GV und Jahresanlass 2026 © SIA Basel
Für bessere Arbeitsbedingungen! Wir zahlen SIA-Beitrag
Der Rahmen war altehrwürdig. Die gewölbte Holzdecke repräsentierte das alte Basler Bürgertum – und beinahe auch das Durchschnittsalter der Anwesenden. Im Zunftsaal Schmiedehof fand die diesjährige SIA-Generalversammlung der Sektion Basel statt. Ein formaler Anlass. Ohne Überraschungen? Schon bei der Begrüssung sagte Präsidentin Margot Meier: «Ein Antrag ist eingegangen.» Unter Traktandum neun wurde er behandelt – und sorgte für eine lebendige Auseinandersetzung.
Hinter dem Antrag standen wir. Im Namen von Architektur Basel forderten wir vom SIA Basel eine für alle Mitglieder sowie Arbeitnehmenden von SIA-Mitgliedsbüros offene Arbeitsgruppe zum Thema Arbeitsbedingungen: «Ziel der Arbeitsgruppe ist es, kritische Themen betreffend Arbeitsbedingungen in Architektur- und/oder Ingenieurbüros zu identifizieren und zu diskutieren sowie konkrete Lösungsvorschläge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu erarbeiten.» Die Arbeitsgruppe solle bis zur Generalversammlung 2027 ein konkretes Massnahmenpapier zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen erarbeiten. So viel vorweg: Der Antrag wurde abgelehnt.
GV und Jahresanlass 2026 © SIA Basel
Schade – ist der SIA Basel doch ein selbsternannter «Arbeitnehmerverband». Wenn es darum geht, die arbeitende Basis zur Partizipation einzuladen, ist davon leider nicht viel zu spüren. Eine Teilnahme von Arbeitnehmenden, die keine SIA-Mitglieder seien, würde das Ganze «ausufern» lassen, meinte ein Mitglied in seinem Votum gegen unseren Antrag. Für uns ist klar: Die Arbeitsbedingungen in Architekturbüros könnten besser sein – von den Löhnen über das Stresslevel bis hin zum Thema Überstunden oder der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ebenso offensichtlich ist der Zusammenhang mit der schwierigen Honorarsituation für Planungsbüros seit dem Eingreifen der WEKO. Wer die neue «Value App» des SIA ausprobiert hat, weiss leider: Es besteht wenig Hoffnung.
Gleichzeitig wird es der Markt nicht von selbst richten, wie es SIA-Präsidentin Susanne Zenker im Interview mit uns prophezeite. Umso wichtiger ist es, dass sich Architekturbüros nicht gegenseitig mit Dumpingpreisen unterbieten – was bei Planerwahlverfahren leider regelmässig passiert. Wir dürfen unsere Arbeit nicht unter Wert verkaufen. Das muss sich auch in den Arbeitsbedingungen widerspiegeln. Im eindrücklichen Bericht von Christoph Gschwind zur Arbeit des BWA wurde zu Beginn der GV offengelegt, dass diese preisorientierten Verfahren massiv zugenommen haben – auf Kosten der lösungsorientierten Wettbewerbe. Preis vor Qualität. Auch darüber müssen wir sprechen.
"Nur 5% der Verfahren sind lösungsorientert offen"- eindrücklicher Bericht von Christoph Gschwind © Architektur Basel
Zurück zu Traktandum neun im Zunftsaal: Die extra aus Zürich angereiste SIA-Juristin nahm Stellung zu unserem Antrag. Er sei juristisch heikel, aber grundsätzlich dürfe die GV als höchstes Organ frei entscheiden, wer in einer Arbeitsgruppe mitarbeiten kann. Der Vorstand der Sektion Basel empfahl den Anwesenden die Ablehnung des Antrags und nannte als Begründung eine Doppelspurigkeit zur bereits existierenden, vorstandsinternen Arbeitsgruppe zum gleichen Thema. Man wolle keinen zusätzlichen administrativen Aufwand. Präsidentin Margot Meier machte kurzerhand den Vorschlag, die bestehende Arbeitsgruppe für alle SIA-Mitglieder zu öffnen, sofern wir im Gegenzug unseren Antrag zurückziehen würden. Wir lehnten dankend ab – schliesslich ist es unser oberstes Anliegen, alle Arbeitnehmenden in die Diskussion einzubinden. Wir wollen keine exklusive Arbeitsgruppe im Elfenbeinturm. Wir wollen echte Partizipation. Gleichzeitig blieb für uns schleierhaft, vor welcher engagierten Masse an Arbeitnehmenden man sich fürchtet. Planung ist Teamwork.
Besichtigung Umbau Hauptpost am anschliessenden Jahresanlass 2026 © Architektur Basel
Es wurde kurzzeitig konfus. Worüber soll man nun genau abstimmen? Den Antrag, den Gegenantrag oder den Änderungsantrag? Und in welcher Reihenfolge? Raunen im Saal. Der Vorstand steckte während laufender GV die Köpfe zusammen, um sich zu beraten. Das war im Drehbuch so nicht vorgesehen.
Es kam, wie es kommen musste. Der Antrag zur Beschränkung der Arbeitsgruppe auf SIA-Mitglieder erhielt rund 60 % der anwesenden Stimmen, der abgeänderte Antrag wurde abgelehnt. Der Gegenvorschlag des Vorstands wurde anschliessend – trotz viel Verwirrung – mit grosser Mehrheit angenommen. Wir konnten also einen kleinen Teilerfolg auf dem steinigen Weg zu besseren Arbeitsbedingungen verbuchen: eine zumindest für alle Mitglieder offene SIA-Arbeitsgruppe. Wir werden uns darin engagieren. Versprochen. Und ausserdem die Hürde für alle Arbeitnehmenden, die sich engagieren wollen und aktuell kein SIA-Mitglied sind, aus dem Weg räumen: Wir zahlen ihnen den Mitgliederbeitrag!
Text: Christina Leibundgut und Lukas Gruntz
Aktion:
Wir zahlen Deinen SIA-Beitrag!
Die SIA-Arbeitsgruppe Arbeitsbedingungen soll keine exklusive Sache sein, deshalb zahlt Architektur Basel allen Neumitgliedern ab Mai 2026, die Arbeitnehmer:innen sind und sich in der Arbeitsgruppe engagieren, im ersten Jahr den SIA-Mitgliederbeitrag. Melde Dich bei Interesse per Mail an email hidden; JavaScript is required