Die Loggia an der Nordecke gibt dem Projekt den Namen. © Atelier Amont
«Sie stellen das Projekt verzerrt dar»
Im Kontext der kontrovers geführten Debatte um das Primarschulhaus Hofmatt in Gelterkinden, verdichten sich grundlegende Fragen zur Qualitätssicherung im Wettbewerbswesen, zum Umgang mit öffentlichen Geldern und zur Rolle der Architektur in kommunalen Entscheidungsprozessen. Im Gespräch mit Architekt Logan Amont erfahren wir mehr über das Projekt «Campus Loggia» – und seine Sicht auf die mitunter polemische und unsachlich geführte Debatte. eine differenzierte Perspektive auf die aktuellen Vorwürfe sowie die dahinterliegenden strukturellen Spannungsfelder. Er sagt: «Architekt:innen können unvermittelt in öffentliche Diskussionen geraten.» Es erfordere ein sorgfältiges Gleichgewicht, Fakten klar zu kommunizieren und dabei zugänglich und respektvoll im Ton zu bleiben. Das Interview macht einen Anfang.
Vor drei Jahren konntet ihr den offenen Wettbewerb für das neue Primarschulhaus Hofmatt Gelterkinden gewinnen. Was ist die architektonische Idee eures Projekts «Campus Loggia»?
Logan Amont: «Das Projekt basiert auf einem kompakten Schulbau mit klarer Organisation und kurzen Erschliessungswegen. Das Gebäude und sein Eingang sind entlang der Hauptzugänge der Schüler*innen von Osten und Westen situiert. Die Konstruktion ist einfach gehalten und auf Dauerhaftigkeit ausgelegt.»
Die "Loggia" ist mehr als nur ein gedeckter Eingang © Atelier Amont
Welche Rolle spielt dabei die «Loggia», der überdeckte Eingang?
«Der überdeckte Bereich beim Eingang bildet einen geschützten Aussenraum für den täglichen Gebrauch und organisiert die Erschliessung. Die Struktur ist so ausgelegt, dass sie langfristig anpassbar bleibt und zu einem späteren Zeitpunkt in Klassenzimmer umgewandelt werden kann. Dadurch entsteht ein funktionales Element, das Nutzung, Erweiterbarkeit und Konstruktion zusammenführt.»
Wie geht ihr mit den Qualitäten des Kontexts und der vorgefundenen Baukultur um?
«Das Gebäude nimmt die Massstäblichkeit sowie die ruhige, rationale Fassadenordnung der umliegenden Schulbauten auf. Die Setzung erfolgt am gleichen Ort wie das bestehende Provisorium und vermeidet dadurch unnötige Erdbewegungen. Die holzverkleidete Fassade und der grosszügige gedeckte Raum beziehen sich auf die umliegenden landwirtschaftlichen Bauten und verankern das Projekt im Ort und führen die Identität der Gemeinde in würdiger Weise weiter.»
Das Schulhaus als vergoldeter Tempel... Polemik der Gegner © luxusschulbau-nein.ch
Inzwischen gibt es Widerstand gegen euer Projekt. Es sei «zu gross, zu teuer und finanziell unverantwortlich», behaupten die Gegner. Wurdest Du von der heftigen Kritik am vermeintlichen «Luxus-Schulbau» überrascht?
«Die Intensität der Kritik war in dieser Form nicht absehbar. Unser Ziel war es, die Anforderungen der Bauherrschaft zu erfüllen. Wir haben eine einfache, robuste Konstruktion entworfen und dabei grundlegende menschliche Qualitäten beibehalten, die wir im Hinblick auf die ursprüngliche Wettbewerbsausschreibung als angemessen erachten. Wir sehen es keinesfalls als Luxusgebäude. Mehrere Aussagen zum Gebäude und zu unserem Büro sind unzutreffend. Sie stellen das Projekt verzerrt dar und entsprechen nicht der sachlichen Grundlage des Entwurfs.»
