Verwaltungsneubau Kreuzboden Liestal: Die rangierten Projekte «Harmonie», «Prisma», «Lina» und «Hara» im Detail

0

Buchner Bründler Architekten gewinnen zusammen mit Rapp den GP-Wettbewerb des Verwaltungsneubaus Kreuzboden in Liestal. Das siegreiche Projekt hört auf den Namen «Harmonie» und hat sich gegen zehn andere Projektvorschläge durchgesetzt. Wir werfen einen Blick auf die jurierten Projekte.

Ein Teil der Gebäude der Kantonalen Verwaltung reihen sich entlang der Rheinstrasse vom Bahnhof bis zum Kantonsspital auf. Ein Verwaltungscampus – zumindest auf dem Papier. Der Aussenraum ist heute zwar minimal durchwegt, dient aber hauptsächlich der oberirdischen Parkierung. Das soll sich mit dem Neubau ändern. Der Betrachtungsperimeter reicht denn auch von der Kantonsbibliothek am Emma Herwegh-Platz auf Bahnhofsniveau bis zur Villa Scholer am Kreuzbodenweg, dem Zuhause der Kantonalen Denkmalpflege. Topografisch bedeutend ist der hohe Bahndamm. Er teilt Liestal in zwei Hälften. Die nordöstlich am Campus entlang verlaufende Rheinstrasse liegt wesentlich tiefer. Der zu bearbeitende Aussenraum umfasst den polygonalen Projektperimeter am Kreuzbodenweg und die Freiflächen nordöstlich der Verwaltungsbauten aus den Jahren 1952-55.

Gesucht: ein neues Verwaltungsgebäude innerhalb des farbig dargestellten Perimeters / Abbildung aus dem Jurybericht

Gesucht: ein neues Verwaltungsgebäude innerhalb des farbig dargestellten Perimeters, Abbildung aus dem Jurybericht

Bereits vor 2010 hat der Kanton festgestellt, dass die aktuelle Situation mit vielen einzelnen Verwaltungsliegenschaften ungünstig sei. Zwischenzeitlich wurde diskutiert, sich im Neubau am Bahnhof einzumieten. 2023 schliesslich sprach sich der Landrat für eine Planung eines Neubaus für 650 Arbeitsplätze aus. In einem zweiten Schritt sollen die Gebäude an der Rheinstrasse 29, 31, 33 und 33b saniert werden. Um Platz für den Neubau zu schaffen, ist der Rückbau einiger kleiner Bauten notwendig.

Der Betrachtungsperimeter erstreckt sich vom Bahnhof bis zur Villa Scholer, Abbildung aus dem Jurybericht

Der Betrachtungsperimeter erstreckt sich vom Bahnhof bis zur Villa Scholer, Abbildung aus dem Jurybericht

Anhand einer Präqualifikation wurden 12 Teams, davon 2 Nachwuchsteams für den einstufigen, anonymen Wettbewerb zugelassen. 11 Projektbeiträge wurden rechtzeitig eingereicht. Der Wettbewerbsbeitrag von jessenvollenweider wurde leider zu spät abgegeben und von der Jurierung ausgeschlossen. In zwei Wertungsrunden wurden 6 Projekte ausgeschieden; 4 Projekte sind nun rangiert worden. Die Gesamtpreissumme betrug CHF 220’000 exkl. MwSt. Jeder zugelassene Beitrag wurde zudem mit CHF 20’000 exkl. MwSt. entschädigt.


