© Nord Architekten
Schulhaus Breite in Muttenz: Blick auf alle rangierten Projekte von Brandenberger Kloter über Nord bis Schriber Schiess
Muttenz wächst – und braucht mehr Schulraum. Die Erweiterung des Bestands ist dabei eine probate Entwicklungsstrategie. So soll auch das altehrwürdige Schulhaus Breite durch weitere Klassenräume, eine zusätzliche Sporthalle und eine Tagesstruktur erweitert werden. Das Siegerprojekt «Momo und die wilden Kerle» von Brandenberger Kloter baut auf dem Bestand auf – und besticht «durch eine grosse Flexibilität». Der offene Wettbewerb offenbarte ein grosses Spektrum an Lösungsansätzen. In unserem heutigen Artikel blicken wir auf alle rangierten Projekte.
Zur Ausgangslage: Die Schulraumplanung der Gemeinde Muttenz sieht infolge der stark steigenden Schüler:innenzahlen vor, den Primarschulstandort Breite von zwei auf drei Klassenzüge zu erweitern und zusätzlich vier Kleinklassen sowie ein Angebot für die Tagesstruktur unterzubringen. Teil der neuen Gesamtanlage werden ausserdem zwei Turnhallen, eine Aula und eine Bibliothek sein. Das bestehende Schulhaus Breite wurde in den Jahren 1899/1900 erbaut und 2018/2019 um- und ausgebaut. Zur Evaluierung von verschiedenen Lösungsansätzen wurde ein Projektwettbewerb im offenen Verfahren durchgeführt. In der Jury sassen mit Ursula Hürzeler, Maya Scheibler, Luca Selva oder Christoph Gschwind allesamt bekannte Architekt:innen aus Basel. Es gingen insgesamt 30 Beiträge ein, die ein «grosses Lösungsspektrum» aufzeigten.
Perimeter Wettbewerb
«Besonders zu würdigen ist die vertiefte Auseinandersetzung der Teilnehmenden mit den Bestandsbauten», heisst es im Jurybericht. Die Frage nach dem Umgang mit den vorgefundenen Bauten wurde in ihrer ganzen Breite ausgelotet: Vom Erhalt aller Gebäude über die Sanierung und Erweiterung der Bauten bis zum Ersatz der Turnhalle, des Wohngebäudes und des «Blätterdachs» – e
inem Frühwerk von Christ & Gantenbein – durch Neubauten. «Interessant waren auch die vielfältigen Vorschläge zur Umnutzung des Bestandes. Die Anzahl Bauten zur Erweiterung des Schulhauses Breite variierte von einem Neubau bis zur Verteilung des Raumprogramms auf bis zu vier neuen Gebäuden. Grosse Unterschiede gab es auch im Umgang mit dem Freiraum, insbesondere mit der grossen Matte, die entweder komplett freigespielt oder in unterschiedlichem Mass überbaut wurde», fasst es der Jurybericht zusammen. Diese grosse Varianz an verschiedenen Lösungsansätzen sei für die Jury herausfordernd und inspirierend zugleich gewesen.
Das bestehende Schulhaus Breite © Architektur Basel
Zuoberst auf dem Podest landeten mit Brandenberger Kloter aus Basel ein bekannter, lokaler Name,
die sich im Schulhausbau bereits ausgezeichnet haben. Ihr radikaler Ansatz mit einem grossen, längsorientierten, zweigeschossigen Bau entlang der Friedhofsmauer hat die Jury besonders überzeugt: «Der Entwurf nutzt das Vorhandene und entwickelt es gekonnt zu einem neuen, zukunftsfähigen Ganzen weiter.» Auf dem zweiten Platz schafften es Nord Architekten aus Basel, die mit dem Schulhaus Gründen in Muttenz bereits ein kleines, typologisches Meisterwerk erschaffen haben. Ihr Vorschlag sah zwei Neubauten vor, die zusammen mit dem Bestand ein Ensemble bilden. Auf den weiteren Rängen landeten Teams aus Zürich, Zug und Wädenswil, die ebenfalls mehrheitlich Ensemble-Lösungen mit mehreren Bauten suchten, wobei die bestehende Turnhalle – die zum Abbruch freigegeben war – in allen Fällen erhalten wurde. Weiterbauen war auch in diesem Wettbewerb das Credo.
«Der Architekturwettbewerb hat sich einmal mehr als probates Instrument zur Evaluierung von Lösungsansätzen für komplexe Bauaufgaben bewährt», liest man im Jurybericht. Dem ist nichts anzufügen. Gerne präsentieren wir euch alle sechs prämierten Projekte. Die nachfolgenden Projektbeschriebe stammen aus dem Jurybericht.
1. Rang/1. Preis
Momo und die wilden Kerle
Brandenberger Kloter Architekten AG, Basel
FreiRaum GartenLandschaften GmbH, Küttingen
© Brandenberger Kloter Architekten
Das Projekt «Momo und die wilden Kerle» ergänzt die bestehende Schulanlage mit einem flachen, zweigeschossigen Neubau, der sich in Nord-Süd-Richtung entlang der Friedhofsmauer erstreckt. Das Gebäude nutzt die zum Friedhof hin abfallende Topographie und fügt sich nahtlos in das bestehende Ensemble zwischen Friedhofsmauer und alter Turnhalle ein. Das historische Schulgebäude bleibt höchster Baukörper und prominenter Auftakt des Schulareals; der Neubau bildet den ergänzenden horizontalen räumlichen Abschluss im rückwärtigen Bereich. Das Wohngebäude Schulstrasse bleibt ebenfalls erhalten und wird durch einen langgestreckten Anbau für die Tagesstruktur (Schulergänzen- de Betreuung) ergänzt. Die Wegachsen aus der Verlängerung der östlichen und nördlichen Kanten des Pausenplatzes ergeben das schlichte Grundgerüst zur übersichtlichen Organisation der Freiräume. So entsteht eine gut erfassbare, innere Erschliessung des Schulareals. Die vorhandenen Zugänge im Westen und Norden werden beibehalten. Einzig ab Breitenmattweg erfolgt dieser neu mittels zwei Eingängen über einen platzartigen Bereich. Anschliessend erfolgt der Zugang über die vorhandene Friedhofszufahrt. Dies ist funktional nicht ideal und erschwert die Orientierung.
