Visualisierung des römischen Palasts © Archäologische Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt
Sensationeller Fund: Römischer Palast unter Klybeck-Areal
Die Rhystadt AG hat auf dem Klybeck-Areal grosse Pläne. Es soll in den kommenden zwei Jahrzehnten “schrittweise zu einem vielseitigen, lebendigen und durchmischten Wohn-, Arbeits- und Lebensraum” umgestaltet werden. Die Hoffnung auf eine schnelle Transformation dürften die Investoren vorerst begraben müssen. Der Grund dafür liegt wortwörtlich unter dem Areal begraben. Wie einem vertraulichen Bericht der archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt zu entnehmen ist, wurden bei Sondierungen im Untergrund betreffend chemischen Altlasten die Fundamente eines römischen Palastes gefunden. Der brisante Vorbericht liegt Architektur Basel vor.
Grundriss des Palasts © Archäologische Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt
Am Mündungsdelta der Wiese
Der Titel ist nüchtern und lässt eigentlich keine Sensation vermuten: “Vorbericht Bodenfunde im Bereich Mauerstrasse / 47.573816, 7.588178.” Die Koordinaten weisen auf den Fundort hin, der sich mitten im Klybeck-Areal befindet. “In einem Vorbericht werden Lage und Umfang der 2020 im Bereich der Fundstelle Basel-Klybeck durchgeführten Grabungen im Rahmen der Altlasten-Sondierung sowie die wichtigsten Befunde betreffend Fundamente und gesamtes Bauwerk vorgestellt. Zeitstellung: Römisch.” Das letzte Wort der Einleitung lässt ein erstes Mal aufhorchen. Offenbar wurden am westlichen Ende der Mauerstrasse römische Spuren gefunden. Und die haben es in sich, wie wenige Seiten später klar wird. Ein imposanter Palast soll einst an der Rheinmündung der Wiese gestanden haben: “Am Mündungsdelta der Wiese am Rhein gelegen, befand sich der befestigte Palast an einem strategischen Punkt am Ausgang der Rheintalstrasse nach Argentoratum und Mogontiacum im Norden.” Die im Bericht enthaltenen Pläne belegen die eindrückliche Dimension des Palastes, der sich vom Rheinufer bis zur Müllheimerstrasse erstreckte.
Grundriss des Palasts © Archäologische Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt
Domus regia munimentum
Der Basler Kantonsarchäologe Guido Lassau reagiert auf Anfrage von Architektur Basel ausweichend. Er bestätigt lediglich, dass im Bereich des Klybeck Areals Bodenuntersuchungen stattgefunden haben: “Wie üblich untersuchen wir im Vorfeld von Arealentwicklungen den Untergrund. So ist es auch im Klybeck geschehen. Wir dokumentierten dabei den Abbau der Kulturschichten.” Im von ihm mitverfassten Vorbericht heisst es: “Die vorgefundenen Ruinen weisen eine typologische Verwandtschaft mit dem Diokletianpalast in Split auf, wobei es sich um einen antiken Baukomplex handelt, der als Alterssitz für den römischen Kaiser Diokletian diente.” Basierend auf einem rechteckigen Grundriss errichtete das Basler Pendant eine Fläche von etwa 130.000 m² (430 × 310 Meter). Nach aussen grenzte sich der Bau durch starke Mauern mit viereckigen Ecktürmen und zusätzlichen vorspringenden Türmen an den Fassaden deutlich ab, “ausser an der zum Rhein gewandten Westfassade”. Der römische Kaiser Valentinian I. wird gemäss Bericht als Erbauer des Palastes vermutet. “Wie der römische Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus berichtete, befand sich Kaiser Valentinian I. mit seinen Truppen im Jahre 374 bei Basilia und liess als Residenz und zur Sicherung der Rheingrenze einen befestigten Palastbau (domus regia munimentum) erbauen.” Bis anhin gab es keine Anhaltspunkte oder Funde für ein entsprechendes Bauwerk in der Region Basel. Mit der Grabung im Klybeck dürfte sich das nun schlagartig ändern.
Plan der Grabungen an der Mauerstrasse © Archäologische Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt
Anita Fetz bleibt entspannt
Was heisst das für das Klybeck-Areal? Der Bericht enthält eine klare Empfehlung betreffend der weiteren baulichen Entwicklung auf dem Areal: “Da es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein Baudenkmal von übergeordneter, internationaler Bedeutung handelt, ist die entsprechend sorgfältige Freilegung und Sicherung sämtlicher Bauwerksreste gegenüber allen künftigen baulichen Vorhaben auf dem Areal zu priorisieren.” Wenn dieser Empfehlung seitens Kanton Folge geleistet würde, dürfte auf einem Grossteil des Areals nicht gebaut werden. Die Regierung gibt sich in der Sache bedeckt. Baudirektorin Esther Keller schreibt auf Anfrage von Architektur Basel: “Zu laufenden Verfahren äussern wir uns grundsätzlich nicht.” Auf entsprechende Nachfrage sagt sie lediglich: “Zu gegebenem Zeitpunkt werden wir über die archäologischen Untersuchungen im Bereich Klybeck Areal informieren.” Rhystadt-Verwaltungsrätin Anita Fetz äusserte sich deutlich offener: “Der grossartige Fund zeigt, wie vielschichtig das Klybeck-Areal ist. Es bietet Platz für alle, egal ob Römer, Daig oder Expat.” Dass in Basel einst ein derart mächtiger, römischer Palast gestanden haben soll, ist eine Sensation. Basilia, ein gutes Pflaster für Baukultur? Offensichtlich haben schon die Römer am Rheinknie architektonische Meisterleistungen vollbracht.
Text: Richard Meier / Architektur Basel
WICHTIGER HINWEIS:
Der vorliegende Artikel kann Spuren von Satire enthalten. Bei Fragen oder Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihren Sinn für Humor oder konsultieren Sie das Erscheinungsdatum.