Aktuelles 30.08.23

© Atelier Beaufort / Bricks

Ein Hochhaus und viel Umbau: pool Architekten gewinnen Wettbewerb für Transformation der Ziegelei in Allschwil

Imposante 80 Meter soll es hoch werden. Das geplante Hochhaus sticht als erstes ins Auge, wenn man auf die Pläne für die Transformation der Ziegelei in Allschwil schaut. Auf den zweiten Blick erkennt man viel Umbau der bestehenden Industriebauten. Das siegreiche Projekt stammt aus der Feder von pool Architekten aus Zürich. Am Studienauftrag nahmen vier weitere Büros teil: Bachelard Wagner, Morger Partner, SSA und Züst Gübeli Gambetti. "Künftig sollen sich traditionelle wie auch innovative Kleinunternehmen auf dem Areal ansiedeln und zukunftsträchtige Arbeitsplätze schaffen. Neu wird auch Wohnraum für unterschiedlichste Bedürfnisse zur Verfügung gestellt", heisst es in der Medienmitteilung von Arealentwicklerin Bricks. Dabei bleibt ein Stück Geschichte erhalten: Indem die Ziegeleihallen teilweise und die Pförtnerhäuser integral stehen bleiben, lebt der Charakter des rund 45'000 m2 grossen Areals weiter.

Luftbild der Ziegelei heute © Atelier Beaufort / Bricks

Rückblende auf die Geschichte des Ortes: Die Ziegelei Passavant-Iselin stellte 1975 nach fast 100-jähriger Tätigkeit den Betrieb ein. In den folgenden Jahrzehnten dienten die Gebäude als Lagerhallen oder Betriebsstätten für vielfältige gewerbliche Nutzungen. Heute gibt es nur noch wenige Arbeitsplätze auf dem Areal. Aus Sicherheitsgründen kann die Nutzung der alten Bauten nicht mehr aufrechterhalten werden. Die Petrusso AG als Eigentümerin hat deshalb die Firma Bricks beauftragt, das Areal zu entwickeln und neue Nutzungen anzusiedeln. Dabei soll der einzigartige Charakter der ehemaligen Ziegeleibewahrt bleiben.

Situationsplan © pool Architekten

Im vergangenen Jahr beauftragte die Bricks AG gemeinsam mit der Gemeinde Allschwil und dem Kanton Basel-Landschaft fünf Architekturbüros, Studien zur Entwicklung des Areals Ziegelei Ost in Allschwil zu erstellen. Zweit Teams durften ihre Projekte in einer Überarbeitungsphase vertiefen. Am Ende überzeugte der Vorschlag von pool Architekten, Zürich, und Westpol Landschaftsarchitektur, Basel, die Jury am meisten: "Der Entwurf überzeugt quer durch die verschiedenen Massstäbe und Themen trotz äusserst herausfordernden Fragestellungen der Aufgabe. Es entsteht ein neues altes Stück Allschwil, das sich die spezifische Lage und Geschichte des Areals zu Nutze macht und selbstbewusst weiterschreibt." Das heisst konkret: Wo möglich, werden die imposanten Produktionsgebäude und weitere Häuser erhalten, instandgesetzt und umgebaut. Auch ReUse ist ein Thema. Nicht benötigte Bauteile werden wiederverwendet.

© pool Architekten

Den Auftakt des Areals bilden das 8o Meter hohe Hochhaus "Lettenturm" sowie die aufgestockte Nord-Halle. Das Hochhaus würde den Allschwiler Rekord aufstellen. Es orientiert sich mit seinem rechteckigen Grundriss quer zur Binnigerstrasse, was den Baukörper entlang der Strasse geschickt verschlankt und gleichzeitig auf die Tiefe des Areals verweist. Dessen Fernwirkung variiert je nach Blickrichtung. Der Sockel mit seiner gassenseitigen Kolonnade bildet den massstäblichen Link zur West-Zeile. Im EG des Turms ist ein Quartier-Hub vorgesehen, der im Zusammenhang mit dem Anger der Binningerstrasse und dem Kulturplatz einen spannenden Auftakt bildet.

© Atelier Beaufort / Bricks

Das Projekt von pool zeigt auf, wie in den bestehenden Strukturen zeitgemässe Räume für Gewerbe, Ateliers, Büros und Publikumsnutzungen geschaffen werden können. Auf dem Areal entstehen zudem unterschiedliche Wohnwelten, die eine Vielfalt von Wohnformen ermöglichen. Im ehemaligen Lehmabbaugebiet bei der bewaldeten Böschung wird ein neuer Grünraum geschaffen undöffentlich zugänglich gemacht. Entlang der Binningerstrasse bilden die Ziegeleihalle aus Backstein, die erhalten und aufgestockt wird, sowie ein Hochhaus den Auftakt zum Areal. Ausgangspunkt für den Studienauftrag bildeten das räumliche Entwicklungskonzept sowie der Masterplan Binningerstrasse der Gemeinde Allschwil.

© pool Architekten

Man steht mitten im Prozess: Das ausgewählte Projekt skizziert die Entwicklung des Areals Ziegelei Ost in den wesentlichen Zügen. Genaue Aussagen zur Art und Grösse der Gewerbeflächen oder zur Anzahl und Typologie der Wohnungen werden möglich, wenn das Projekt detaillierter ausgearbeitet ist. Dazu folgt nun als nächster Schritt das Quartierplanverfahren der Gemeinde Allschwil mit öffentlicher Mitwirkung. Der Einwohnerrat wird den Quartierplan voraussichtlich 2025 behandeln. Mit dem Bezug der neuen Gewerbe- und Wohnräume ist frühestens 2030 zu rechnen. Quelle: www.ziegelei-ost.ch