Auf der Suche nach dem Sheddach: ein Spaziergang durchs Baselbiet

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Vom Hafen in Birsfelden über die Bandwerkstätten in Sissach bis zu den Feinmechanikbetrieben im Waldenburgertal; im Baselbiet finden sich Zeugen der verschiedensten vergangenen und aktuellen Industrien – und mit ihnen die unterschiedlichsten Bauten. Insbesondere die Uhrenindustrie benötigte helle, von Tageslicht geflutete Räume, um die präzise Verarbeitung der kleinen mechanischen Teile zu gewährleisten. In anderen Branchen, die aufgrund schwerer Teile oder spezifischen Produktionsabläufen ihre Werkstätten eingeschossig in die Fläche bauten, etablierte sich das Sheddach. Im ganzen Baselbiet treffen wir auf diese Typologie. Ein kleiner Spaziergang:

Wir beginnen den Rundgang in Liestal nahe am Gemeindebann zu Frenkendorf und Füllinsdorf. Ein paar Fussminuten vom Bahnhof entfernt treffen wir auf Gebäude der ehemaligen Bauunternehmung Schafir & Mugglin AG. Die ersten Bauten gehen auf das Jahr 1914 zurück. Zum Areal gehören unter anderem eine Satteldachhalle und eine Shedhalle. Die Anlagen schliesst direkt an die Geleise an.

ehem. Bauunternehmung Schafir & Mugglin AG, Liestal © Simon Heiniger / Architektur Basel

ehem. Bauunternehmung Schafir & Mugglin AG, Liestal © Simon Heiniger / Architektur Basel

Ebenfalls in Bahnhofsnähe liegen die Bauten der ehemaligen Jäggi & Cie in Gelterkinden. Die 1920 erstellten Gebäude des Herstellers für Uhrenbestandteile gingen 1968 an die Endlos- und Garniturendruck AG über. Zum Areal gehören zwei Shedhallen von 1970 und 1986. In mehreren Schritten wurde die Anlage durch die Stiftung Abendrot saniert. Heute ist darin ein Gewerbezentrum eingerichtet.

ehem. Jäggi & Cie, Gelterkinden © Simon Heiniger / Architektur Basel

ehem. Jäggi & Cie, Gelterkinden © Simon Heiniger / Architektur Basel

ehem. Jäggi & Cie, Gelterkinden © Simon Heiniger / Architektur Basel

ehem. Jäggi & Cie, Gelterkinden © Simon Heiniger / Architektur Basel

Ebenfalls ein Gewerbezentrum ist heute in den Hallen des ehemaligen Fabrik-Ensembles beim Bahnhof Sissach untergebracht. Die ersten Bauten entstanden um 1930. Die Shedhalle dürfte aus dem Jahr 1953 stammen.

ehem. Fabrik-Ensemble, Sissach © Simon Heiniger / Architektur Basel

ehem. Fabrik-Ensemble, Sissach © Simon Heiniger / Architektur Basel

ehem. Fabrik-Ensemble, Sissach © Simon Heiniger / Architektur Basel

ehem. Fabrik-Ensemble, Sissach © Simon Heiniger / Architektur Basel

Die Gebäude der 1916 in Gelterkinden gegründete Kartonfabrik CARTA wurden ab 1926 durch die Schuhfabrik Bally genutzt. Heute sind dort verschiedene kleine Unternehmen angesiedelt. Durch die Lage am Fusse des ansteigenden Hanges sind die Sheddächer der Anlage auch von oben gut zu sehen.

ehem. Kartonfabrik CARTA, Gelterkinden © Simon Heiniger / Architektur Basel

ehem. Kartonfabrik CARTA, Gelterkinden © Simon Heiniger / Architektur Basel

ehem. Kartonfabrik CARTA, Gelterkinden © Simon Heiniger / Architektur Basel

ehem. Kartonfabrik CARTA, Gelterkinden © Simon Heiniger / Architektur Basel

Inmitten des zweiten Weltkrieges gründete der Mechaniker Paul von Arx 1941 die Apparate- und Maschinenbaufirma Von Arx AG in Sissach. Heute heisst die Firma Emerson Professional Tools AG. Das Areal steht im Spickel einer Strassengabelung. Auf einen fünfgeschossigen Kopfbau folgen verschiedene Flachbauten, darunter eine 13-teilige Shedhalle.

ehem. Apparate- und Maschinenbau von Arx AG, Sissach © Simon Heiniger / Architektur Basel

ehem. Apparate- und Maschinenbau von Arx AG, Sissach © Simon Heiniger / Architektur Basel

Um 1825 siedelten am Ufer der Ergolz im Norden von Liestal erste Betrieb an. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg wuchsen die Anlagen. 1990 wurde die Tuchfabrik S. Brodtbeck und Rosenmund AG stillgelegt – uns aber bleibt ein grosses zusammenhängendes Industrieareal. Im Schild-Areal finden sich heute verschiedenste kleine und mittlere Unternehmen.

Schild-Areal, Liestal © Simon Heiniger / Architektur Basel

Schild-Areal, Liestal © Simon Heiniger / Architektur Basel

Flussabwärts in Füllinsdorf wurde die Wasserkraft ebenfalls bereits früh genutzt. Die ersten Gewerbebetriebe gehen auf das 17. Jahrhundert zurück. Nach 1820 entstanden mehrere Baumwollspinnereien. Zu den Bauten, die sich in den kommenden Jahren unter verschiedenen Firmen hinzugesellten, gehören auch einige Shedhallen. Wie die meisten ähnlichen Anlagen sind auch diese Gebäude in den letzten Jahren zu kleinteiligen Gewerbegebieten umgenutzt worden.

ehem. Schappe-Unternehmen, Füllinsdorf © Simon Heiniger / Architektur Basel

ehem. Schappe-Unternehmen, Füllinsdorf © Simon Heiniger / Architektur Basel

Text und Fotos: Simon Heiniger / Architektur Basel


Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0
– E.N. (1970): «75 Jahre Tuch- und Deckenfabriken Schild AG», in: Mitteilungen über Textilindustrie: schweizerische Fachschrift für die gesamte Textilindustrie, 1970, Band 77, Heft 10, S. 382ff
– Online-Archiv SGTI industriekultur.ch

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