«Wir brauchen Zweckbauten, keine teure Architekturkunst», schreiben die Gegner. Beim Wettbewerb gab es eine Kostenvorgabe von 7 Mio CHF. Inzwischen sind es über 10 Mio CHF. Für die Gemeinde geht es also um einen stattlichen Betrag. Sind die Baukosten tatsächlich höher als bei vergleichbaren Schulbauten?
«Die Kosten waren ein integraler Bestandteil des Wettbewerbs. Sie wurden im Auswahlverfahren für alle Wettbewerbsbeiträge von unabhängiger Seite ermittelt. Der Entwurf wurde von der Jury mit Kenntnis der ermittelten Kosten ausgewählt. Er erfüllt das geforderte Raumprogramm und die Anforderungen an eine zukünftige Erweiterung. Ein Vergleich mit aktuellen Schulbauten in der Region der Basler Zeitung zeigt eine grosse Bandbreite bei den Kosten. In Reinach lag die Primarschule Surbaum bei rund 2,7 Millionen CHF pro Klassenzimmer. Die geschätzten Kosten für Campus Loggia liegen bei etwa 1,35 Millionen CHF pro Klassenzimmer und damit im sehr unteren Bereich der üblichen Bandbreite.»
In einer Demokratie darf Widerspruch sein. Die Berufsverbände SIA und BSA verstehen das Gegenprojekt «Ratio» als direkten Angriff auf unsere Wettbewerbskultur. Wie ordnest Du persönlich das ein?
«Die Stellungnahmen von SIA und BSA sind im Kontext der Interessenvertretung des Berufsstandes zu verstehen. Allerdings bleibt dies aus meiner Sicht im Vergleich zu dieser konkreten Situation abstrakt und zukunftsorientiert. Für die Bevölkerung von Gelterkinden geht es jetzt um die Abstimmung über das Ergebnis der konkreten Anstrengungen der Gemeinde in den letzten 3 bis 4 Jahren, einschliesslich der Vorbereitung des Wettbewerbs. In diesen Prozess wurden erhebliche Zeit und finanzielle Mittel investiert. Daraus ist ein Projekt hervorgegangen, und bei einem entsprechenden Entscheid könnte mit dem Bau für die Kinder der Gemeinde begonnen werden.»
Fügt sich gut in den Kontext: Der Neubau im Modell 1:500 © Atelier Amont
In Kommentaren wurde behauptet, dass Deinem Büro die Erfahrung fehle. Ihr seid noch nie in die Planung von Schulbauten involviert gewesen. Was entgegnest Du diesen Behauptungen?
«Diese Behauptung ist falsch. Wir arbeiten derzeit an einem Kindergartenprojekt. Es ist ein Neubau und kein Umbau, wie in anderen Medien unzutreffend dargestellt wurde. Das Projekt umfasst vier Klassenräume entlang einer gemeinsamen Halle und ist als eigenständiges Gebäude konzipiert, mit Gesamtkosten von rund CHF 4,5 Millionen. Es ging Anfang 2024 aus einem offenen Wettbewerb hervor und wird seither weiterentwickelt. Aktuell wird die Ausführungsplanung eingereicht.»
Die Abstimmung findet am kommenden Sonntag statt. Danach herrscht Klarheit, ob und wie es weitergeht. Unabhängig vom Resultat: Was sind Deine Learnings aus der Auseinandersetzung?
«Architekt:innen können unvermittelt in öffentliche Diskussionen geraten. Es erfordert ein sorgfältiges Gleichgewicht, Fakten klar zu kommunizieren und dabei zugänglich und respektvoll im Ton zu bleiben. Ich hoffe, dass dies so gehandhabt wurde, dass wir – sollte das Projekt Campus Loggia weitergeführt werden – mit der gesamten Gemeinde zusammenarbeiten können.»
Besten Dank für das Gespräch.
Interview: Lukas Gruntz / Architektur Basel