Politik
21.05.25
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Mehr offene Wettbewerbe! Das fordert Vorstoss im Grossen Rat
Offene Wettbewerbe sind in Basel ein rares Gut. Vor drei Jahren wurden sie im Stadtkanton zuletzt ausgeschrieben. Das ist insbesondere für junge Büros keine einfache Situation: Sie können sich nicht über Wettbewerbsbeiträge beweisen – und damit in den Diskurs einbringen. Das soll sich ändern. Zumindest wenn es nach Grossrätin Salome Bessenich geht. Sie fordert in einem Vorstoss von der Regierung, dass «in Basel wieder vermehrt offene Wettbewerbe durchgeführt werden.»
Offener Ideenwettbewerb für das Baufeld B am Walkeweg © walkewalke.ch
«Dringend gesucht: Offene Wettbewerbe in Basel» titeln wir vor einem Jahr. Die Durststrecke hält weiter an. Inzwischen sind es drei Jahre. Wer denkt, dass der offene Wettbewerb in der Architekturstadt zum guten Ton gehört, liegt leider falsch. Das soll sich ändern. Ein Anzug im Grossen Rat fordert von der Regierung entsprechende Lösungsvorschläge. Sie solle prüfen, «wie in Basel wieder vermehrt offene Wettbewerbe durchgeführt werden könnten.» Eingereicht hat den Vorstoss Grossrätin Salome Bessenich. Sie schreibt darin: «Die Anzahl offener Architekturwettbewerbe in Basel ist rückläufig, seit rund drei Jahren wurden vom Kanton nur noch selektive Verfahren mit Präqualifikation ausgeschrieben. Für die Präqualifikation muss nachgewiesen werden, dass ein Architekturbüro bereits ein oder gar mehrere vergleichbare Projekte umgesetzt hat.» Die Präqualifikation ist gerade für junge Büros ohne Referenzen eine Hürde, die nur schwer zu überwinden ist. «Letztlich sollte die Qualität der architektonischen Arbeit entscheidend sein: Nur weil ein Büro bereits ein ähnliches Projekt ausgeführt hat, heisst nicht, dass dieses Büro auch für eine andere Situation den besten Lösungsvorschlag erarbeiten wird.»
«Der Vorteil des offenen Wettbewerbs ist offensichtlich: Er ist maximal niederschwellig. Jede und jeder kann einen Vorschlag einreichen. Die beste Idee gewinnt.»
Aber auch bei den Planerausschreibungen, die bei Umbauvorhaben normalerweise zum Zug kommen, sieht Bessenich Verbesserungspotential. Als Zuschlagskriterium muss dort normalerweise die Erfahrung eines vergleichbaren Projekts nachgewiesen werden. Das ist für ein junges Büro schwierig bis unmöglich. Ausserdem besteht keine Fachjury, die einen vertieften architektonischen Diskurs zulassen würde – geschweige denn ein Jurybericht, in dem man die inhaltliche Auseinandersetzung nachvollziehen kann. In Zeiten, in denen der Kanton aktiv das klimagerechte Bauen propagiert, ist es befremdlich, dass für Umbauten keine Wettbewerbe ausgeschrieben werden. Das soll sich ändern. Der Vorstoss fordert von der Regierung, dass «auch bei selektiven Verfahren, insbesondere bei Planerwahlverfahren, die Teilnahme von jungen Architekturbüros sichergestellt werden kann». Ausserdem soll geprüft werden, wie auch bei «Umbauvorhaben vermehrt auf Varianzverfahren gesetzt werden könnte.»
Offener Ideenwettbewerb für das Baufeld B am Walkeweg © walkewalke.ch
Braucht es in Basel mehr offene Wettbewerbe? Die Meinung dazu ist in unserer Community eindeutig. In einer Instagram-Umfrage sprachen sich satte 93% dafür aus. Es ist für viele unverständlich, weshalb man am Rheinknie die Qualitäten des offenen Wettbewerbs nicht erkennt. Bessenich bringt es treffend auf den Punkt: «Der Vorteil des offenen Wettbewerbs ist offensichtlich: Er ist maximal niederschwellig. Jede und jeder kann einen Vorschlag einreichen. Die beste Idee gewinnt.»
Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel