Baudenkmal und Dumpingpreise – problematisches Vergabeverfahren am Bachgraben

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Das Gartenbad Bachgraben kann als Schlüsselwerk der Basler Architekten Otto und Walter Senn bezeichnet werden. Ein Baudenkmal, das den Funktionalismus in der Tradition der Klassischen Moderne repräsentiert. Die Flachdachbauten aus Sichtbeton sind gekennzeichnet durch prägnante Strukturen, eine klare, nach Gebäudetyp variierte Formensprache, spärlich gesetzte Farb- und Materialkontraste, offene und geschlossene Fassaden, Treppenseiten oder Dachabschnitte, die Kombination schlanker und kräftiger Formen, sowie starke Kontraste zwischen Beton und Teilen aus natursichtigem Holz oder solchen mit einem blauen Anstrich. Die Anlage wurde 1962 in Betrieb genommen. Das Ensemble ist im Inventar der schützenswerten Bauten der Denkmalpflege Basel-Stadt aufgeführt.

Gartenbad Bachgraben in Basel (1961/1962) von Otto Senn © P.+ E. Merkle, Basel

Gartenbad Bachgraben in Basel (1961/1962) von Otto Senn © P.+ E. Merkle, Basel

Trauriges Smiley
Nun plant der Kanton eine umfassende Sanierung des zentralen Restaurant- und Betriebsgebäudes. Dafür wurde per Ausschreibung ein Architekturbüro als Generalplaner gesucht. Der Haken am gewählten Verfahren: Ein massgebendes Kriterium bei der Vergabe war die Höhe des Honorars – und nicht etwa architektonisch-qualitative Kriterien. Weshalb kein architektonischer Zugang in Form eines Wettbwerbs oder Studienauftrags? Die von Fachverbänden initiierte Beobachterplattform BWA Smile wertete das Verfahren als ungenügend. Die Begründung: „Für den Zuschlag werden aussschliesslich Fähigkeit und Preis als Kriterien bewertet. Um der Komplexität der Umbaumassnahmen und dem Schutzstatus des Gebäudes zu entsprechen, fehlt aber die Bewertung der Methodik. Das Preiskriterium wird mit 30% gewertet – zulässig gemäss SIA 144 wären maximal 25%.“ Weshalb die SIA-Ordnung befolgen, wenn man die Leistung auf dem Markt günstiger bekommen kann?

Gartenbad Bachgraben © Bruno Thüring

Prädikat: „nicht angemessen“
Der Bericht kritisert ausserdem die fachliche Zusammenstellung des Beurteilungsgremiums: „Die Zusammenstellung des Beurteilungsgremiums ist nicht ersichtlich, folglich ist auch nicht klar, ob eine externe Fachperson beigezogen wird, was dem Schutzstatus des Gebäudes angemessen wäre.“ Bei einem Baudenkmal von dieser Güte wäre dies unabdingbar. „Das Verfahren ist mit den beschriebenen Mängeln unzulänglich und so der Qualität des Gebäudes von Otto und Walter Senn nicht angemessen,“ schliesst der BWA-Bericht.

Gartenbad Bachgraben in Basel (1961/1962) von Otto Senn © P.+ E. Merkle, Basel

Gartenbad Bachgraben in Basel (1961/1962) von Otto Senn © P.+ E. Merkle, Basel

Unerklärliche 200% Honorardifferenz
Dies öffnete Tür und Tor für Honorardumping. Vergangene Woche fand die Couvertöffnung statt. Sie förderte Bedenkliches zu Tage. 200% Differenz? Die Honorarsumme variierte zwischen CHF 460’000 und CHF 900’000. Wie kann eine solch massive Differenz entstehen? Schwer erklärbar. Insbesondere wenn man weiss, dass bei Angeboten von CHF 650’000 bereits mit einem tiefen Stundenansatz von knapp über CHF 90 kalkuliert wurde (die SIA sieht über 130 CHF/h vor). So liegt der Schluss nahe, dass hier Preisdumping betrieben wurde. Baukultur um jeden Preis? Bei so tiefen Honoraren wird spätestens bei der Detailplanung gespart werden müssen. Das wird dem Baudenkmal Bachgraben nicht gut tun, denn „die vorgesehenen Umbaumassnahmen sind sehr tiefgreifend und müssen mit grosser Sorgfalt geplant und ausgeführt werden“, heisst es im BWA-Bericht. Der Preis ist heiss und wie steht es um den Wert der Basler Baukultur?

Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel

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