© Brandenberger Kloter Architekten
Am Schnittpunkt der Wegachsen sitzt südlich der Pausenplatz, nördlich positionieren sich die «Kinder-Villa» mit Garten und die grüne Erlebnis- und Bewegungswelt, getrennt durch die Erschliessung zum Kindergarten und zur Rössligasse. Die beiden Bestandsbauten Schulhaus und Turnhalle bilden mit dem Neubau einen hofartigen, zurückhaltend ausgestatteten Pausenplatz. Dabei wer- den Teile des «Blätterdachs» als Re-Use zu Sitzgelegenheiten umfunktioniert.
© Brandenberger Kloter Architekten
Der bestehende Asphaltbelag wird grösstenteils durch einen Belag aus sickerfähigen Fugen-Betonsteinen ersetzt. Die gesamthaft geforderten Stellplätze für Velos, Kick- und Skateboards sind fast vollständig am Rand zur Schulstrasse und dem Friedhofweg, zum Teil im empfindlichen Wurzelbereich der Bestandsbäume, angeordnet. In der Lernlandschaft und Erlebniswelt sind alle entsprechenden Nutzungsangebote untergebracht wie Spielwiese, Allwetterplatz, öffentlicher Spielplatz, Kindergarten-Spielplatz, Schwingerfreiplatz sowie Kleinbauten wie Lernpavillon und Aussengeräteraum. Der Verortung der Angebote und Kleinbauten sowie der Integration des Kindergartens in diesen Bereich fehlt die Selbstverständlichkeit, die das Gesamtkonzept auf- weist. Die Topographie wird jeweils geschickt mit langen Rampen, durch Abtreppung im Bereich des Lernpavillons oder der richtigen Positionierung des Zugangs zur «KinderVilla» bewältigt. Hingegen ist die Anlieferung der Küche noch nicht gelöst. Gesamthaft betrachtet entsteht ein dicht bespielter, abwechslungsreicher Grünraum, angrenzend an die zwar weitläufige aber eintönige Spiel- wiese.
© Brandenberger Kloter Architekten
Durch die vorgeschlagene Setzung entlang der Friedhofmauer bei gleichzeitigem Erhalt der bestehenden Bauten entsteht eine klare und überraschend offene Gesamtanlage. Die grossen zusammenhängenden Freiflächen bleiben bestehen und die Neubauten nutzen insbesondere die Randbereiche und Grenzabstände optimal aus. Volumetrisch nimmt der neue Schulhaustrakt das Satteldach der Turnhalle auf und ergänzt es durch zwei weitere Raumvolumina, die von parallel angeordneten Satteldächern überspannt werden. Im Hofbereich befinden sich die zentrale Eingangshalle und der seitlich angefügte Lehrerbereich, zur Friedhofs- mauer hin die beiden neuen, längs angeordneten Sporthallen. Die alte Turnhalle wird in das Gesamtkonzept integriert und zukünftig als Aula und für den Musik- und Zeichenunterricht genutzt. Im Zusammenspiel mit der Eingangshalle und dem zwischen Aula und Turnhalle angeordneten Atrium verspricht diese Grundrisskonstellation vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Durch die Anordnung aller Klassenzimmer auf einer Ebene entsteht im ersten Obergeschoss eine räumlich vielversprechende, in der Nutzung flexible und pädagogisch variable Lernlandschaft.
© Brandenberger Kloter Architekten
Die Lernwelt ist geprägt von einem offenen Dachraum mit einem exponierten Holzfachwerk, welches gleichzeitig auch zur Abhängung der Decke über der Turnhalle genutzt wird. Die additive Anordnung der verschiedenen Unterrichtsräume schafft eine gute Übersicht und ermöglicht die Gruppierung der verschiedenen Raumtypen zu Clustern für zwei oder mehr Klassenverbände. Die flächige, horizontale Gliederung schafft vielfältige Sichtbezüge und fördert den Austausch und das Gemeinschaftsgefühl. Die Trennung von Struktur und raumbildenden Wänden führt zu einer baulichen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an zukünftige Nutzerbedürfnisse. Alle Trennwände können transparent, opak oder als Einbauten ausgeführt werden und alle Räume können über Oberlichtbänder belichtet und belüftet wer- den.
© Brandenberger Kloter Architekten
Der Neubau ordnet sich volumetrisch und vom architektonischen Ausdruck dem Bestand unter, bleibt aber in seiner Ausformulierung noch etwas schematisch. Die konstruktive und gestalterische Absicht wird nicht erläutert und die Materialisierung in glatten Aluminiumpaneelen wirkt im vorliegenden Kontext wenig überzeugend. Wünschenswert wären eine stärkere Gliederung und Hierarchisierung der Fassade aus der konstruktiven Logik heraus und im Dialog mit dem unmittelbaren baulichen Kontext. Die Lernlandschaft bietet durch ihre andersartige Typologie eine ideale Ergänzung zum Bestand. Sowohl die Aula als auch die Turnhallen sind von aussen gut zugänglich und können extern genutzt werden. Im Bereich der Erschliessungsflächen wirken die Treppen und Verteilkorridore teilweise beengt.
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Das Projekt «Momo und die wilden Kerle» ist ein städtebaulich sehr klarer und bestechend einfacher Vorschlag, der wesentlich zum Erhalt der bestehenden Gebäude und Freiräume beiträgt. Die Hierarchisierung der Baukörper und Freiräume überzeugt dabei ebenso wie die vielfältige und flexible Lernwelt im Inneren. Der Entwurf nutzt das Vorhandene und entwickelt es gekonnt zu einem neuen, zukunftsfähigen Ganzen weiter.
2. Rang/2. Preis
De Pfnüsi und sis Krokodil
Nord Architekten, Basel
Gohl Landschaftsarchitektur GmbH, Basel
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Die Schulanlage wird mittels zwei präzis gesetzter Baukörper unterschiedlichen Charakters erweitert. Durch die periphere Setzung der Neubauten anlog den Bestandsbauten entsteht ein grosszügiger Freiraum und gut vermittelbarer Pausenplatzbereich im Innern des Schulareals. Die «alte Turnhalle» und die grosse Buche weichen einem feingegliederten und höhengestaffelten neuen Schulbau. Das kompakte Unterrichtsgebäude mit Aula behält die geometrische Ausrichtung und Fassadenflucht seines Vorgängerbaus bei. Dies ermöglicht den unveränderten Erhalt der bestehenden Aussen- räume, einschliesslich des prägenden «Blätterdaches». Trotz der raffinierten Gliederung und dem geringen zusätzlichen Fussabdruck entsteht mit dem viergeschossigen Baukörper in Bezug zur Nähe zum Schulhaus sowie dem angrenzenden Friedhofsareal eine städtebaulich kritische Dichte für diesen Ort.