«HARMONIE»

1. Rang / 1. Preis
Gesamtleitung und Baumanagement: ARGE Buchner Bründler / Rapp
Architektur: Buchner Bründler
Tragwerk: ZPF Structure
Landschaftsarchitektur: MOFA studio

«HARMONIE»: Situationsmodell 1:500, Modellfotografie: Judith Hirsbrunner Photography, Liestal

«HARMONIE»: Situationsmodell 1:500, Modellfotografie: Judith Hirsbrunner Photography, Liestal

«HARMONIE»: Situationsplan mit verschlungenem Wegnetz und Retentionsanlage

«HARMONIE»: Situationsplan mit verschlungenem Wegnetz und Retentionsanlage

Der Projektvorschlag vom Team um Buchner Bründler beinhaltet zwei hauptsächliche Volumen; einen achtgeschossigen rechteckigen Hauptbau parallel zum Bahndamm und ein zur Rheinstrasse vorgelagertes niedrigeres, tropfenförmiges Pavillongebäude mit Schrägdach. Das südöstliche kleine Dach der Einfahrt zur Autoeinstellhalle ist in seiner Grundform dem Pavillon nachempfunden.

«HARMONIE»: Erdgeschossplan mit Auditorium und Aussenraumgestaltung. Der Pavillon gibt sich zur Rheinstrasse hin gar verschlossen...

«HARMONIE»: Erdgeschossplan mit Auditorium und Aussenraumgestaltung. Der Pavillon gibt sich zur Rheinstrasse hin gar verschlossen…

Die Jury sieht in der Aufteilung in ein Hauptgebäude, das die grosse Last des Raumprogramms aufnimmt und ein öffentliches Gebäude mit Restaurant eine Stärkung des Campusgedankens, wenngleich sie auch anmerkt, dass sich der Pavillon zum Kreuzbodenweg und zur Rheinstrasse durchaus etwas weniger verschlossen hätte geben können.

«HARMONIE»: Visualisierung einer Begegnungszone, im Hintergrund eine Eckloggia mit Rundtreppe, Abbildung aus dem Jurybericht

«HARMONIE»: Visualisierung einer Begegnungszone, im Hintergrund eine Eckloggia mit Rundtreppe, Abbildung aus dem Jurybericht

Der Hauptbau ist sinnvoll organisiert: während zwei betonierte Kerne Statik und Erschliessung lösen, sind die restlichen Geschossflächen relativ flexibel unterteil- und bespielbar. Die Jury kritisiert im Bericht den teilweise etwas hohen Flächenverbrauch, ohne aber näher darauf einzugehen. Wir vermuten einen etwas hohen Ganganteil auf den Geschossen. Ebenso sieht die Jury Optimierungsbedarf im Bereich der Autoeinstellhalle. Da diese aber nicht direkt unter dem Hauptbau liegt, dürfte dies keine grossen Auswirkungen auf dessen Tragstruktur haben.

«HARMONIE»: Zwei mögliche Grundrissanordnungen...

«HARMONIE»: Zwei mögliche Grundrissanordnungen…

«HARMONIE»: ... mit viel Gangfläche. Zuviel?

«HARMONIE»: … mit viel Gangfläche. Zuviel?

«HARMONIE»: Südostansicht

«HARMONIE»: Südostansicht

«HARMONIE»: Schnitt durch Hauptbau und Pavillon, eingestrichelt die Autoeinstellhalle unter dem Vorplatz. Der Hauptbau selbst verfügt nur über ein Untergeschoss

«HARMONIE»: Schnitt durch Hauptbau und Pavillon, eingestrichelt die Autoeinstellhalle unter dem Vorplatz. Der Hauptbau selbst verfügt nur über ein Untergeschoss

Prägendes Element des Hauptbaus sind die vier, in unterschiedlichen Geschossen platzierten überhohen Eckloggien. Sie lockern die eher rational organisierte Fassade etwas auf und schaffen zusätzliche Aussenräume mit eigenen Rundtreppen. Das Preisgericht schätzt die Fügung aus Brüstungselementen und PV-Modulen in direkter Nachbarschaft zur feingliedrigen Bestandesarchitektur.

