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13.11.25
© Maris Mezulis
Ausgezeichneter Holz-Lehm-Bau: Hortus in Allschwil gewinnt Architekturpreis
Nachdem Basel vergangenes Jahr mit mehreren Preisen dominierte, ging 2025 immerhin eine Auszeichnung ans Rheinknie. Sieger in der Kategorie «Arbeit, Produktion & Infrastruktur» ist das Projekt «Hortus» in Allschwil von Herzog & de Meuron. Aus 418 eingereichten Projekten hat eine unabhängige Fachjury die Gewinner des Swiss Arc Award ermittelt, welche im Trafo Baden vor über 500 Gästen geehrt wurden. Roger Boltshauser hielt die Laudatio.
© Swiss Arc Award 2025
Herzog & de Meuron zeigen mit dem Hortus, dass Nachhaltigkeit nicht Verzicht, sondern ein Entwurfsmotor sein kann. Die Jury lobte, dass hier ein Forschungs- und Arbeitsort entsteht, der ökologische und räumliche Ambitionen auf Augenhöhe denkt. Holz, Lehm und wiederverwendete Bauteile bilden die konstruktive wie atmosphärische Grundlage – nicht als Geste, sondern als Haltung. Roger Boltshauser brachte es in seiner Laudatio auf den Punkt: «Mit dem Hortus haben Herzog & de Meuron ein Bürohaus entworfen, das in beeindruckender Weise aufzeigt, dass radikale Nachhaltigkeit und atmosphärische Architektur keine Gegensätze sein müssen.» Der Bau verzichtet konsequent auf Beton, nutzt regionale Ressourcen und setzt auf einen hohen Anteil natürlicher Baustoffe. Damit wird er zum Pionier des grossmassstäblichen, emissionsarmen Bauens.
https://vimeo.com/1129947985?fl=pl&fe=vl
Nichts wirkt symbolisch oder zusammenmontiert. «Im Gegenteil: Die Architektursprache ist stimmig, kraftvoll, ruhig und präzise», sagt Boltshauser. Photovoltaikpaneele bilden die Fassade; ein bepflanzter Innenhof verwandelt Technik in Poesie. Lehmdecken sorgen für ein ausgeglichenes Raumklima. Das Gebäude denkt nicht nur an die CO₂-Bilanz, sondern stellt, so Boltshauser, «den Menschen gleichermassen in den Mittelpunkt». Die Jury sieht darin ein Modell, wie kulturelle Qualität aus der Suche nach maximaler Reduktion entstehen kann. Der Bau vermittelt zwischen ökologischer Dringlichkeit und architektonischer Würde – und setzt im globalen Bürohausbau einen Kontrapunkt zur technischen Überformung. «Das Gebäude wirkt wie eine gebaute Haltung, die dem Ressourcenverbrauch eine neue Ethik und Ästhetik entgegensetzt», formuliert Boltshauser.
© Maris Mezulis
Hortus versteht sich als Labor der Baukultur: ein ernst gemeinter Vorschlag, wie die Baubranche mehr Verantwortung übernehmen kann. Naturbasierte Materialien, regionale Kreisläufe, rezyklierte Elemente und Energieproduktion auf der Hülle werden nicht als Add-ons eingesetzt, sondern sind entwurfskritisch. Genau das macht das Projekt exemplarisch für die aktuelle Debatte um den materialarmen Hochbau in Europa. Oder, wie Boltshauser abschliessend sagt: «Hortus ist ein Labor für die Baukultur von morgen. Er verkörpert, was möglich ist, wenn der Bausektor Verantwortung übernimmt. Die Jury würdigt mit Hortus ein Projekt, das viele wertvolle Antworten gibt und zugleich wichtige Fragen für die Zukunft der Architektur aufwirft.»
Quelle: Medienmitteilung Swiss Arc Award