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Mit dem eingezogenen Portikus erhält der neue Klassentrakt eine im Areal und in der Öffentlichkeit gut sicht- bare Adresse und eine gute betriebliche «Nähe» zum Altbau. Die Vorteile des Ersatzbaus überwiegen, die entstehenden Nachteile hinsichtlich der Grauenergiebilanz sowie dem emotionalen Verlust der Identitätsstiftenden, historischen Turnhalle durch deren Abbruch. Mit der Erweiterung der Aussenräume entsteht eine zentrale Mitte des Schulareals. Der Pausenplatzbereich um die Schul- bauten ist klar zoniert, weist jedoch einen hohen Versiegelungsgrad auf. Das begrenzte Spielangebot sowie die sperrige Belegung der nordwestlichen Pausenplatzecke durch den grossen Velo- und Kickboard-Standort wird kritisch hinterfragt. In der nördlichen Arealhälfte dominieren organische Formen mit fliessenden Übergängen. Bis auf die befestigten Erschliessungswege sind alle Flächen unversiegelt und mehrheitlich bepflanzt womit eine Nähe zu den angrenzenden durchgrünten und heterogen bebaute Wohnzonen entsteht. Naturnah geprägt wechseln kleinräumig dichtbepflanzte, schattige Bereiche in offene, weite Spielwiesenflächen. Das Potential der Aneignungsmöglichkeiten scheinen hier deutlich höher als im Pausenplatzbereich zu sein.
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Durch die Setzung des zweiten neuen Bauvolumens für Sport und Betreuung entsteht eine Entflechtung zwischen Schule und den bewegungsorientierten Nutzungen. Zum Scheibenmattweg erhält das Areal nebst den bestehenden Zugängen an der Schulstrasse & Rössligasse eine dritte Adresse im Quartier. Das nach Osten angedockte eingeschossige Pultdachvolumen für die Betreuung mit dem vorgelagerten Aussenraum gibt dem Areal ein präsentes Gesicht zum Quartier. Die ein- geschossig versenkte Sporthalle, wird mit einem nach Norden orientierenden Sheddach überspannt. Das Gebäude mit stattlichem Fussabdruck schafft durch seine geschickte Gliederung der Dachlandschaft eine gute Einbettung in den bestehenden, gebauten Kontext.
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Durch die Grundrissorganisation entstehen Nutzungssynergien wie beispielsweise die Mitbenutzung der Gastroküche, wenn Veranstaltungen in der Sporthalle stattfinden. Die für die Tagesstruktur vorgeschlagene räumliche Trennung der im Erdgeschoss angeordneten Aufenthalts- und Essbereiche und den im Obergeschoss situierten Spiel- und Ruheräume erscheint her- ausfordernd und betrieblich nicht optimal. Das nach Süden ausladende Dach bildet eine gedeckte Verbindung zum Schulareal und verortet den Eingang für Sport und Betreuung überzeugend. Dem Gebäude gelingt es durch die unterschiedliche Raumhöhe und Dachgeometrie identitätsstiftende Innen- und Aussenräume zu schaffen. In der Umgebung wird das städtebauliche Konzept der zwei Welten konsequent weitergeführt und macht den gewünschten Ortswechsel glaubhaft. Nicht optimal ist die Vermengung der Friedhofszufahrt mit dem parallel verlaufenden Weg. Die Anlieferung zur Küche ist gut gelöst.
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Das bestehende Gebäude nördlich des «alten Schulhauses» wird unverändert als Wohnhaus beibehalten und sichert einen möglichweise späteren weiteren Schularealausbau. Das typologische Rückgrat des Schulgebäudes bildet die, zwischen zwei länglichen Kernen liegende, zweiläufige Treppenanlage, welche den Grundriss in zwei halbgeschossig höhenversetzte, L-förmige Raumcluster gliedert. Diese Erschliessung führt zu einer altersgerechten Raumgliederung, und ermöglicht attraktive Bewegungsräume mit reichen Blickbezügen. Die geforderten Fluchtwege, werden durch vier brandfall- gesteuerte Türabschlüsse pro Geschoss erreicht, was die Minimierung von nicht für den Unterricht nutzbaren Erschliessungsflächen ermöglicht.
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Es entstehen mit ergänzenden seitlichen Differenztreppen kommunikative Erschliessungsräume, mit zusätzlich möblierbaren «Schulforen» für den Unterricht. Pro Halbgeschoss werden in der Regel zwei Klassenzimmer mit zugeordnetem Gruppenraum und zwei Halbklassen zu einem Cluster zusammengefasst. Die faszinierende altersspezifische Grundtypologie müsste hinsichtlich der vorgeschlagenen Anordnung der Halbklassenräume und Garderoben eine Weiterentwicklung erfahren. Ihre Verortung im Bezug zur Treppenerschliessung untergräbt die beabsichtigte Schaffung von intimeren zugeordnete Klassenzonen sowie öffentliche Bereiche, welche vom Schulkollektiv genutzt werden. Die indirekte Belichtung der Garderobenräume lassen eine geringe natürliche Belichtung und eingeschränkte Aufenthaltsqualität erwarten. Zudem fehlen Ihnen ein räumlicher direkter Bezug zu den Klassenzimmern.
© Nord Architekten
Die attraktive spezifische Raumgliederung mittels Splitt-Level und die vorgeschlagene Tragstruktur führt zu einer eingeschränkten Wandelbarkeit hinsichtlich sich ändernde Raumbedürfnisse der Pädagogik. Der Lehrpersonenbereich befindet sich im obersten Halbgeschoss mit einer kleinen zugeordneten Dachterrasse. Im Erd- und Sockelgeschoss werden die ergänzenden Unterrichtsräume platziert. Die Anordnung der Aula mit Bezug zur Öffentlichkeit ist plausibel. Sie kann unabhängig vom Schulbetrieb von Dritten genutzt werden. Der direkte räumliche Bezug der Aula zum Foyer wird durch die Haupterschliessung beeinträchtigt.