«HARMONIE»: Die überhohen Loggien verfügen über Rundtreppen und verbinden die Geschosse zusätzlich, Abbildung aus dem Jurybericht

«HARMONIE»: Die überhohen Loggien verfügen über Rundtreppen und verbinden die Geschosse zusätzlich, Abbildung aus dem Jurybericht

«HARMONIE»: Detailschnitt durch die Fassadenkonstruktion der ersten Geschosse

«HARMONIE»: Detailschnitt durch die Fassadenkonstruktion der ersten Geschosse

Begleitet werden Hauptbau und Pavillon durch einen organisch geschwungenen Fuss- und Fahrradweg. Während sich die Umgebung inklusive Retentionsanlage zum Bahndamm hin interessant verwunschen gibt, gestaltet sie sich zur Rheinstrasse hin vergleichsweise städtisch und setzt auf einige orthogonale Baumreihen.


«PRISMA»

2. Rang / 2. Preis
Gesamtleitung und Baumanagement: Gruner
Architektur: Burkard Meyer Architekten BSA
Tragwerk: Gruner
Landschaftsarchitektur: ASP Landschaftsarchitektur

«PRISMA»: Situationsmodell 1:500, Modellfotografie: Judith Hirsbrunner Photography, Liestal

«PRISMA»: Situationsmodell 1:500, Modellfotografie: Judith Hirsbrunner Photography, Liestal

«PRISMA»: Situationsplan mit Wegnetz und gemeinsamem Vorplatz

«PRISMA»: Situationsplan mit Wegnetz und gemeinsamem Vorplatz

«Der Entwurf fasziniert durch seine einfache und stringente Umsetzung der programmatischen Konditionen», lobt die Jury den Projektvorschlag aus dem Hause Burckhard Meyer. Das Entwurfsteam schlägt ein quadratisches 14-geschossiges Hochhaus mit öffentlicher Nutzung im Erdgeschoss vor. Das Gebäude rückt nahe an die Gebäude der heutigen Finanzverwaltung. Dabei wird ein gemeinsamer Platz als Erschliessung geschaffen, der sich selbstverständlich ins orthogonale Wegnetz einbindet.

«PRISMA»: Aussenvisualisierung von der Rheinstrasse her, Abbildung aus dem Jurybericht

«PRISMA»: Aussenvisualisierung von der Rheinstrasse her, Abbildung aus dem Jurybericht

Die Verteilung der Nutzung auf beinahe doppelt so viele Geschosse wie «Harmonie», schafft viel Freiraum. Einerseits bleibt der Grünraum zur Rheinstrasse hin bis auf die Einfahrt der Autoeinstellhalle unbebaut, andererseits kann das Ensemble der Villa Schober erhalten bleiben. Der Umgebungsplan zeigt in seiner detaillierten Ausarbeitung die Auseinandersetzung der Entwerfenden mit dem Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Architektursprachen; das Hochhaus schliesst die Campusstruktur unaufgeregt ab. Zumindest im Grundriss. Obschon der rückwärtige Bahndamm der Villa Scholer topografisch bereits Konkurrenz macht, sei die Frage erlaubt, ob dies mit gleich vierzehn Geschossen besser oder schlechter würde…

«PRISMA»: Das Bürogeschoss im Detail

«PRISMA»: Das Bürogeschoss im Detail

Die Grundrisse sind klar strukturiert. Auf den betonierten Kern folgen ein Umlauf und eine Zimmerschicht. Mehr Platz bleibt schlicht nicht. Der Kern verfügt über eine Art «Piazza» – so beschränkt sich die Begegnungszone nicht allein auf die Gänge. Jedoch stehen die Flächenanteile von Kern, Gang und tatsächlicher Nutzfläche in einem eher ungünstigen Verhältnis, das in einer Überarbeitung wohl auch nicht verbessert werden könnte.

