Spittelerhof Liestal | Baselbieter Baukultur #31

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«Gutes Bauen lässt sich nicht alleine mit baugesetzlichen Mitteln fördern. Es gehören die Bereitschaft des Bauherrn und die Fähigkeit des Architekten dazu (…).» Damit spricht die Jury der 1985 erstmal verliehenen «Auszeichnung Guter Bauten» die wichtigsten beiden Beteiligten im Planungsprozess an. Das Liestaler Architekturbüro Otto + Partner AG wurde durch die aus beiden Halbkantonen zusammengesetzte Fachjury für ihre zwei Jahre zuvor ausgeführte Geschäftsüberbauung ausgezeichnet.

Heute unter dem Namen «Spittelerhof» bekannt, steht das Bürogebäude im Hinterhof einer ehemaligen Brauerei. Die Gebäude befinden ausserhalb der Altstadt an der historischen Ausfallstrasse nach Lausen. 1862 wurde der Waffenplatz vom Gestadeckplatz an die Kasernenstrasse vis-à-vis unserer Parzelle verlegt. Es folgten weitere Bauten entlang der Kasernenstrasse. Das Gebäude der Brauerei, oder zumindest jenes des Vorderhauses taucht bereits auf einem Stadtplan von 1880 auf.

Spittelerhof, Liestal © Architektur Basel

Kopfbau Spittelerhof, rechts das Vorderhaus, Liestal © Architektur Basel

Gut sichtbar stösst der L-förmige Neubau stirnseitig mit der Einfahrt der Tiefgarage an die Kasernenstrasse. Auf einen direkten Kontakt verzichtet man. Dafür bleibt ein relativ breiter Zugang zum neu geschaffenen Hof frei. Dieser wird durch das Bürogebäude gefasst. Eine Arkade aus Rundbögen schafft eine überdeckte Vor- und Erschliessungszone zwischen den verglasten Geschäften im Erdgeschoss und dem Hofplatz. Eine rötliche Klinkerfassade verschafft dem dreigeschossigen Gebäude genügend Gewicht und Bodenhaftung. Im ersten Geschoss artikulieren sich die Fenster als Öffnungen in der Klinkerwand mit einer minimal formulierten Rollschicht als Sturz. Im Obergeschoss löst sich die Fassade zugunsten von leichten blechverkleideten Fenstern auf. Die in blau gehaltenen, nach oben offenen Fensterbänder werden durch kurze Mauerstücke – man möchte sie aufgrund der formalen Rundbögen fast schon als Zinnen bezeichnen unterbrochen.

Spittelerhof, Liestal © Architektur Basel

Spittelerhof, Liestal © Architektur Basel

Nicht nur das an der Kasernenstrasse stehende Vorderhaus konnte erhalten werden, es sei zudem auch ein attraktiver öffentlicher Raum geschaffen worden (…) begründet die Jury den Entscheid. Tatsächlich kann der gesamte Hofraum sowohl vom Restaurant im Vorderhaus, als auch vom Bürohaus bespielt werden, auch wenn dafür das Erdgeschoss von letzterem möglicherweise anders genutzt werden sollte. Eine zeittypisch formelle Angelegenheit mit einer schönen städtebaulichen Geste.

Konnte erhalten werden: «Restaurant zur alten Brauerei Brodbeck», im April 1944, STABL_PA_6292_01.377, Fotosammlung Seiler Arnold und Junior, Liestal, Staatsarchiv Basel-Landschaft

Konnte erhalten werden: «Restaurant
zur alten Brauerei Brodbeck», im April 1944, STABL_PA_6292_01.377, Fotosammlung Seiler Arnold und Junior, Liestal, Staatsarchiv Basel-Landschaft

Spittelerhof Liestal
Funktion: Geschäftshaus (Büro und Verkauf)
Adresse: Kasernenstrasse 22a, 4410 Liestal
Baujahr: 1983
Architektur: Otto + Partner AG


Text:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Fotos:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
– Staatsarchiv Basellandschaft Onlinearchivkatalog
Quellen:
– Amt für Orts- und Regionalplanung (1986), Auszeichnung Guter Bauten 1985, Bau- und Landwirtschaftsdirektion Basel-Landschaft, Liestal (keine ISBN verfügbar).

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