Statt die Autos am Strassenrand zu haben, sollen sie oberhalb geparkt werden. Der Vorschlag für ein neues vollautomatisiertes Parkhaus © Maurus Hitz und Maximilian Kern, FHNW
Die Diagonale im St. Johann und das Parkhaus im Matthäus – Basel bekommt Superblocks
Basel wagt ein städtebauliches Experiment. Seit längerem plant der Kanton die Umsetzung von Superblocks. Ursprünglich war die Testphase bereits im letzten Herbst geplant. Mehrere Einsprachen und Rekurse verzögerten die Umsetzung. Nun ist es soweit: Anfang des Jahres soll es mit dem Superblock-Test im Matthäus und St. Johann losgehen. In der Zwischenzeit hat sich auch das Institut Architektur der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) mit dem Thema auseinandergesetzt – und spannende Projekte entwickelt. Wie artikuliert sich ein Superblock architektonisch? Wir zeigen euch in unserem heutige Artikel zwei Studentenarbeiten aus dem Masterstudiengang mit dem Fokus "Landschaft".
Die zwei von der Stadt geplanten Superblocks im St. Johann und Matthäus mit den markierten Strassen, die in diesem Jahr belebt werden sollen. © Kanton Basel-Stadt
Das Titelblatt für das Semester über Superblocks an der FHNW © FHNW
Was ist ein Superblock? Zuerst widmen wir uns der Begriffsdefinition. Im Semesterreader des Instituts Architektur wird er folgendermassen definiert: «Der Begriff bezeichnet eine Ansammlung von mehreren Häuserblocks oder Blockrandgevierten, die eine fussläufige Nachbarschaft bilden; der ‹Superblock› ist üblicherweise durch grössere Strassen begrenzt, über die der motorisierte Durchgangsverkehr geführt wird, während das Innere des Superblocks von motorisiertem Verkehr weitgehend freigehalten ist», lesen wir im Reader. Vereinfacht ausgedrückt sind Superblocks „Wohnblockinseln“ mitten in der Stadt, die fussgängerfreundlich gestaltet werden und gemeinschaftliche Aktivitäten und das Quartierleben fördern.
Nach zwei Jahren konnte bei diesem Superblock in Barcelona der Flächenanteil für Fussgänger fast verdoppelt werden (in dunkelgrau, die Fläche, die dem motorisierten Verkehr vorenthalten ist). © BCNUEJ - Barcelona Lab for Urban Environmental Justice and Sustainability
Während die geplante Umsetzung in der Stadt sehr lokal bleibt und zurzeit nur temporäre und provisorische Massnahmen vorgesehen sind, waren die Studierenden unter der Leitung von Dominique Salathé gefordert, ihren Eingriff im grösseren Kontext zu denken und Lösungen aufzuzeigen, wie in den neuen Nachbarschaften «der spezifische Charakter des jeweiligen ‹Superblock› identifiziert, verglichen und sein besonderes Talent entwickelt» wird.
Alle Autos ins Obergeschoss - Matthäus wird autofrei
Die Studierenden Maurus Hitz und Maximilian Kern haben das Matthäusquartier als einen "Agoraplan" analysiert und verfolgten mit ihrem Projekt das Ziel, die öffentlichen Räume miteinander zu verbinden. Der identitätsstiftende Ort für das Quartier wurde in und um die Matthäuskirche erkannt, da das Gebäude einen prägenden Charakter hat.
Statt die Autos am Strassenrand zu haben, sollen sie oberhalb geparkt werden. Der Vorschlag für ein neues vollautomatisiertes Parkhaus © Maurus Hitz und Maximilian Kern, FHNW
© Maurus Hitz und Maximilian Kern, FHNW
Gegen die Superblocks regt sich auch Widerstand. Eine Sorge der Bevölkerung sind die verschwindenden Parkplätze. Daher haben die Studierenden vorgeschlagen, statt die Autos am Strassenrand zu parken, ein vollautomatisiertes oberirdisches Parkhaus oberhalb der Strasse zu bauen. So kann der Freiraum um die Matthäuskirche grossräumig autofrei und fussgängerfreundlich gestaltet werden. Eine etwas fremd wirkende Struktur wird der Kirche vorgelagert, um zwischen Innenraum und Aussenraum zu vermitteln. Die östliche Seite des Platzes wird dicht mit Bäumen bepflanzt und leistet einen wichtigen Beitrag zu einer klimagerechten Stadt.
Der Freiraum um und in der Kirche wird zu einem wichtigen Versammlungsort und Freiraum für das Quartier © Maurus Hitz und Maximilian Kern, FHNW
Quer durch das Quartier vom Kannenfeldplatz zum Rhein - eine neue Lesweise des St Johannsquartiers
Ausgehend von einer präzisen Analyse der bestehenden Grünräume um das St. Johann haben die beiden Masterstudierenden Inken Kircher und Tobias Walliser erkannt, dass sich das Quartier zwischen zwei grossen und wichtigen Basler Stadtparks befindet: dem Kannenfeldpark im Westen und dem St. Johann-Park im Osten, direkt am Rhein.
Die zwei Eckpunkte als Übergang zu den beiden Stadtparks und in der Mitte die zentrale, verkehrsberuhigte und beschattete Vogesenstrasse. © Inken Kircher und Tobias Walliser, FHNW
An den jeweiligen Ecken sind bereits zwei Plätze vorhanden, die zurzeit jedoch wenig genutzt und wenig einladend wirken. Wie in der axonometrischen Darstellung erkennbar, könnten bereits zwei Baumreihen helfen, den Raum zu definieren und zukünftigen mit Funktionen zu bespielen, denkbar wäre einen Quartiermarkt. Die zentrale Strasse durch das Quartier, die Vogesenstrasse, wird zu einer verkehrsberuhigte Erholungsstrasse. Die Vorteile von diesem neuen Grünkorridor sind vielschichtig: das Wasser kann vor Ort versickert werden (Prinzip der Schwammstadt) und bietet somit eine natürliche Abkühlung; es entsteht die Möglichkeit für die Anwohner, in der Nacht die Wohnungen durch Querlüftungen abzukühlen und zuletzt entsteht einen attraktiven Aufenthalts- und Spielort für alle.
Querschnitt Vogesenstrasse © Inken Kircher und Tobias Walliser, FHNW
So könnte die verkehrsberuhigte Vogesenstrasse in Zukunft aussehen. © Inken Kircher und Tobias Walliser, FHNW