© Nord Architekten
Der Beitrag weist im Vergleich zu den anderen prämierten Projekten eine grosse Geschossfläche und ein grosses Gebäudevolumen auf. Dies spiegelt sich auch in den höheren Erstellungskosten wider. Aus der gewählten Materialisierung und aus der Logik der Typologie entwickelte Konstruktionsweise entstehen zwei charakteristische fein entwickelte Bauten, welche das Gesamtareal und das Quartier bereichern. Mit wenigen gezielten und präzisen Eingriffen in die Bestandsanlage gelingt es den Verfassenden auf gekonnte Weise die vielfältigen Anforderungen an das Areal für Schule und Öffentlichkeit zu einem überzeugenden «Ensemble» zu formen.
3. Rang/3. Preis
zukuri
Uster AG Planer Architekten, Wädenswil
Urs Sutter GmbH & Giardino Emozione GmbH, Tuggen (SZ)
© Uster AG Planer Architekten
Der Entwurf schlägt vor, die bestehende Turnhalle zu erhalten und entlang der Nord-Süd Areal-Achse, das Schulensemble mit zwei Neubauten zu ergänzen. Der Neubau entlang der Schulstrasse, wird mit gemeinschaftlichen Nutzungen wie Tagesstruktur, Bibliothek etc. bespielt. Der zweite Neubau mit seiner eher quadratischen Grundfläche, liegt diesem gegenüber und beherbergt alle Schulnutzungen, die Lehrerzimmer, ein Foyer im Erdgeschoss, die zur Hälfte im Untergeschoss liegende Turnhalle und deren Nebenräume. Die dahinterliegende Rasenfläche wird als mögliche Erweiterungszone beschrieben.
© Uster AG Planer Architekten
Die Neubauten werden alle über den zentral gelegenen Pausenplatz erschlossen, was das bestehende Zent- rum stärkt und die Erschliessung übersichtlich macht. Als zusätzliches Angebot wird auf dem Dach des Gemeinschaftshauses eine begehbare Terrasse mit dem gewünschten Aussenklassenzimmer vorgeschlagen. Eine Wendeltreppe verbindet das Dach mit der Pausenplatzebene, wobei die Dachterrasse leider nicht hindernisfrei erreicht werden kann, was unakzeptabel ist. Der Leitsatz zum Aussenraum lautet: «Das Landschaftsarchitekturkonzept ist ein Mosaik aus vielfältigen, identitätsstiftenden Einzelräumen». Entlang der Nord-Süd- Erschliessungsachse erstrecken sich die beiden Schulhöfe. Entsprechend dem Leitsatz werden zahlreiche, unterschiedlichste Aussenräume entwickelt, die hauptsächlich auf und um die beiden Schulhöfe verortet sind. Zusammen bilden diese eine markante Erweiterung der bestehenden Pausenplatzflächen. Dabei markiert die Ost-West- Erschliessungsachse den gegen Osten abnehmenden Höhenversatz zwischen diesen beiden Aussenräumen. Die Schnittstellen dieser Achsen bildet das neue Zentrum mit dem Schulneubau und der verbindenden Treppenanlage.
© Uster AG Planer Architekten
Auf den ersten Blick erscheint die Eingriffstiefe dieses Projektes sehr hoch. Der höher gelegene Pausenplatz mit den Bestandsbauten bleibt jedoch nahezu unverändert Teil des Projektes. Einzig ein neuer Workout Place und die Terrasse mit Permakultur auf dem Turnhallenanbau werden dem bestehenden Nutzungsangebot hin- zugefügt. Der nördliche Schulhof verbindet die beiden Neubauten sowie den Doppelkindergarten, wobei dieser subtil vom angrenzenden Pausenhof abgegrenzt werden soll. Ein Grossteil der aufgeführten, identitätsstiftenden Einzelräume befinden sich in diesem Bereich. Die öffentliche Spielfläche «Spiel des Lebens» liegt im Vorbereich des Kindergartens zur Rössligasse hin. «Cocoon» wird der geschützte Kindergarten-Aussenraum bezeichnet. Der «Hain des Bewusstseins» soll als Retentions- und Versickerungsfläche die Bedeutung von Regenwasser bewusst machen. Der zentrale «Platz des Verstehens» übernimmt analog einer Küche deren Funktion als zentralem Ort der Begegnung und des Austausches ein. Der Dachgarten auf dem Gemeinschaftshaus rundet das unterschiedliche Angebot ab. Der Zugang ab der Scheibenmattstrasse wird über die Friedhofszufahrt geführt. Dies erschwert die Orientierung und ist funktional nicht ideal. Die Anlieferung zur Küche ab Schulstrasse ist möglich. Die zentral angelegten Velo-Stellplätze nördlich des Schulneubaus sind nicht sinnvoll, da dies zu einem unerwünschten Fahrverkehr auf dem Schulareal führt.
© Uster AG Planer Architekten
Das ambitionierte Umgebungsprojekt zeichnet sich durch einen zweigeteilten, ausgedehnten Schulhof als begegnungs- und austauschförderndes Zentrum sowie über ein Mosaik aus vielfältigen, identitätsstiftenden Einzelräumen aus, deren Lage (Spiel an der Rössligasse) oder Erreichbarkeit (Dachgarten) aber problematisch oder einschränkend ist. Wegen der detaillierten Ausformulierung der Aussenräume weisen sie eine geringe Aneignungsmöglichkeit auf. Das neue Schulgebäude wird über ein seitliches Treppenhaus und einen überbreiten Mittelgang erschlossen. Diese Mittelzone ist in den oberen Geschossen jeweils stirnseitig mit Gruppenräumen belegt und wird über zwei Lichthöfe belichtet. Diese mittige Belichtung, reicht bis zur Decke der Turnhalle und versucht sie aufzuwerten. Der Mehrwert dieser aufwändigen Brandschutzverglasung ist fraglich, da die Halle bereits ausreichend dreiseitig über Fenstern belichtet wird. Die Klassenzimmer liegen jeweils in den Ecken der Obergeschosse und sind zweiseitig befenstert. Die Halbklassenzimmer liegen zwischen den Eckräumen und haben eher unvorteilhafte Proportionen.