«PRISMA»: "Rückseite" mit Wasserspiel, Abbildung aus dem Jurybericht

«PRISMA»: «Rückseite» mit Wasserspiel, Abbildung aus dem Jurybericht

«PRISMA»: Südostansicht, im Hintergrund ist die Villa Scholer zu sehen

«PRISMA»: Südostansicht, im Hintergrund ist die Villa Scholer zu sehen

«PRISMA»: Detailschnitt durch die ersten Geschosse mit Sonnenschutz, PV-Modulen und ausladendem Vordach

«PRISMA»: Detailschnitt durch die ersten Geschosse mit Sonnenschutz, PV-Modulen und ausladendem Vordach

Die Fassade kommt ähnlich technisch daher wie das siegreiche Projekt, weist jedoch einen höheren Fensteranteil auf – was die Jury auch sofort kritisiert im Hinblick auf die gewünschte SNBS Platin-Zertifizierung. Der Holzstruktur wird ein feines Metallgitter vorgesetzt. Dieses bildet ein Geflecht aus flexiblem Sonnenschutz, PV-Modulen und fixen Vordächern. Ein etwas grösseres Vordach überspannt die beiden ersten Geschosse und erinnert an das «Röckli» des Hochhaus Hardturm Park in Zürich – nur etwas feiner und weniger massiv konstruiert. Ein paar zweigeschossige Loggien ergänzen das Programm.


«LINA»

3. Rang / 3. Preis
Gesamtleitung und Baumanagement: Coneco AG
Architektur: Duplex Architekten
Tragwerk: Makiol Wiederkehr
Landschaftsarchitektur: Haag Landschaftsarchitektur

«LINA»: Situationsmodell 1:500, Modellfotografie: Judith Hirsbrunner Photography, Liestal

«LINA»: Situationsmodell 1:500, Modellfotografie: Judith Hirsbrunner Photography, Liestal

«LINA»: Situationsplan mit Darstellung der Zugänge

«LINA»: Situationsplan mit Darstellung der Zugänge

Der drittplatzierte Projektvorschlag sieht ebenfalls ein vierzehngeschossiges Hochhaus, das sich über zwei hohe und einen tiefen Baukörper organisiert vor. Der Hauptbaukörper steht stirnseitig zum Bahndamm, ein nördlich zur Villa Scholer abgedrehtes Volumen schliesst daran an. Ein langrechteckiger dreigeschossiger Flügelbau mit Lichthof ergänzt die Anlage zur Rheinstrasse hin. Erschlossen werden die Gebäude über einen gemeinsamen Vorplatz mit den bestehenden Bauten der Finanzverwaltung. Ein Fussweg führt entlang des Bahndamms vom ehemaligen Birmannspital bis zum Bahnhof.

«LINA»: Visualisierung des südöstlichen Vorplatzes zu den bestehenden Verwaltungsgebäuden, Abbildung aus dem Jurybericht

«LINA»: Visualisierung des südöstlichen Vorplatzes zu den bestehenden Verwaltungsgebäuden, Abbildung aus dem Jurybericht

«LINA»: Detaillierter Erdgeschossplan mit Baumbestand

«LINA»: Detaillierter Erdgeschossplan mit Baumbestand

Während der orthogonale Hauptbau und sein niedriger Flügelbau als Volumen sehr gut harmonieren, insbesondere zusammen mit dem Vorplatz und dem Vis-à-Vis der Bestandesbauten, schert der abgedrehte – notabene ebenfalls 14-geschossige – Baukörper wortwörtlich etwas aus und kommt sogar noch ungefähr einen Meter höher daher. Ein gewagter Vorschlag. Der Annexbau bringt den Vorteil, dass der Hauptkörper etwas freier bespielt werden kann, sind doch einige Lifte und Fluchttreppen ausgelagert. Jedoch verursacht dies dennoch viel Erschliessungsfläche.

«LINA»: Südostansicht vom Bahndamm bis zur Rheinstrasse

«LINA»: Südostansicht vom Bahndamm bis zur Rheinstrasse

«LINA»: Schnitt durchs Hauptgebäude, der abgedrehte Bau in der Ansicht. Im Hintergrund der Bahndamm

«LINA»: Schnitt durchs Hauptgebäude, der abgedrehte Bau in der Ansicht. Im Hintergrund der Bahndamm

Die Jury findet wenig Gefallen an der Grundrissorganisation und merkt an, dass diese etwas umständliche Anordnung viele offene Fragen punkto Haustechnik und Brandschutz nach sich zieht. Insgesamt wird das Flächenbudget um 30% überschritten. Leider sind die oberen Grundrisse nicht im Jurybericht enthalten. Womöglich hätte dies beim Verstehen der Entwurfsidee geholfen.

