Schulhäuser Schönenbuchstrasse Allschwil | Baselbieter Baukultur #28

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Allschwil hat nicht weniger als fünf Primar- und Sekundarschulstandorte zu bieten. Einige Schulhäuser schauen wir uns etwas näher an. Heute mit dabei: Le Corbusier.

Alle Wege führen nach Allschwil. Das ist insofern richtig, als dass sich die grössten Strassen tatsächlich direkt im Dorfkern treffen. Die Tramschleife der Endstation befindet sich direkt im Kreuzungspunkt von Schönenbuchstrasse, Oberwilerstrasse, Neuweilerstrasse und Baslerstrasse. Gefasst wird der Dorfplatz allseitig von Häusern. Gegen Südwesten steigt die Topografie an; die Schönenbuchstrasse schlängelt sich den Hügel hoch. Auf der rechten Seite befindet sich das «Gemeinde – und Schulhaus» mit klassizistischer Fassade. Der erste Bau von 1850 zählt ganze sieben Fensterachsen, die Erweiterung 1886 deren drei. Gekrönt wird der stattliche dreigeschossige Bau von einem Walmdach mit Dachreiter. Während der Bau eine gewisse «Nüchternheit klassizistischer Art» aufweist, wie sich die Denkmalpflege im Portrait des Gebäudes ausdrückt, so stellt sich vorallem das Portal mit seiner Ornamentik in den Vordergrund.

Direkt hinter dem Altbau liegt das Schulhaus Schönenbuchstrasse. Die Kombination ist deswegen speziell, weil zwischen dem Bau der beiden Schulhäuser ganze 116 Jahre liegen. Ornamentik und strenge Fensterachsen versus Sichtbeton und Bandfenster. Der fast quadratische Bau liegt an der Kante des Geländesprungs. Den Haupteingang erreicht man von der Schönenbuchstrasse. Der Vorplatz geht über in das verglaste Erdgeschoss. Die beiden Geschosse darüber wirken dafür umso massiver. Das Schulhaus ist in seiner Erscheinung ein typischer Vertreter der Zeit. Die plastische Ausformulierung hätte Le Corbusier gefallen. Dahinter folgt ein umso rationalerer Grundriss. Ohne viel Aufsehens gliedern sich je drei quadratische (8.50 m × 8.50 m) Klassenzimmer zu beiden Seiten eines grosszügigen Mittelgangs (6.30 m breit) auf.

Schulhaus Schönenbuchstrasse, Allschwil © Architektur Basel

Schulhaus Schönenbuchstrasse, Allschwil © Architektur Basel

Durchläuft man das Erdgeschoss, führt eine breite Treppe steil nach unten und mündet in einem schmalen Weglein. Zwischen engen Häuserfluchten führt es zurück zum Dorfplatz. Vorher aber taucht das Untergeschoss des Schulhauses in Form einer Turnhalle auf. Das grosse Volumen ist dabei geschickt in den Hang gebaut und funktioniert gewissermassen als Sockel des darüberliegenden Gebäudes. So weit so gut, wäre da nicht der etwas biedere (hoffentlich später hinzugefügte) Holzzaun, pardon «Gartenhag» über der Turnhalle…

Schulhaus Schönenbuchstrasse, Allschwil © Architektur Basel

Schulhaus Schönenbuchstrasse, Allschwil © Architektur Basel

Nächste Woche bleiben wir in der Ebene. Dann aber mit Mies van der Rohe!

«Gemeinde- und Schulhaus»
Funktion: Schule, Gemeindehaus (heute: Kindergarten)
Adresse: Schönenbuchstrasse 12, 4123 Allschwil
Baujahr: 1850
Erweiterung: 1886

Schulhaus Schönenbuchstrasse
Funktion: Schulhaus
Adresse: Schönenbuchstrasse 14, 4123 Allschwil
Baujahr: 1966
Architektur: Arnold Gürtler und Hans Wirz


Text:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Fotos:
– © Börje Müller Fotografie
– Staatsarchiv Basellandschaft Onlinearchivkatalog
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0
– Website des kantonalen Inventars der geschützten Kulturdenkmäler
– Affolter, C. im Auftrag der Denkmalpflege BL (2004), Bauinventar Kanton Basel-Landschaft BIB, Gemeinde Allschwil

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