Die Verfasser schlagen vor, das Gebäude über zwei verschiedene Wege zu erschliessen und sehen zusätzlich zum innenliegenden Treppenhaus, zwei Aussentreppen und umlaufende Laubengänge vor. Es fragt sich, inwiefern diese zusätzlichen Balkonschicht dem bereits tiefen Gebäudekörper schadet und ob die Laubenerschliessung für den Schulbetrieb alltagstauglich ist. Dienen die Laubengänge primär der Erschliessung oder gehören sie als fixes Bild zum gesuchten architektonischen Ausdruck? Die bestehende Turnhalle soll saniert und mit einem Wintergartenanbau ergänzt werden. In diesem Anbau befinden sich die Garderobenräume auf Turnhallenniveau und die Psychomotorik, wie auch eine weitere Terrassenfläche im ersten Obergeschoss.
© Uster AG Planer Architekten
Die Setzung der beiden Neubauten und der Umgang mit der bestehenden Gebäudesubstanz beweist eine hohe Sensibilität und einen sehr sorgfältigen Umgang mit dem Ort. Die Hierarchie der Bauten wird respektiert. Der Bestand wird gut eingebunden und die Neubauten präzise gesetzt. So wird auch übergeordnet der bestehende Kindergarten gut integriert, aber durch seine Anforderungen an den Aussenraum auch gut abgetrennt. In der konsequenten Haltung des zentralen Pausenplatzes, wird befragt, ob nicht auch die Haupterschliessung des bestehenden Schulhauses über diesen Platz erfolgen müsste.
Der Beitrag weist im Vergleich zu den anderen prämierten Projekten eine mittlere Geschossfläche und ein kleines Gebäudevolumen auf. Die Erstellungskosten liegen im Mittelfeld. Grundsätzlich zeigt der Entwurf auf verständliche und kluge Art, wie der Bestand weitergedacht werden kann. Er schlägt eine interessante städtebauliche Lösung vor, welcher es leider nicht gelingt, auch im Innern der Gebäude zu überzeugen, wo sich verschiedene räumliche und betriebliche Mängel offenbaren. Die Mittelzone wird von den beiden Lichthöfen verstellt und die stirnseitigen Gruppenräume, entsprechen nicht der beabsichtigten räumlichen Qualität dieser wichtigen Begegnungszone. Die doppelte Erschliessung des Schulgebäudes scheint für den schulischen Betrieb kein alltagstaugliches Konzept zu sein, weshalb das Projekt «zukuri» schliesslich nicht zu überzeugen vermochte.
4. Rang/4. Preis
Agora
ARGE Dorian Bürgy und Daniel Ziolek, Zürich
Cadrage Landschaftsarchitekten GmbH, Zürich
© ARGE Dorian Bürgy und Daniel Ziolek
Die Verfassenden betonen in ihrem sorgfältig hergeleiteten Bericht die Wichtigkeit der räumlichen Kontinuität des bestehenden Schulhofs. Aus dieser Lektüre wird ei- ne Strategie entwickelt, bei welcher die neuen Programme von Schultrakt und Turnhalle im Norden in einem einzigen Bauvolumen an den bestehenden Schulhof angelegt werden. Damit wird die Friedhofmauer freigespielt und kann gemäss den Verfassenden «eine einzig- artige Atmosphäre und ein Gefühl von Geborgenheit» ausspielen. Diese räumlich nachvollziehbare Herleitung wird mit minimalen Eingriffen im bestehenden Pausenhof begleitet, indem in der bestehenden Turnhalle die schulbegleitenden Nutzungen sowie auch – über die Diagonale verschränkt – die neue Aula für die gesamte neue Schulanlage angeordnet werden. Mit dieser Setzung entsteht mit leichter Hand eine selbstverständliche räumliche Ordnung mit grosszügigen Freiräumen, die sich entspannt in den Kontext von Dorfkern, Schulareal, Friedhof und Wohnquartier einfügen. Positiv ist ebenso der reduzierte Versiegelungsgrad der Freiflächen, was dem Anliegen eines zukunftsgerichteten Grundwasserhaushaltes und einer sommerlichen Hitzeminderung entspricht.
© ARGE Dorian Bürgy und Daniel Ziolek
Der bestehende, befestigte Schulhof mit dem erhaltenen Blätterdach ist das «Herzstück» des Schulareales und wird mit entsprechenden Nutzungen (Allwetterplatz, Spielplatz, Kindergarten-Aussenraum und Lernpavillon) ergänzt. Dadurch entsteht ein vielfältiger, weitläufiger Schulhof mit Räumen für aktive und ruhige Nutzungen. Die Angebote an Aussenräumen wie Rasenspielfeld, Schwingerfreiplatz sowie der Spielplatz «Alte Turnhalle» sind bewusst am Arealrand, als öffentliche Angebote angeordnet. Dabei ist der Spielplatz Teil beider Räume, die Spielwiese jedoch ist gänzlich abgetrennt. Die Schulterrasse im ersten Obergeschoss des neuen Schulgebäudes versteht sich als Teil des Freiraumangebotes. Dem, von den Verfassenden angemerkten Schulhof zwischen den vier Bauten (Schulhaus alt/neu, Mensa/ Tagesstruktur/Aula, Doppelkindergarten) fehlt der innere Zusammenhalt, beziehungsweise eine eindeutigere Zonierung. So scheint die Umgebung des Wohnhauses nicht Teil des Gesamtkonzepts zu sein. Dies gilt auch für die räumliche Einschränkung vor dem Haupteingang des Schulneubaues durch die zwingende Einzäunung des Aussenraumes des Kindergartens.
© ARGE Dorian Bürgy und Daniel Ziolek
Es fehlt ein übergeordnetes Erschliessungskonzept und die Zugangssituationen sind kaum ausgebildet: An der Schulstrasse erfolgt der Zugang über die drei bestehenden Eingänge. An der südwestlichen Ecke erfolgt der Eintritt aufs Gelände über, beziehungsweise um den neuen Spielplatz. Die Zugangssituation ab Scheibenmattweg wird verbessert, indem sie auf der ganzen Länge von der Friedhofzufahrt getrennt geführt wird. Die Einmündung in die Strasse erfolgt jedoch unvermittelt. Velostandplätze sind umfangreich vorhanden und sinnvoll platziert. Die Anlieferung zur Küche erscheint schwierig. Der Vielfältigkeit und Weitläufigkeit im Aussenraum bildet eine solide Schulumgebung, deren konzeptioneller Zusammenhalt zwischen den Räumen untereinander und zwischen Innen- und Aussenraum fehlt.
