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Offener Brief von Barbara Buser und Irene Wigger zum Abbruch „Haus der Ingenieure“
© Flubacher Nyfeler Partner Architekten
Vor zwei Jahren wurde ein Ersatzneubau an der Ecke Hochstrasse/Zwingerstrasse publiziert. Wie kann es passieren, dass kein Aufschrei durchs Quartier ging, wenn ein erst 40-jähriges Haus abgerissen werden soll?Liegt es am Wort «Ersatzneubau» – wer realisiert denn schon, dass es um Abbruch und Neubau geht?
Wir müssen uns selber an der Nase nehmen, dass wir die Einsprachefrist gegen den Ersatzneubau schlicht und einfach verpasst haben. Vielleicht, weil wir uns gar nicht vorstellen konnten, dass ein so neues Gebäude einfach abgerissen werden soll? Die Visualisierungen zeigen im Strassenbild, dass das neue Gebäude gut in die nun fast vollständig neu gebaute Umgebung passt. Die Ausnutzung wird etwas höher sein, und es wird Wohnraum anstelle von Büros geschaffen. Aber muss dafür wirklich ein 40-jähriges, gut erhaltenes, qualitativ hochstehendes Gebäude abgerissen werden? Die benachbarten Gebäude an der Hochstrasse 31 vis-à-vis und an der Zwingerstrasse 25 im Anschluss an das Projekt zeigen, dass Bürobauten sehr wohl zu Wohnraum umgenutzt werden können.Warum sind wir denn so fassungslos?
Kann es sein, dass angesichts des Klimawandels heute noch rund 1300 Tonnen Bauabfall mit den entsprechenden CO2 Emissionen in Kauf genommen werden? Diese 1300 Tonnen entsprechen mindestens 470 Grossmulden, die per LKW durchs Wohnquartier transportiert werden, und entsprechend vielen Tonnen CO2 an grauer Energie. Eine Ertüchtigung des Gebäudes oder eine Weiternutzung wenigstens des Rohbaus würde ein Drittel weniger Abfall verursachen und ebenso viele CO2 Emissionen einsparen! Dies wurde offenbar verworfen, bzw. als nicht wirtschaftlich beurteilt.
Wir fragen uns deshalb, ob wenigstens die Wiederverwendung geeigneter Bauteile erwogen wurde?
- Fenster, die den geltenden Vorschriften nicht mehr entsprechen, können ertüchtigt oder in die Ukraine geschickt werden (> Verein Re-Win)
- Die Sichtbacksteinfassaden können in grosse Teile geschnitten und wieder als Fassadenelemente oder Gartenplatten verwendet werden (> Lendager Kopenhagen, Resource Rows)
- Die Betondecken können ebenfalls geschnitten und wiederverwendet statt gebrochen und rezykliert werden
Was können wir tun, dass das nicht mehr passiert?
Um die Klimaziele 2037 der Stadt Basel zu erreichen, müssen weitere Abbrüche von intakten Gebäuden gestoppt werden. Kann das Baudepartement Abbruchbewilligungen aufgrund der Klimaziele verweigern oder an Bedingungen knüpfen? Z.B. an eine CO2 Abgabe? Eine CO2 Bilanz mit Berücksichtigung der grauen Energie verlangen?
Nachhaltig planen und bauen...
«Für uns bedeutet dies nicht nur, dass wir in der Pflicht stehen, unsere Zukunft ökologisch zu gestalten, sondern auch, dass wir die Möglichkeit haben, tatsächlich etwas zu bewirken». Das ist die Ansage von Peter Becker auf der Webseite der verantwortlichen Flubacher Nyfeler Partner Architekten AG. Wir fragen uns, wie die Architekten den Abbruch dieser voll funktionsfähigen Gebäude mit ihrer deklarierten Überzeugung vereinbaren können?
Nachdenklich und in Sorge
Barbara Buser und Irene Wigger klimabewusste Architektinnen und Quartierbewohnerinnen
© Flubacher Nyfeler Partner Architekten