Projekte
02.06.25
© Olivia Pulver
Zwischen Hummermagen und Japonismus: Surreale Mischung verschiedener Welten
Der Kopfbau des Hotel Les Trois Rois am Blumenrain erfuhr durch Herzog & de Meuron eine grundlegende Transformation. Entstanden ist eine surreale Mischung verschiedener Welten. «Jedes Geschoss ist eine eigene, völlig unterschiedlich konzipierte Erlebniswelt mit Raum für öffentliches, urbanes Leben, ebenso wie Orten, die geprägt sind von Ruhe, Entspannung und Intimität für den Hotelgast», fasst Jacques Herzog das gestalterische Konzept zusammen. Architektur Basel nimmt euch mit auf einen fotografischen Streifzug durch das denkmalgeschützte Haus aus dem Jahre 1903. Zwischen Hummermagen und Japonismus.
© Armin Schärer / Architektur Basel
Wir beginnen unsere Tour im Erdgeschoss: Ab September 2025 eröffnet hier das Restaurant "BANKS". Der Name referenziert die ursprüngliche Nutzung – das Haus war ursprünglich eine Bank – und die Lage an den "River Banks" des Rheins. Das Pink und Violett der neuen Einbauten kontrastieren die klassizistisch-strenge Architektur der ehemaligen Schalterhalle
© Armin Schärer / Architektur Basel
Der besonderer Hingucker hängt über der Bar: die poetisch-humorvollen "Himmelsbrocken" des Künstlerduos Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger. Bei aller Ernsthaftigkeit des luxuriösen Grand Hotels ist dieses subversiv-wundersame Element äusserst wohltuend. Ausserdem sorgt das Kunstwerk für beste visuelle Unterhaltung an der Bar: Wer findet den Magen des Hummers? Und wo ist das Zahnimplantat von Straumann?
© Armin Schärer / Architektur Basel
Ein räumlich cleverer Kniff: Der umlaufende Boden wurde um drei Tritte erhöht. Damit erhält man auch im Sitzen den Blick auf den Rhein und das lebendige Treiben an der Schifflände. Ausserdem unterstützt es die Gliederung des grossen Raums. Die mit Spiegeln ergänzte Stuckdecke erweitert die Blickbezüge in der dritten Dimension.
© Armin Schärer / Architektur Basel
Kommen Sie empor, die Herrschaften! Das Treppenhaus wurde streng denkmalpflegerisch restauriert. Es wirkt im Vergleich zu der Gestaltung der Geschosse etwas spannungslos und wenig sinnlich – trotz den imposanten Kronleuchtern. Hier drückt bei allem Luxus die Provinzialität Basels etwas durch.
© Armin Schärer / Architektur Basel
Die Skalierung des Alltäglichen ist ein bekanntes Stilelement der Pop-Art. Auch hier kommt es zur Anwendung. Die historische Verkleidung der Radiatoren wurde als Wandverkleidung vergrössert. Das Motiv erinnert zudem an eines der wichtigsten Elemente der Basler Fasnacht: die Räppli. Elegant integriert sind die runden Steckdosen.
© Armin Schärer / Architektur Basel
Hereinspaziert in die neue Suite des Rois! Auf 240 Quadratmetern wird hier "pure Exklusivität" auf royalem Level zelebriert. Elegant geschwungene Wände gliedern den offenen Grundriss. Im zentralen "Oval Office" befindet sich der private Speisesaal. Die Decke erinnert an das Foyer in der Erweiterung des Stadtcasinos.
© Armin Schärer / Architektur Basel
Eine Welt voller Schimmern und Glänzen. In die Wandtapeten ist mit silbernem Faden eine überdimensionierte Holztextur eingeflochten. Lässt sich über Geschmack streiten? Hauptsache den zahlenden Gästen gefällt es.
© Armin Schärer / Architektur Basel
Roter Samt, wo das Auge hinreicht. Auf dem Geschoss der Junior Suiten wird es intim und kuschelig. Die geringe Raumhöhe von 2.60 m trägt dazu bei. Auch hier kommen Erinnerungen ans Stadtcasino auf: "Ein Bekenntnis zu zeitgenössischem Stil und handwerklicher Exzellenz."
© Armin Schärer / Architektur Basel
Kleine Nischen markieren den Zugang zu den Suiten. Jede Leuchte ist ein mundgeblasenes Unikat: Sie wurden von Glaskünstler Matteo Gonet in seinem Atelier in Münchenstein gefertigt.
© Armin Schärer / Architektur Basel
Die Junior Suiten sind wandlos. Das Bett und das Bad können durch Vorhänge mit geschwungenen Schienen räumlich abgetrennt werden. Die niedrige Raumhöhe verleiht den Suiten eine angenehm-wohlige Intimität und Geborgenheit.
© Armin Schärer / Architektur Basel
Die Poesie der Fuge. Parkett und Plattenbelag finden schwungvoll zueinander. Die Präzision der Ausführung ist bemerkenswert.
© Armin Schärer / Architektur Basel
Aalto im Detail. Der lederummantelte Handlauf erinnert zweifellos an den finnischen Grossmeister. Die Treppe führt ins Dachgeschoss, wo sich der neue Wellnessbereich befindet.
© Armin Schärer / Architektur Basel
Konnichiwa und herzlich willkommen in Japan! Im Dachgeschoss des Kopfbaus ist mit "Seijaku" ein japonisierender Rückzugsort für die Hotelgäste entstanden – inspiriert von der fernöstlichen Philosophie der Stille und Achtsamkeit. Warme Holztöne, Lehmwände, Tatami und handgearbeitete Papierpaneele schaffen ein minimalistisches, überraschend bescheidenes Ambiente.
© Armin Schärer / Architektur Basel
Das historische Holzgebälk des Dachstuhls macht die Illusion des japanischen Onsens perfekt. Hier scheint die Schifflände weit weg zu sein. Der wohlige Geruch von Holz steigt in die Nase. In Gedanken fliegt man über die Berge von Nagano bis hoch nach Sapporo. Sayonara!
© Armin Schärer / Architektur Basel