Vision klybeckplus: Ein Wolf im Schafspelz?

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Das Klybeckareal, jahrzehntelang Produktionsort der chemischen Industrie, schaut bekanntlich einer neuen Zukunft entgegen. Für die nächsten Planungsschritte stellten die drei Planungspartner Central Real Estate Basel AG, Swiss Life und der Kanton Basel-Stadt die «Vision klybeckplus: Ein Mehrwert für Basel» vor. Die darin formulierten Leitideen tönen vielversprechend was mit Blick auf den hohen Renditedruck des Anlagekapitals aber umso skeptischer macht.

Die Vision zeige „das gemeinsame Verständnis und die Vorstellung der Planungspartner für die Entwicklung des Klybeckareals als besonderen Ort mit besonderer Bedeutung für die Stadt“. Weit weg scheinen die grossen städtebaulichen Ideen eines Hans Kolhoff oder OMA, wie sie noch in der Testplanung zelebriert wurden. Stattdessen entstanden in Zusammenarbeit mit den Zukunftsforscherinnen von kühne wicki frische Ideen. Mehr bottom up, weniger top down. Kosmos architects lieferten dazu die passenden, bilderbuchhaften Visualisierungen weit weg von Investoren-Hochglanzrenderings. Die Vision nehme auch Wünsche und Anliegen auf, die in der öffentlichen Beteiligung in Planungsphase 1 geäussert worden sind, heisst es seitens der Projektpartner sanftmütig.

Vision Klybeck © kühne wicki + KOSMOS Architects

Aus der Vision wurden vier Leitideen formuliert, die für die weitere Planung massgebend sind. Es handelt sich um eine faszinierende Mischung aus Mutmachern und Floskeln. Es ist die Rede vom „Raum für grosses, wegweisendes Denken“ oder „Durch- statt Entmischung, für ein Mit- statt Nebeneinander“. Stellenweise liest sich das wie eine Medienmitteilung der BastA. Da steht: „Verschiedene Wohnformen und verbindende Frei- und Zwischenräume schaffen Gemeinschaft.“ Oder eine Medienmitteilung der Grünen: „klybeckplus sucht spielerisch und lustvoll nach neuen Lösungen, dort wo die Stadt der Zukunft vor beispiellosen Herausforderungen steht: Klima, Bebauung und Energie, Mobilität und Freiraum.“

Vision Klybeck © kühne wicki + KOSMOS Architects

Das tönt alles schön und gut. Fast zu gut. Man darf nicht vergessen: Es handelt sich mehrheitlich um private Investoren, die das Areal für viel Geld erstanden haben und eine entsprechende Rendite erwirtschaften müssen. In der Vision werden die ökonomischen Aspekte kaum erwähnt. Werden gemeinnützige Modelle auf dem Klybeck Platz haben? Und werden sie auch finanzierbar sein? Sind Baurechte für Genossenschaften vorgesehen? „It’s about the Bodenfrage, stupid!“, würde uns Hans Bernoulli zurufen, während wir von den schwärmerischen Zeilen der „Vision“ eingelullt werden: „Hier lebt der schöpferische Geist, hier wird erschaffen und wiederverwendet – dank einem nachhaltigen, sauberen Ineinandergreifen von Entwicklung, Produktion und Nutzung“, tönt das Loblied auf eine rosig-schimmernde Zukunft des Areals. Fast scheint es, dass es im Klybeck das Blaue vom Himmel regnet. Anita Fetz, Alt-Ständerätin und Verwaltungsrätin der Central Real Estate Basel, spricht in einem Videostatement von den „buntesten Lebensformen“ die künftig Platz haben sollen. Es bleibt zu hoffen, dass damit auch die weniger „bunten“ Lebensformen wie Working Poor oder Alleinerziehende gemeint sind. An den Mietpreisen wird man ihre Worte messen können.

Vision Klybeck © kühne wicki + KOSMOS Architects

Fetz sagt: „Ich freue mich hier mitzumachen, dass aus dem Industrieareal ein tolles, lebendiges, buntes Stadtquartier wird.“ Auf dem Klybeck solle gross gedacht werden. „Die Fläche lädt ein, über bestehende Grenzen hinauszublicken und festgefahrene Muster zu hinterfragen.“ Das tönt alles super – ist aber gleichzeitig äusserst vage. Skepsis ist angebracht. Der politische Prozess steht noch an. Ein Wolf im Schafspelz? Hoffentlich nicht. Es könnte ja tatsächlich sein, dass die Investoren aus Fehlern bei anderen Arealentwicklungen gelernt haben.

Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel


Weitere Infos zur «Vision klybeckplus: Ein Mehrwert für Basel» > https://klybeckplus.ch

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