Treppenanlagen sind bei jüngere Generationen beliebt werden aber von älteren Personen vermieden. © Herzog & de Meuron
Run Basel, run! Volksinitative für eine tramfreie Innenstadt lanciert
Eine Volksinitiative will die Basler Talstadt umkrempeln: mehr Brunnen und Bäume statt Asphalt und Geleise, mehr Raum für Menschen und Begegnung und vor allem keine "Tramwand". An der Medienkonferenz wurde die spektakuläre Vision, sowie die nächsten politischen Schritte vorgestellt. Federführend sind altbekannte Gesichter: Herzog & de Meuron zusammen mit Moritz Suter.
Ohne Tram sind die Gestaltungsmöglichkeiten vom Barfüsserplatz der Zukunft vielfältig. © Herzog & de Meuron
„Es geht um uns alle. Das Projekt ist eine grosse nachhaltige Weichenstellung und Chance für unsere Stadt!“, erklärt Moritz Suter in seiner Einführung nicht ohne Pathos. Es ist ein regnerischer Montagmorgen. Leise aber stetig prasseln die Tropfen auf das runde Fenster. Dicht gedrängt sitzt die Medienschar unter dem Dach des Hotels Märthof. Ebenfalls anwesend sind Jacques Herzog und Pierre de Meuron. Begleitet werden die beiden von Sibel Arslan: "Kultur und Stadtentwicklung gehören untrennbar zusammen. Eine belebte, begrünte Innenstadt stärkt nicht nur die Aufenthaltsqualität, sondern auch den kreativen Puls Basels und die Vielfalt unserer Stadt", fasst die Basta!-Nationalrätin die Initiative zusammen.
© Architektur Basel
Jacques Herzog und Pierre de Meuron präsentieren anschliessend ausführlich ihre Vision einer umgestalteten Innenstadt: Sie soll grüner, sicherer und lebendiger werden. Und vor allem: frei von Trams. Die Ambitionen sind hoch. Zum Vergleich werden Projekte in Paris, Dijon oder Barcelona genannt. Die Talstadt erstickte an den dicht aneinander gereihten Trams, der "grünen Wand" und solle wieder atmen können. Der erhoffte Effekt: Das urbane Leben der Menschen, Geschäfte und Gastronomie könne sich besser entfalten. Kurz gesagt: mehr Raum für mehr Leben! "Unsere Initiative ist ein konkreter Plan – machbar, finanziell tragbar und innerhalb von wenigen Jahren umsetzbar. Wir wollen Basel zukunftsfähig machen, ohne seine Identität als Tramstadt zu verlieren", ergänzt Michael Hug, Präsident des Initiativkomitees, zusammen.
Auch am Marktplatz könnte ein Baumdach für mehr Aufenthaltsqualitäten sorgen. © Herzog & de Meuron
Die Volksinitiative ist ein Anstoss für eine Entlastung der Innenstadt und eine neue Tramlinienführung, wie sie auch im Rahmen der Tramnetzplanung 2030 bereits angedacht ist. Künftig sollen die Trams nicht mehr mitten durch die Innenstadt fahren, sondern über alternative Strecken ausserhalb des Stadtkerns – beispielsweise via Kohlenberg, Petersgraben und Schifflände oder über weitere Brücken – geleitet werden. Dabei entfällt einzig die Tramhaltestelle Marktplatz. Diese Umleitung ist technisch machbar, und die zusätzliche Fahrzeit ist nur minimal länger – bei gleichzeitig deutlich mehr Raum für Menschen und Stadtleben im Herzen von Basel. Zudem wird das Tramnetz dadurch wieder verlässlicher und steht auch bei Kundgebungen oder Veranstaltungen nicht einfach still.
Das heutige Tramnetz mit der Konzentration der Linien am Marktplatz. © Herzog & de Meuron
In Zukunft sollen die Tramlinien entflochten werden und über die neue Linie entlang des Petersgraben geführt werden. © Herzog & de Meuron
Italianità alla maniera di Basilea! Das versprechen die verführerischen Visualisierungen made at Rheinschanze. Es entstünden neue verkehrsfreie Aufenthaltszonen mit Bäumen, Brunnen und entsiegelten Flächen. Die Zufahrt bleibt geregelt für Rettungsdienste, Lieferverkehr und Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Für Velofahrende ist eine Veloeinstellhalle unter dem Barfüsserplatz vorgesehen, damit die Innenstadt komfortabel erreichbar bleibt. Auch für ältere Menschen: "Angedacht ist ein Shuttlebus für gehbeeinträchtigte Personen, Anwohnende und Gewerbebetriebe. In anderen Städten – etwa in Dijon (FR) – ist ein solches System bereits vorbildlich umgesetzt worden", schreiben die Initianten.
Verheissungvolle Visualisierung eines tramfreien Fischmärts © Herzog & de Meuron
Achtung Caps Lock! Der Name der Initiative "GO Basel GO!" ist unglücklich gewählt. Uninspirierter Marketingsprech. Er versprüht eher müde College Campus-Vibes anstatt leidenschaftliche Bebbi-Emotionen. Wie wäre es mit dem FCB-Klassiker "Uff los goht's los" gewesen? Die rotblauen Fans hätte man damit definitiv abgeholt. Dennoch: Inhaltlich hat die Vision genügend Substanz. Die romantischen Visualisierungen verführen – auch wenn darauf kaum ein älterer Mensch zu sehen ist. Jetzt beginnt die demokratische Knochenarbeit: Die Unterschriftensammlung für die Volksinitiative beginnt in Kürze. Die Basler Bevölkerung soll anschliessend an der Urne über die Zukunft der Innenstadt entscheiden. Es wird sich weisen, ob die direkte Demokratie den grossen Wurf ermöglicht. Was man in den Kommentarspalten liest, macht skeptisch. Es wird kein Selbstläufer. Deshalb: Run Basel, run!
Quelle: Medienmitteilung GO Basel GO!