchplatz direkt an der Hauptstrasse. Das Pfarramt schliesst den Platz nördlich. Von aussen wirkt der Sakralbau relativ unscheinbar. Die äusserst sorgfältig gearbeiteten Portale und über den Dachrand hochgezogenen Stirnwände geben einen Hinweis, was uns drinnen erwartet.

Reformierte Kirche St. Martin, Kilchberg BL © Börje Müller Fotografie

Reformierte Kirche St. Martin, Kilchberg BL © Börje Müller Fotografie

Feinjustierter Innenraum
Betreten wird die Kirche über einen mittigen Eingang, der direkt unter dem Turm durchführt; die Typologie des länglichen Kirchenraums mit Einturmfassade ist im Baselbiet typisch für den Architekten Paul Reber. Nur wenige Kirchen klassischer Architektur können allerdings mit dem überaus reich gestalteten Innenausbau der Kilchberger Kirche mithalten. Reber orientiert sich an der gotischen Formensprache. Zu grossen Teilen wurde die Kirche vom Kilchberger Kaufmann Rudolf Zwilchenberg gestiftet, seinerseits vorallem in Liverpool tätig. Gewisse architektonische Einflüsse der englischen Gotik sind vermutlich also nicht rein zufällig.

Reformierte Kirche St. Martin, Orgel und Dachraum, Kilchberg BL © Architektur Basel

Reformierte Kirche St. Martin, Orgel und Dachraum, Kilchberg BL © Architektur Basel

Vier Vorgängerbauten
Der heutige Bau von 1868 fungiert als teilweiser Ersatzneubau einer Kirche von 1400. Lediglich der Turm von 1600 blieb erhalten. Grabungen 1975 haben ergeben, dass dieser Bau seinerseits bereits eine Erweiterung einer Kapelle um 1100 war. Davor existierte laut der Kantonsarchäologie Basel-Landschaft eine erste Kapelle mit Ursprung zwischen 750 und 1000 n. Chr.

Paul Reber entwarf zwischen 1860 und 1900 diverse Sakralbauten und Wohnhäuser in Basel und Umgebung, aber auch im Kanton Zürich, etwa jene 1883/84 von Zürich-Unterstrasse. Eine Reber-Kirche in Bubendorf BL von 1880/81 wurde leider abgetragen. Umso mehr lohnt sich ein Ausflug nach Kilchberg.

Funktion: Sakralbau
Adresse: Hauptstrasse 13 / Kirchplatz
Baujahr: 1867/68
Vorgängerbauten: 750-1000/1100/1400/1600 n. Chr.
Architektur: Paul Reber
Material: Gemauert, verputzt (Aussen), Holz (Innenraum)


Text:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Fotos:
– © Börje Müller Fotografie
– © Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0
– Website der Reformierten Kirche Kilchberg: http://www.ref-kilchberg.ch (abgerufen am 1. Mai 2018)
– Personenlexikon des Kanton Basel-Landschaft: https://personenlexikon.bl.ch/

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