© ARGE Dorian Bürgy und Daniel Ziolek
Mit dem Ziel der Reduktion des Fussabdruckes zugunsten einer grosszügigen Freifläche werden die Nutzungen von Sporthalle und Schulhaus gestapelt. Die Doppelsporthalle (Typ B) wird über die Hälfte ihrer Höhe im Erdreich eingegraben, die Kote für das erste Schulgeschoss – von den Verfassenden «piano nobile» genannt – liegt rund 4,50 Meter über dem Pausenhof. Die Stapelung der Nutzungen ist bewusst nicht kongruent gehalten, was im Eingangsbereich zu einer gut nutzbaren und schön proportionierten überdeckten offenen Eingangshalle führt. Im «piano nobile» allerdings entwickelt sich als Kollateralerscheinung eine im Schulalltag herausfordernde und entbehrliche, nordorientierte Terrasse. Die Erschliessung von Sporthalle und Schultrakt erfolgt über einen Vorplatz über zwei Treppen, wobei die südliche lediglich die Sporthalle erschliesst und damit einen separaten Abendbetrieb erlaubt. Dieses grundsätzlich effiziente Erschliessungssystem wird von einer zusätzlichen Erschliessung über die Terrasse im ersten Schulgeschoss ergänzt.
© ARGE Dorian Bürgy und Daniel Ziolek
Die Doppelsporthalle ist gemäss den bekannten Normen entwickelt und verfügt dank der Oberlichter über eine gute natürliche Belichtung. Die Organisation der Garderoben und Geräteräume ist korrekt, jedoch noch etwas steif und könnte optimiert werden. Der Klassentrakt ist in Längsrichtung mit drei gleich dimensionierten Achsen von rund acht Metern Spannweite aufgebaut, in Querrichtung mit neun Feldern und 4,50 Meter Spannweite. Diese konsequente Rasterung ist zum einen der Konstruktion in Holz geschuldet – zum andern führt sie zu gut proportionierten Räumen – die grundsätzlich über eine gute Belichtung verfügen. Die Grundrissorganisation ist zweckmässig, unaufgeregt und folgt in grossen Linien den Anforderungen für einen zukunftsgerichteten Schulbetrieb. Die grosszügige Erschliessungshalle ist allerdings durch den Sanitärkern zweigeteilt und eine direkte Erschliessung über die Geschosse fehlt, was zu einer unerwünschten Zweiteilung der Geschosse führt. Die Räume für Haustechnik werden auf dem Hintergrund einer Reduktion des Aushubes im Dachgeschoss eingelassen, was im dritten Schulgeschoss zu ansprechenden überhohen Schulräumen führt.
Die Konstruktion folgt gemäss Bericht den Anforderungen eines geringen ökologischen Fussabdruckes. Die Verwendung von Beton wird in den Obergeschossen auf die Ausbildung der Aussteifung minimiert. Alle Decken sind Holz-Lehmkonstruktionen, die Aussenwände der oberirdischen Baukörper sind als verkleidete Holzrahmen konzipiert. Mit Blick auf eine optimierte Gebäudehöhe sind die Längswände des Klassentraktes als Träger dargestellt, welche die Turnhallendecke überspannen. So kann die Trägerhöhe in der Turnhalle reduziert werden. Diese sinnvolle Konstruktion trägt allerdings zu einer Einschränkung der Nutzungsflexibilität in den Obergeschossen bei. Die Fassaden verfügen über eine feste Brüstung mit grossflächiger Verglasung, die jeweils auch über Eck geführt werden. Dieser Entscheid ist konzeptuell wenig nachvollziehbar und wird im Sommer zu einer nicht tolerierbaren Überhitzung der Klassenräume führen.
© ARGE Dorian Bürgy und Daniel Ziolek
Der Beitrag weist im Vergleich zu den anderen prämierten Projekten eine grosse Geschossfläche und ein grosses Gebäudevolumen auf. Das zeigt sich auch in den überdurchschnittlichen Erstellungskosten. In der Gesamtbetrachtung vermag die dem volumetrischen Konzept geschuldete Terrasse nicht zu über- zeugen. Das Projekt «Agora» als Ganzes ist hingegen städtebaulich nachvollziehbar und über alle Aspekte mit Sorgfalt entwickelt. Neben einer engagierten Architektur stellt es Aspekte der Konstruktion, der Haustechnik und der Ökologie umfassend dar und schlägt tragfähige Lösungen vor.
5. Rang / 5. Preis
Mafalda
weberbrunner architekten ag, Zürich
Quadra GmbH, Zürich
© weberbrunner architekten ag
Der Entwurf sieht einen kompakten, viergeschossigen Erweiterungsbau vis-à-vis dem bestehenden Schulgebäude vor. Die alte Turnhalle wird ebenfalls um eine zweite Halle erweitert und weiterhin für den Sport genutzt. Gemeinsam fassen die beiden Schulhäuser und die erweiterte Turnhalle den Pausenhof locker ein. Durch die konzentrierte Setzung der neuen Bauvolumen um den Bestandsbau bleibt der bestehende, grosszügige Freiraum im Norden erhalten. Ausgehend von diesem städtebaulichen Entscheid werden zwei gegensätzliche Freiräume entwickelt: Zwischen und um das bestehende Schulhaus und die beiden Neubauten entsteht ein Pausenbereich, der sich in Hof und Platz unterteilt. Als Konsequenz der hohen Verdichtung entfallen das «Blätterdach», die grosse Buche und Pausenplatzfläche. Der Abriss des Wohnhauses ermöglich die Erweiterung des Pausenbereiches mit einem Sportplatz gegen Norden auf einem tieferen Niveau. Eine überdachte Sitztreppe bildet einen gedeckten Aufenthaltsort, der das «Blätterdach» ersetzt und als Tribüne für den angrenzenden Sportplatz dient. Zusätzlich vermittelt sie zwischen den unterschiedlichen Gelände- höhen. Ob die Linden zwischen Pausenhalle und Sportplatz erhalten werden können, ist aufgrund von Fundierung und Belagseinbau im Wurzelraum unsicher.
