Literatur 19.08.26

Lesetipp fürs Freibad: Von Riehen bis Lugano – fünfzig Bäder für die Hosentasche

Wenn es in der eigenen Wohnung zu heiss wird, hilft meist nur noch ein Sprung ins kühle Nass; mit Wickelfisch im Rhein oder mit Strandtuch und Sonnenbrille ins Freibad. Wir sind auf dem Weg ins Gartenbad Eglisee. Das Drehkreuz piept im Sekundentakt; ein beliebtes Ziel bei über dreissig Grad. Und das seit 1930. Jedenfalls in der heutigen Form. Erbaut von Julius Maurizio und Beda Hefti, geht es zurück auf das frühere «Luft- und Sonnenbad Egliseeholz» aus dem Jahr 1911.

Die dreieckige Rasenfläche hinter den zwei symmetrisch angeordneten Schwimmbecken bietet viel Platz. Wer nicht gerade Abkühlung im Wasser sucht, findet dort Schatten unter den hohen Bäumen. Im Gepäck habe ich neben meiner Badehose etwas Lesestoff aus dem Hause Heimatschutz: «Die schönsten Bäder». Klein und handlich im Format passt es in jede Strandtasche. Etwas Text und zwei Abbildungen pro Bad. Pläne gibts keine, brauchen wir aber auch nicht. Ich mache es mir gemütlich und lese «die konsequente Schmucklosigkeit der Fassaden sind eindeutige Zeugen des Neuen Bauens und der 1930er-Jahre und machen das Eglisee aus.»

Kurz und bündig. So muss das sein für Lesestoff im Freibad!

Im kleinen Büechli sind auch das mehrfach um- und angebaute Rheinbad Breite aus dem Jahr 1898, letztmals 2023 von Baumann Lukas erweitert, das Gartenbad Bachgraben aus der Feder von Otto und Walter Senn sowie Heinz Hossdorf von 1962 und das mit Jahrgang 2014 etwas jüngere Naturbad Riehen von Herzog & de Meuron.

Neben den Bäderportraits finden wir kurze Hintergrundtexte. Die geschichtlichen Kurzabrisse ordnen die einzelnen, über die ganze Schweiz verstreuten Frei- und Flussbäder architekturhistorisch ein. Dass wir überhaupt im Rhein baden können, ist eine direkte Folge des Gewässerschutzartikels von 1953 auf Verfassungsebene. Phosphathaltige Waschmittel und fehlende Kläranlagen verbannten badefreudige landeinwärts. Viele Bäder aus dieser Zeit entstanden denn auch abseits von Gewässern. In bautechnischer Hinsicht war es dank Stahlbeton auch erstmals möglich, künstliche Becken zu erstellen.

Der Name Beda Hefti taucht immer wieder auf. Er war beim Bau von 15 Freibädern in der Schweiz involviert.

Im Verlauf des Nachmittags wandert der Schatten der hohen Bäume. Und mit ihm die Badegäste im Eglisee. Ich blättere weiter und komme am 1931 erbauten Panorama-Schwimmbad Gruebi in Adelboden vorbei, am Schwimmbad Grenchen aus dem Jahr 1956 oder aber am Bödelibad in Interlaken von 1930. Dabei fällt ein Name immer wieder: Beda Hefti. Das Büechli meint: «Wer sich mit Schweizer Schwimmbäder beschäftigt, kommt an Beda Hefti (1897-1981) nicht vorbei. Der vielseitige Ingenieur wirkte am Bau von insgesamt 15 Freibädern mit...» Hefti beschäftige sich insbesondere mit den uns heute vertrauten Bauweisen von Becken, Überläufen oder Umkleiden. Er widmete sich vor allem dem Baustoff Beton und den Möglichkeiten, damit filigran wirkende Bauteile zu gestalten. Doch war es nicht nur die Konstruktion selbst, die ihn interessierte. Er widmete sich der topographischen Einbettung seiner Bäder ebenso wie der farblichen Gestaltung.

Inzwischen bin ich beim Lido di Ascona aus dem Jahr 1987 und dem Lido di Lugano von 1928 angekommen. Ganze fünfzig Bäder portraitiert das Büechli. Nun aber, aller Lesefreuden zum Trotz: Unter die Dusche und ab ins Wasser!

Text: Simon Heiniger / Architektur Basel


Die schönsten Bäder
3. vollständig überarbeitete Auflage
128 Seiten, farbig bebildert
Format A6
Zweisprachig Deutsch und Französisch
ISBN: 978-3-907209-18-9
www.heimatschutz.ch
CHF 20.- (für Heimatschutzmitglieder 15.-)