Aktuelles 01.08.21
Schulhaus Breite, Allschwil © Börje Müller Fotografie

Schulhaus Breite, Allschwil © Börje Müller Fotografie

Schützenswertes Schulhaus von Rasser und Vadi vor Abbruch? Tabula rasa in Allschwil

In Allschwil steht ein baukulturell bedeutendes Schulhaus. Auch wir haben in unserer Serie zur "Baselbieter Baukultur" bereits über das Schulhaus Breite von Rasser und Vadi Architekten berichtet. Nun soll das gemäss Denkmalpflege "schützenswerte" Ensemble tatsächlich abgebrochen werden. Das wirft Fragen auf. Unser Redaktor Daniel Gass hat sich auf die Suche nach Antworten - und damit zurück in seine Schulzeit begeben.

Wenn man als 13-Jähriger eine Schule besucht, steht wahrscheinlich nicht die Architektur im Mittelpunkt der eigenen Wahrnehmung. So auch in meinem Fall, als Sekundarschüler im Breite Schulhaus der Architekten Max Rasser und Tibère Vadi in Allschwil. Erst heute, fünfzehn Jahre nach meiner obligatorischen Schulzeit, erwacht das Bewusstsein, dass eine Vielzahl positiver Erinnerungen an diese Schule eng mit der Architektur verknüpft sind. Zum einen waren da die besonders in den Pausen belebten, hellen Korridorbereiche des Hauptbaus, auf denen in Projektwochen auch gerne mal unterrichtet wurde oder der helle Musiksaal und die grosszügigen Schulküchen im Pavillonbau. Aber auch der im ersten Moment etwas trist wirkende Aussenraum wurde zu unserer Zeit gut angenommen. Die Aussenwand mit dem Mosaik an welcher bei jedem Wetter «Wand-Ab» gespielt wurde oder das Wasserbecken im Hof, das im Sommer zum Schauplatz diverser Wasserschlachten wurde, sind Beispiele für gut aneigenbare architektonische Elemente, die nicht immer einen speziellen Nutzen vorgeben müssen.

Spezialtrakt Schulhaus Breite, Allschwil © Architektur Basel

Nun aber sollen das Schulhaus Breite und das direkt daneben liegende Schulhaus Letten einem Neubau weichen. Mit der wachsenden Bevölkerungszahl in Allschwil, wird auch der Bedarf nach Schulraum stetig grösser. In einem Wettbewerbsverfahren sollen die beiden Schulhäuser neu gedacht - und gemäss Wettbewerbsprogramm abgebrochen werden. Dass vor allem das «Breite»-Schulhaus von Rasser & Vadi auch einen denkmalpflegerischen Wert hat, wird auch im Wettbewerbsprogramm festgehalten. Das Schulhaus Breite ist im Bauinventar des Kantons Basel-Landschaft inventarisiert und als kommunal schützenswert gekennzeichnet. Die unter Schutzstellung wurde von der Gemeinde Allschwil allerdings nie umgesetzt. In einer Stellungnahme von 2018 der Denkmalpflege gegenüber dem Hochbauamt spricht sich diese für den grösstmöglichen Erhalt des Bestandes aus. Im Rahmen der Machbarkeitsstudie im Vorfeld des Wettbewerbes kam man leider zu einem anderen Schluss. Der Erhalt des Gebäudes wird in einer "Substanzwertanalyse" als unwirtschaftlich eingeschätzt. So sind gemäss Wettbewerbsprogramm «sämtliche Handlungsoptionen unter den Gesichtspunkten einer betrieblich sinnvollen, architektonisch vertretbaren und wirtschaftlich und ökologisch nachhaltigen Lösung unverhältnismässig […]». Im Rahmen der Machbarkeitsstudie seien «sämtliche» Optionen zum Erhalt des Gebäudes geprüft worden.

"Ein Erhalt des Gebäudes wird als nicht wirtschaftlich betrachtet."

Mit diesem abschliessenden Satz zum Bestandsbau spricht man sich bereits im Wettbewerbsprogramm deutlich für den Abbruch des Schulhauses aus und begründet dies hauptsächlich mit den Kosten. Dabei wird zum einen das Interesse der Denkmalpflege komplett ausgeblendet, zum anderen stellen sich in der heutigen Zeit genauso ökologische Fragen. Angesichts der grauen Energie, die mit einem Rück- und Neubau einher geht, müsste eine derart flexible räumliche Struktur wie jene des Breite Schulhauses doch eigentlich das Potential mit sich bringen, weiter- oder auch umgenutzt zu werden? An dieser Stelle verpasst man durch eine deutliche Aussage zum präferierten Umgang mit dem Bestandsbau eine Chance auf unerwartete Lösungsansätze, die ein Wettbewerbsverfahren so oft mit sich bringt. So könnte man den Teilnehmenden Architekturbüros durchaus die Kompetenz einräumen, eine eigene Haltung zum Umgang mit dem Bestand zu entwickeln, um am Ende vielleicht doch abseits der konventionellen Lösungen einen Wettbewerbsbeitrag zu erhalten, der es schafft, Wirtschaftlichkeit und Erhalt unter einen Hut zu bringen.

Schulhaus Breite, Allschwil © Börje Müller Fotografie

Schulhaus Breite, Allschwil © Börje Müller Fotografie

"Aus wirtschaftlichen Gründen und der Vereinfachung des Planungsperimeters direkt und in dieser Deutlichkeit für einen Rückbau zu plädieren, nimmt dem Bestandsbau jegliche Chance auf ein zweites Leben. Dass an dieser Stelle tatsächlich «sämtliche» Optionen zum Erhalt des Breite Schulhauses bereits geprüft werden konnten, wage ich zu bezweifeln."

Ob eine Gesamtsanierung des Schulbaus unter den neuen Rahmenbedingungen die sinnvollste Lösung wäre, sei dahingestellt. Aus wirtschaftlichen Gründen und der Vereinfachung des Planungsperimeters direkt und in dieser Deutlichkeit für einen Rückbau zu plädieren, nimmt dem Bestandsbau jegliche Chance auf ein zweites Leben. Dass an dieser Stelle tatsächlich «sämtliche» Optionen zum Erhalt des Breite Schulhauses bereits geprüft werden konnten, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht bekommen wir am Ende aber doch noch den ein oder anderen mutigeren Beitrag aus dem Wettbewerb zu sehen, bei welchem der Bestandsbau weiterhin eine Rolle spielen darf. Es wäre zu wünschen. Der Abbruch wäre in jedem Fall die zweitbeste Lösung.

Text: Daniel Gass / Architektur Basel