© weberbrunner architekten ag
Mit der Sitztreppe wird das Areal in zwei Ebenen unter- teilt. Dies schränkt die Durchwegung des Areals stark ein. So verunmöglicht beim Eingang Schulstrasse eine steile Rampe zwischen Strassen- und Sportplatzniveau die direkte Ost-West-Verbindung. Auch die Nord-Süd- Querung erscheint aufgrund der Sitztreppe und der steilen Rampe nicht rollstuhlgängig. Damit wird der südliche Pausenplatz vom tiefer gelegenen Eingang des Schulneubaus abgehängt. Die Anlieferung zur Küche ist nicht gelöst. Entlang der nördlichen Arealgrenze wird ausgehend von der bestehenden Spielwiese ein abwechslungs- reicher, naturnaher Lern- und Erlebnisort entwickelt: Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote wechseln sich ab mit Naturerlebnisräumen und Rückzugsnischen. Der Umgang mit Regenwasser ist über das gesamte Areal durchdacht (Retention & Versickerung, reine Retentionsfläche). Die Angaben zur Vegetation sowie die Gestaltung der Oberflächen lassen eine hohe Biodiversität vor allem im nordöstlichen Bereich erwarten.
© weberbrunner architekten ag
Der Zugang zum Neubau erfolgt von Nordwesten, vorbei an der Stirnseite des alten Schulgebäudes und entlang einer neuen, überdachten Sitzstufenanlage. Die Erschliessung erfolgt über eine Eingangshalle, die gleich zeitig als Foyer für die Aula dient und auf dem unteren Geländeniveau liegt. Der Geländesprung wird hier geschickt ausgenutzt, um einerseits eine grosszügige Höhe für den Versammlungsraum zu erhalten und gleich- zeitig die Tagesstruktur ein Halbgeschoss höher an den oberen Pausenbereich im Süden anzubinden. Die rechteckige Gebäudeform ermöglicht eine einfache und symmetrische Grundrissgestaltung mit einer allseitig umlaufenden, frei unterteilbaren Raumschicht mit Klassenräumen entlang der Fassade. Die Obergeschosse sind klar gegliedert und mit nur einer Treppe effizient erschlossen. Pro Geschoss gibt es zwei Cluster mit Nebenräumen und einer frei möblierbaren Mittelzone. Im ersten Obergeschoss befinden sich die Lehrerzimmer und der verbleibende fünfte Cluster. Im Untergeschoss sind die Werkräume angeordnet und über das abfallende Gelände von Osten belichtet.
© weberbrunner architekten ag
Die Turnhalle wird um eine Zwischenzone und eine zweite Halle nach Osten erweitert. Die Nebenräume finden konsequent unter dem Neubau Platz, die Eingriffe in den Bestand können daher relativ zurückhaltend erfolgen. Die Erweiterung der Turnhalle um einen weiteren, giebelständigen Baukörper ist naheliegend, allerdings sind die Proportionen im Vergleich zum Bestand deutlich schwerfälliger und es stellt sich die Frage nach dem äusseren Erscheinungsbild dieses neuen Doppelgebäudes. Auch die städtebauliche Setzung des Schulneubaus wirft bei näherer Betrachtung Fragen auf. Die auf den ersten Blick einleuchtende Gruppierung der Bauten um den Pausenhof erzeugt eine dreiseitige Begrenzung dieses Aussenraumes, die sich jedoch in der Adressierung und inneren Organisation der Bauten nicht wiederfindet. Lediglich die Turnhalle orientiert sich zum Hof, während das bestehende Schulhaus über keinen rückwärtigen Zugang verfügt und sich das neue Schulhaus primär mit der Aula nach Norden zur unteren Freiraumebene adressiert. Auf der oberen Ebene des Pausenhofs könnten lediglich die hier angeordneten Verpflegungsräume der Tagesstruktur eine gewisse Belebung erzeugen, allerdings fehlt hier ein entsprechender dezidierter zweiter Eingang, insbesondere bei kalter und nasser Witterung.
© weberbrunner architekten ag
Der Neubau ist als Holzbau mit Betonfertigteildecken konzipiert. Zur Konstruktion, zur Fassadengliederung und insgesamt zur Gestaltung werden bereits konkrete Aussagen getroffen, die in vielen Bereichen sowohl architektonisch als auch im Sinne der Nachhaltigkeit überzeugen können. Allerdings ist die Gebäudevolumetrie insgesamt sehr gross, eine Wirkung, die weder durch die vorgeschlagene Gliederung noch durch das additiv wirkende Faltdach wirklich reduziert werden kann. Die grosse Gebäudetiefe führt auch im Inneren zu relativ dunklen und schlecht nutzbaren Mittelzonen, die dar aus resultierende repetitive und etwas spannungslose Grundrissanordnung der Klassenräume leistet ebenfalls keinen neuen Beitrag für innovative Lernräume.
© weberbrunner architekten ag
Der Beitrag weist im Vergleich zu den anderen prämierten Projekten eine unterdurchschnittliche Geschossfläche und ein unterdurchschnittliches Gebäudevolumen auf. Die Erstellungskosten liegen im unteren Bereich. Insgesamt stellt das Projekt Mafalda eine interessante städtebauliche Setzung mit klar gegliederten und sorg- fältig entwickelten Neubauten dar. Der Vorschlag zur Erweiterung der Turnhalle, der kompakte Neubau und die räumlich und programmatisch interessante Sitztreppe stellen wertvolle Beiträge zur Lösungsfindung dar. Das Potenzial des neu gefassten Pausenhofes wird jedoch nicht vollends ausgeschöpft und spiegelt sich auch in der inneren Grundrissorganisation der Neubauten nicht wider.
6. Rang / 6. Preis
marsupilami
schriber schiess architekten gmbh eth sia, Zug
© schriber schiess architekten
Die Verfasser schlagen vor, alle bestehenden Bauten zu erhalten und die Anlage mit einem Neubau zu ergänzen. Dieser wird gegenüber dem heutigen Wohngebäude platziert und über den Pausenplatz erschlossen. Er vervollständigt mit seinen zueinander versetzten Volumen einen Abschluss der Anlage und bindet den bestehen- den Kindergarten innerhalb des Ensembles gut ein. Hinter dem Neubau befindet sich das Rasenspielfeld.
