Aktuelles 29.05.22

© Hago von Kalckreuth, Basel

"Eher elegant als massig" – Lonza-Hochhaus neu unter Denkmalschutz

Bei der Einfahrt mit dem Zug in Richtung Basel SBB weht den Reisenden ein Hauch Mailänder Nachkriegsmoderne entgegen: Das elegante 68 Meter hohe, über einem sechseckigen Grundriss errichtete Lonza-Hochhaus gehört zweifellos zu den bedeutenden Baudenkmälern der Stadt. Es ist dem ersten wirklichen Hochhaus Europas, dem fast doppelt so hohen  Mailänder Pirelli-Turm (127 m) von Gio Ponti und Luigi Nervi (1956-1958), nachempfunden. Neu ist die Basel Architekturikone geschützt. Der Regierungsrat hat dem Antrag zur Unerschutzstellung zugestimmt.

Situationsplan Lonza-Hochhaus © Suter + Suter

"Das Hochhaus der Lonza liegt in einem parkähnlichen Areal in der Nähe des Bundesbahnhofes. Auf der Westseite des Hochhauses ist für später ein langgestrecktes Laborgebäude mit Kantine eingeplant worden. In unmittelbarer Nähe des Grundstückes liegen zwei öffentliche Parkanlagen mit Spielplätzen. Das hohe Gebäude, das durch seinen relativ kleinflächigen Grundriss eher elegant als massig wirkt, erhält durch die Grünanlagen mit den alten Bäumen den Vorteil der räumlichen Weite und Eigenständigkeit", beschrieben die Architekten vor 60 Jahren die städtebauliche Situation. Die Qualität der Architektur aus der Feder von Suter + Suter lässt sich klar benennen: Die scharf geschnittene Form und die Rasterfassade seiner Hauptseiten – mit Brüstungen aus schwarz eloxierten Aluminium – kennzeichnen das Lonza-Hochhaus. Seine spitz zulaufenden Schmalseiten – mit ihrer beleuchteten Naht – sind mit geripptem, grauem Blech verkleidet; sie erschliessen das Gebäude und beherbergen die Haustechnik. Die zurückhaltend ausgestattete Erdgeschosshalle erhält durch die kraftvolle Plastizität der keilförmigen Stützen monumentale Qualität; das lineare Bodenmuster aus Schiefer und weissen Marmorfliesen, das dem Besucher als Orientierungshilfe dient, durchbricht die seitlichen Glasfronten und führt vor das Gebäude.

© Peter Hemann, Basel

Obwohl die Stadtbildkommission in den 1950er-Jahren noch nicht existierte, waren bei der Planung die Fragen der Integration in das Stadtbild entscheidend: "Für Hochhausplanungen werden in Basel strenge Massstäbe angelegt, um das harmonische Stadtbild weitgehendst wahren zu können. Die Stadtplanung bemüht sich um die Einhaltung von hochhausfreien Zonen. Bestimmte Blickwinkel von den schönsten Aussichtspunkten der Stadt werden mit besonderer Sorgfalt geschützt. Zur Unterbindung von dominierenden Betonungen wird auch die Gestaltung, die Materialwahl und die Farbgebung bereits bei der Planung einer strengen Kritik unterworfen", schrieben die Architekten 1963.

Lonza-Hochhaus © Bruno Thüring

Grundriss Regelgeschoss © Suter + Suter

Die Architekten reagierten darauf mit einer filigranen, zurückhaltenden Fassadengestaltung. Ein besonderes Augenmerk galt dabei der Farbgebung: "Im Falle der Lonza war zum Beispiel eine Bedingung des Heimatschutzes die farbliche Eingliederung in die atmosphärische Tönung des Stadtbildes. Diese Forderung erscheint natürlich immer irgendwie erfüllbar. Das sich im grauen Metallgewand präsentierende Gebäude ordnet sich tatsächlich bei normaler Beleuchtung in den atmosphärischen Grau-Blau-Ton ein. Es gibt jedoch auch hier starke Wechsel, die das Grau über lebendig spielende Nuancen bis ins grelle Weiss oder stumpfe Schwarz ändern lassen. In der Erscheinungsform im städtischen Gesamtbild kann die Lage des Lonza-Hochhauses als äusserst günstig bezeichnet werden."

© Peter Hemann, Basel

Die "äussert günstige" Integration hat bis heute Bestand. Das Lonza-Hochhaus ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Das wird auch so bleiben: Neu steht es unter Denkmalschutz. Die Basler Regierung hat für das 68 Meter hohe Gebäude die Eintragung in das kantonale Denkmalverzeichnis beschlossen. Das Lonza-Hochhaus sei ein materielles Geschichtszeugnis und stelle wegen seines hohen architekturhistorischen und städtebaulichen Zeugniswerts ein Baudenkmal dar, teilte die Basler Regierung  mit. Hintergrund der Unterschutzstellung sind die Ausbaupläne der Lonza auf dem Areal: Das Pharmaunternehmen plant zum bestehenden 68-Meter-Turm zwei weitere Hochhäuser gleicher Höhe mit Büros und Wohnungen. Federführend ist laut Medienberichten Morger Partner Architekten. Zwei neue Hochhäuser bedingen einen Bebauungsplan. Das ist noch Zukunftsmusik: Wie die Basler Zeitung berichtet, arbeitet die Lonza zurzeit an einem «Bebauungsplan zur potenziellen Umsetzung eines Vorprojekts mit zwei zusätzlichen Hochhäusern auf dem Areal». Dem Bebauungsplan muss erst noch die Regierung und der Grosse Rat zustimmen. Ausserdem ist die Sanierung des Lonza-Hochhaus geplant. Man darf auf die weitere Entwicklung gespannt sein. Dass die Regierung die Dringlichkeit der Unterschutzstellung von Bauten der Nachkriegsmoderne inzwischen erkannte, ist "äusserst günstig" und genauso erfreulich. Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel

Quellen: https://www.baublatt.ch/baubranche/die-lonza-will-in-basel-zwei-weitere-hochhaeuser-bauen-31483
https://www.bzbasel.ch/basel/basel-stadt/ausbauplaene-zwei-neue-hochhaeuser-lonza-plant-den-ausbau-seines-hauptsitzes-ld.2171502?reduced=true
Das Werk, Heft 51, 1963: Hochhaus der Lonza AG in Basel : Architekten Suter & Suter, Basel