«LINA»: Visualisierung des überhohen Eingangsbereichs. Zu sehen ist der Ein/Ausgang zum Kreuzbodenweg, Abbildung aus dem Jurybericht

«LINA»: Visualisierung des überhohen Eingangsbereichs. Zu sehen ist der Ein/Ausgang zum Kreuzbodenweg, Abbildung aus dem Jurybericht

Der Ausdruck ist von einer Stahlstruktur und horizontal vorgelagerten Betonelementen geprägt. Die teilweise Balkonschicht des orthogonalen Baus bildet bis ins oberste Geschoss einen willkommenen sommerlichen Wärmeschutz. Die in der äussersten Fassadenschicht vorgeschlagenen Stoffmarkisen hinterfragt das Preisgericht hingegen.

«LINA»: Detailschnitt und -ansicht der Fassadenkonstruktion

«LINA»: Detailschnitt und -ansicht der Fassadenkonstruktion

Das Team um Duplex Architekten hat die Schwierigkeiten der Situation erkannt: die Struktur des südöstlichen Bestandes an Verwaltungsbauten und der Villa Scholer mit ihrer fast ländlichen Umgebung andererseits. Darauf haben sie zu reagieren versucht. Die jeweiligen Antworten sprechen jedoch zu verschiedene Sprachen.


«Hara»

4. Rang / 4. Preis
Gesamtleitung und Baumanagement: Takt Baumanagement
Architektur: pool Architekten
Tragwerk: Makiol Wiederkehr
Landschaftsarchitektur: Studio Vulkan Landschaftsarchitektur

«Hara»: Situationsmodell 1:500, Modellfotografie: Judith Hirsbrunner Photography, Liestal

«Hara»: Situationsmodell 1:500, Modellfotografie: Judith Hirsbrunner Photography, Liestal

«Hara»: Situationsplan mit Wegnetz und Platzbezeichnung. Sticht heraus: Die riesige Einfahrt zur Autoeinstellhalle

«Hara»: Situationsplan mit Wegnetz und Platzbezeichnung. Sticht heraus: Die riesige Einfahrt zur Autoeinstellhalle

Der viertplatzierte Wettbewerbsbeitrag setzt ebenfalls auf drei Baukörper, zwei siebengeschossige rechteckige Volumen und einen dazwischen gestellten fünfgeschossigen Verbindungsbau. Die drei Körper sind diagonal entlang des Kreuzbodenwegs verschoben und greifen jeweils über Eck leicht ineinander. Die Anlage wird sowohl vom Kreuzbodenweg über den «Vorplatz» als auch vom Fussweg vom Bahnhof her über den «Waldhof» erschlossen. Der Mittelbau verfügt über einen grossen Ankunftsbereich im Erdgeschoss und fungiert denn auch als vertikale Erschliessung der oberen Geschosse. Das entspannt die Grundrissgestaltung der beiden höheren Gebäudekörper. Die beiden grossen Rundtreppen führen im Mittelbau jeweils noch zwei Geschosse hoch übers Dach. Jenes ist üppig bepflanzt und holt den Wald in die oberen Stockwerke. Eine schöne Idee.

