Präsident des Denkmalrats zum geplanten Roche-Abbruch: „Eine einvernehmliche Lösung wird angestrebt“

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Der Antrag des Denkmalrats, drei Bauten auf dem Südareal der Roche unter Schutz zu stellen, hat in Basel Aufhorchen lassen. Das Gremium widerspricht damit offenkundig den Plänen der Roche, die eine grossflächige Neubebauung zwischen Grenzacherstrasse und Rheinpromenade vorsieht. Gemäss dem von Herzog & de Meuron erarbeiteten Bebauungsplan würden zwei Bauten von Rudolf Salvisberg und Roland Rohn abgebrochen, welche nach Ansicht des Denkmalrats „besonders schutzwürdig“ sind – und demnach erhalten bleiben sollen. Woher dieser Widerspruch? War das Vorgehen mit der Roche abgesprochen? Wir haben mit dem Präsidenten des Denkmalrats, Dr. Eugen Krieger, über das beantragte Unterschutzstellungsverfahren gesprochen.

Rheinfassade der Roche anfangs 1980 © Bärtschi, Hans-Peter

Architektur Basel: Welche Bedeutung haben die Bauten der Roche für die Basler Baukultur? Der Denkmalrat beantragt die Unterschutzstellung dreier Bauten auf dem Südareal der Roche. Inwiefern sind diese Bauten besonders schutzwürdig?

Eugen Krieger: „Im Rahmen der Erarbeitung des neuen Bebauungsplans für das Areal Roche Süd hat der Denkmalrat in zwei Sitzungen im Oktober und November 2019 die Schutzwürdigkeit der inventarisierten Bauten beurteilt. Nach eingehender Beratung auf Grundlage von architektonischen Gutachten und einer Besichtigung vor Ort beantragt der Denkmalrat beim Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements die Einleitung von Unterschutzstellungsverfahren für drei Bauten von Otto Rudolf Salvisberg und Roland Rohn.“

Arealentwicklung 1947 bis 2000 © Alois Diethelm

Dem vorgeschlagene Bebauungsplan von Herzog & de Meuron würde der Laborbau von Salvisberg am Solitude Park und das Hochhaus von Roland Rohn zum Opfer fallen. Inwiefern wurde die Denkmalpflege und der Denkmalrat in die Erarbeitung der Pläne der Roche eingebunden?

„Denkmalpflege und Denkmalrat waren in den vergangenen Monaten im direkten Gespräch mit den Standortverantwortlichen von Roche inklusive Begehungen der Objekte und Präsentation der Roche-Bauvorhaben.“

Bebauungsplan © F. Hoffmann-La Roche Ltd

Das Direktionsgebäude von Salvisberg, der Roche Bau 21, ist – in Fachkreisen unbestritten – eines der herausragendsten Bauwerke seiner Zeit in Basel. Weshalb wurde es nicht längst unter Denkmalschutz gestellt?

„Unterschutzstellungsverfahren werden in der Regel nur auf Antrag des Eigentümers, oder wenn das betroffene Objekt in seiner schutzwürdigen Substanz, beispielsweise bei Abbruchbegehren, bedroht ist, durchgeführt.“

Aus der Vogelperspektive © F. Hoffmann-La Roche Ltd

Wie sieht nun der weitere Prozess bis zu einer allfälligen Unterschutzstellung aus? Und: Wer hat dabei das letzte Wort?

„Der Denkmalrat wird dem Vorsteher des Bau- und Vekehrsdepartements beantragen, die Denkmalpflege mit der Einleitung des Unterschutzstellungsverfahrens zu beauftragen. Für den Fall, dass diese den Auftrag erhält, wird sie die Gespräche mit Roche fortsetzen und gemäss Denkmalschutzgesetz prioritär eine einvernehmliche Lösung anstreben. Abschliessend entscheidet der Regierungsrat unter Abwägung und Einbezug aller öffentlichen und privaten Interessen.“


Unterschutzstellungsverfahren:
Um diese drei Bauten der Roche geht es

„Die drei Bauten verkörpern Schweizer Architektur auf höchstem Niveau, haben Architekturgeschichte geschrieben und internationale Ausstrahlung. Die Kantonale Denkmalpflege ist betreffend der Frage ihrer Erhaltung mit Roche im Gespräch.“

Verwaltungsgebäude, Roche Bau 21
1935/36, Otto Rudolf Salvisberg © Architektur Basel

01 Verwaltungsgebäude, Roche Bau 21, 1935/36, Otto Rudolf Salvisberg
Otto Rudolf Salvisberg (1882–1940), einer der bedeutendsten Schweizer Architekten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, hat den Qualitätsmassstab gesetzt für die einheitliche und repräsentative architektonische Erscheinung der Hoffmann La Roche. Das von ihm geschaffene Verwaltungsgebäude ist bis heute innen wie aussen in der ursprünglichen Gestaltung erhalten geblieben. Es ist mit der zeitgenössischen Kunst am Bau (u.a. von Niklaus Stoecklin) ein Gesamtkunstwerk erster Güte, das schon damals der Bedeutung der Hoffmann La Roche als Weltkonzern Rechnung trug.

Roche Bau 27 © Architektur Basel

02 Betriebsgebäude, Roche Bau 27, 1936/37, Otto Rudolf Salvisberg; ab 1951 Erweiterung durch Roland Rohn
Der Bau gilt als bedeutendes Zeugnis der Schweizer Industriearchitektur in der Formensprache des Neuen Bauens. Das von Roland Rohn (1905–1971) erweiterte Bauwerk verkörpert idealtypisch die für Roche geschaffene architektonische Corporate Identity wie sie von Herzog & de Meuron wieder aufgegriffen wurde. 1953 hat Roland Rohn diesen Bau ganz im Sinne der Salvisbergschen Architektursprache nach Süden erweitert und den Abschluss des Roche-Areals zum Solitudepark geschaffen.

Roche Bau 52 © Architektur Basel

03 Bürohochhaus, Roche Bau 52, 1957–1960, Roland Rohn
„Das 62 Meter Hochhaus gehört zu den ersten Bauten in der Schweiz, die eine Vorhangfassade nach dem Vorbild der amerikanischen Stahl- und Glasarchitektur aufweisen. Mit seinen gelungenen Proportionen, der elegant gestalteten Fassade und der repräsentativen Eingangshalle ist das Hochhaus für Basel über Jahrzehnte hinweg einer der einprägsamsten identitätsstiftenden Objekte der Roche gewesen. Das Hochhaus spielt bis heute in der Stadtsilhouette eine wichtige Rolle, indem es zwischen dem umgebenden Quartier und dem neuen himmelsstürmenden Hochhaus von Herzog & de Meuron vermittelt.“

Quelle: Denkmalrat November 2019

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