Im Aussenraum wird das Konzept, auf dem Bestand aufzubauen und nur korrigierend einzugreifen, vor allem im südlichen Bereich weiterverfolgt. Dort wird der gesamte Freiraum um das bestehende Schulhaus und die alte Turnhalle erhalten. Durch den Ersatz des Anbaus der Turnhalle geht wenig Freiraum verloren. Hingegen erfolgt im nördlichen Bereich mit Spielwiese und Spielplatz der grosse Eingriff im bestehenden Aussenraum. Nahezu das gesamte Bauprogramm wird mittig darin umgesetzt. Dadurch geht grosszügiger Grünraum ersatzlos verloren. Der neue Pausenplatzbereich ist südlichwestlich dem Haupteingang des Schulneubaues vorgelagert. Dieser versteht sich als zentrales Herzstück der Aussenanlage, der funktional und visuell Altbau, Neubau und Wohnhaus verbindet. Dabei soll auch der Doppelkindergarten an den Pausenplatz angeschlossen werden, beziehungs- weise einen direkten Bezug zur Tagesstruktur haben. Aus den Plänen ist jedoch nicht ersichtlich, wie diese Anbindung erfolgen soll.
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Grüninseln aus Kies- und Rasenflächen im neuen, erweiterten Pausenplatz dienen der Entwässerung und als Baumstandorte zur Beschattung. Für die angedachten Aufenthalts- und Erholungsfunktion scheinen sie, wie der grösste Teil des Aussenraumes, etwas karg und mit wenig Aneignungsmöglichkeiten ausgestaltet zu sein. Die Laubengänge des Schulneubaues sollen als Aussenklassenzimmer oder Lernpavillon genutzt und damit Teil des Aussenraumes werden. Die Vereinbarkeit mit dem Schulbetrieb dürfte schwierig werden. Die Erschliessung weist einige Defizite auf: So lassen die Pläne darauf schliessen, dass eine Nord-West-Querung im Bereich des Doppelkindergartens nicht mehr möglich sein wird. Der Zugang ab der Scheibenmattstrasse wird über die Friedhofszufahrt geführt. Dies erschwert die Orientierung und ist funktional nicht sinnvoll. Die Anlieferung zur Küche ist möglich.
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Der Umgang mit der Topographie und die behindertengerechte Erschliessung kann aufgrund der wenigen Höhenangaben in Situation und Schnitten nicht beurteilt werden. Die spärlichen Angaben zur Vegetation sowie die ausgedehnten versiegelten Flächen lassen auf eine mittelmässige Biodiversität schliessen. Die beiden Neubauvolumen werden durch eine offene Erschliessungsfigur verbunden, welche zwischen zwei Treppenhäuser eine scharnierartige Fläche aufspannt. Diese dient nicht nur der Erschliessung, sondern soll auch Nutzungen wie Aufenthalt, Treffpunkt und Aussenunterricht oder ähnlichem Raum bieten. Zwei senkrecht darauf treffende innenliegende Korridore erschliessen die Räume der beiden Gebäudekuben im Innern. Der westseitige Kubus wird als Mehrzwecktrakt bezeichnet und beinhaltet die Turnhalle, welche im Untergeschoss liegt und ein Geschoss aus der Erde ragt. Darüber befinden sich Fachräume wie textiles Gestalten etc., der Lehrpersonenbereich und die Aula.
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Im sogenannten Schultrakt sind im Erdgeschoss die Räume der Tagesstruktur angeordnet, welche über einen separaten Aussenraum verfügen. In den Geschossen darüber gruppieren sich die Klassenzimmer und Gruppenräume um eine zentral liegende Garderobenzone, von wo die Toiletten und Nebenräume erschlossen werden. Die bestehende Turnhalle wird von ihrem Anbau befreit, um die Hauptfassade wieder herzustellen. Ein neuer zweigeschossiger Anbau bildet den Rücken des Gebäudes. In diesem befinden sich im Erdgeschoss die Nasszellen und Geräteräume für innen und aussen und im Obergeschoss die Garderoben. Der architektonische Ausdruckt wird von einem hölzernen Kleid, mit Brüstung aus Photovoltaik-Elementen geprägt. Zwischen den grünen Gebäudekuben ragt ein rötliches Gerüst hervor, welches die beiden Volumina gleichzeitig voneinander separiert und verbindet. Diese leichte Brückenkonstruktion bildet einen spannungsvollen Kontrast zu den eher schweren Gebäudeproportionen der beiden Neubauten.
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Das sehr einfach verständliche Konzept scheint auf den ersten Blick interessant zu sein, macht aber bei näherer Betrachtung viele Versprechungen, die nicht eingelöst werden können. Die vorgeschlagene Erschliessungsfigur, wird beidseitig von beiden Volumina eingeklemmt und erhält dadurch in der Mitte kaum natürliches Licht. Als Erschliessungs- und Fluchtweg muss dieser Bereich freigehalten werden. Eine gute Möblierbarkeit ist des- halb in dieser Zone nicht möglich. Zudem wird auch aus Sicht des Brandschutzes dieser Erschliessungsraum als Innenraum gewertet, was wiederum die Anforderungen an die Fassaden der gesamten Brückenkonstruktion massiv erhöht und die Materialisierung in diesem Bereich in Frage stellt. Weiter bleibt die Idee des Erschliessungsscharniers auch räumlich eher schematisch und wertet innenräumlich die Korridorzone der Gebäude erheblich ab. Abgesehen davon weist der Grundriss auch sonst diverse Mängel auf und es fehlt an einer vertieften Innenräumlichen Idee im Bereich der Korridore.
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Der Beitrag weist im Vergleich zu den anderen prämierten Projekten eine leicht unterdurchschnittliche Geschossfläche und ein kleines Gebäudevolumen auf. Die Erstellungskosten liegen im Mittelfeld. Das grundsätzlich interessante Konzept der beiden Gebäudekörper mit der verbindenden Erschliessungsfigur fasziniert unumstritten, weist jedoch verschiedenste Fragen und Mängel auf – nicht zuletzt auch, dass das sehr gross erscheinende Gesamtvolumen städtebaulich nicht überzeugt.