«Hara»: Zugang vom Kreuzbodenweg über den «Vorplatz» zum Mittelbau, Abbildung aus dem Jurybericht

«Hara»: Zugang vom Kreuzbodenweg über den «Vorplatz» zum Mittelbau, Abbildung aus dem Jurybericht

Ein ausgewogener Grünraum scheint den Entwerfenden ohnehin ein grosses Anliegen. Die Retentionsfläche etwa ist nicht in eine Ecke versorgt, wie andere Projekte dies vorsehen, sondern in drei Happen über den ganzen Aussenraum verteilt. Das Wegnetz mäandriert drumherum. Dass der hinterste Baukörper die Wegverbindung vom Birmannspital zum Bahnhof kappt, sieht die Jury etwas kritisch, lobt jedoch die Chance, das gesamte Areal zukünftig auch vom Bahnhof her zu erschliessen; der flexibel und offene Mittelbau machts möglich. Der schönen Umgebung steht die Zufahrtsstrasse der Autoeinstellhalle gegenüber. Von der Rheinstrasse herkommend durchschneidet sie einen Grossteil des Areals. Sehr schade.

«Hara»: Der Erdgeschossplan zeigt die Funktion des Mittelbaus: Durchwegung im Grundriss und vertikale Erschliessung

«Hara»: Der Erdgeschossplan zeigt die Funktion des Mittelbaus: Durchwegung im Grundriss und vertikale Erschliessung

«Hara»: Südostansicht mit Bahndamm und der Villa Scholer im Hintergrund

«Hara»: Südostansicht mit Bahndamm und der Villa Scholer im Hintergrund

«Hara»: Schnitt durch den hinteren Baukörper und den Mittelbau mit Untergeschossen

«Hara»: Schnitt durch den hinteren Baukörper und den Mittelbau mit Untergeschossen

«Hara»: Der Mittelbau als Erschliessungszone. «Hara» ist Japanisch und bedeutet: «Aus der Mitte heraus gedacht, im Gleichgewicht und im Einklang mit der Natur», Abbildung aus dem Jurybericht

«Hara»: Der Mittelbau als Erschliessungszone. «Hara» ist Japanisch und bedeutet: «Aus der Mitte heraus gedacht, im Gleichgewicht und im Einklang mit der Natur», Abbildung aus dem Jurybericht

Die Fassaden der beiden Hochbauten werden durch die Optik der schräg auf die Brüstung montierten PV-Module geprägt. Diese Horizontalität schafft im Ausdruck eine starke Geschossigkeit. Der Mittelbau verzichtet auf PV-Module und sucht seine Referenzen in feingliedrigen Fensterfeldaufteilungen der 50er und 60er-Jahre. Im Innenbereich gibt er sich gleichwohl offen. Das überhohe Foyer schafft nicht nur die Durchquerung im Grundriss, sondern auch räumlich. Die Offenheit des Mittelbaus stärkt das Ensemble.

«Hara»: Detailschnitte durch die beiden Fassadentypen von Haupt- und Mittelbau

«Hara»: Detailschnitte durch die beiden Fassadentypen von Haupt- und Mittelbau

Nicht ganz im Sinne der Nachhaltigkeit dürfte wie auch schon beim drittplatzierten Projekt die grosse Fassadenabwicklung sein.


Das Preisgericht hat sich mit «Harmonie» aus dem Hause Buchner Bründler für ein kompaktes Gebäude entschieden. Im direkten Vergleich mit den anderen rangierten Projektvorschlägen fällt der Fussabdruck zwar eher grösser aus und einige kleine Bauten auf dem Areal müssen rückgebaut werden. Die Grundrissabmessungen versprechen jedoch gut und flexibel organisierbare Bürogeschosse ohne die Arbeitsplätze auf zu viele Geschosse verteilen zu müssen. Der vorgelagerte Pavillon mit dem Restaurant stärkt den Aussenraum. Wir sind gespannt und freuen uns auf den neuen Verwaltungsbau Kreuzboden.

Text: Simon Heiniger / Architektur Basel


Quellen: Jurybericht «Verwaltungsneubau Kreuzboden, Liestal», Ausgabe 01, Herausgeberin: Bau- und Umweltschutzdirektion Kanton Basel-Landschaft, Hochbauamt
Modellfotografie: Judith Hirsbrunner Photography, Liestal
Alle weiteren Darstellungen stammen aus dem Jurybericht

 

Comments are closed.