So gross und so leer wie möglich: Radikale Reduktion von architecture club

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Architektur Basel in Warschau? Das Atelier Sosnowska ist der Erstling des jungen Basler Büros architecture club, welches sein Atelier an der beschaulichen Gotthelfstrasse im Paulusquartier hat. Das Projekt handelt vom radikalen Raum: Ein funktionaler Raum, in welchem die Künstlerin ihre Entwürfe und Mockups fertigt.

Mit 12 mal 12 Metern nutzt das Gebäude das Grundstück nach den örtlichen Baugesetzen maximal aus. Bei der Höhe orientiert es sich am angrenzenden Nachbargebäude. Ausserdem liegt es direkt neben dem Wohnhaus der Künstlerin, welches für die Arbeit an ihren Werken zu klein wurde. Die Suche nach einem Raum, der Bezug zum Garten hat und welcher so gross und so leer wie möglich ist, führte nach einem langen Entwurfsprozess schliesslich zur funktionalsten und extremsten Lösung: zwei Wänden und einer Platte.

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Zwei Wände und eine Platte © Hélène Binet

Neben dem Wunsch nach einem leeren Raum, welcher die Künstlerin bei Ihrer Arbeit inspirieren soll, war das Licht von entscheidender Bedeutung. Die Nordfassade, welche zum Garten hin orientiert ist, wurde vollständig verglast, während die Südfassade, welche sich direkt an der Strasse befindet, transluzent ausgeführt wurde. Die Architekten wählten hier ein ein industrielles Drahtglas. Es verwischt sowohl den Blick nach aussen als auch nach innen. Die Ausführung führt einerseits zu einem Übergang zwischen Strassenraum, Atelier und Garten, andererseits gibt sie dem Raum eine Ausrichtung.

An der Decke finden sich drei schwarz gestrichene Stahlträger, welche den Raum überspannen und die Decke tragen. An ihnen kann ein Kran gehängt werden, der die Modelle der Skulpturen und deren Entwürfe bewegt. Die Wände und die Decken sind in einer horizontalen bzw. in Trägerrichtung gelegten Bretterschalung ausgeführt. Eine Terazzobank artikuliert den Höhenunterschied in Richtung Strasse. Die mit lediglich 4 x 10 cm äusserst filigranen Profile der Fenster wurden vor Ort von der gleichen Firma geschweisst, welche auch an der Fertigung der Skulpturen beteiligt ist.

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Kubus und Tisch sind aus derselben massiven Eiche gefertigt, welche auch für die Schalungen der Sichtbetonarbeiten verwendet wurde. © Hélène Binet

Die Möblierung wurde auf das Minimum des Notwendigen reduziert. So findet sich im Raum lediglich ein grosser Quader sowie ein parallel dazu stehender Tisch. Beide sind aus derselben massiven Eiche gefertigt, welche auch für die Schalungen der Sichtbetonarbeiten verwendet wurde. Der Quader entpuppt sich als Servicestation: Das multifunktionale Möbelstück entfaltet sich zu einer Küche, eine Toilette und Stauraum.

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Der Quader entpuppt sich als Servicestation. © Hélène Binet

Der Entwurf aus zwei Wänden, einer Platte mit drei Stahlträgern und zwei verglasten Fassaden erscheint auf den ersten Blick äusserst einfach, ja fast banal. Doch genau in der Reduktion auf das Essentielle liegt die Stärke des Projekts: Alle Systeme, einschliesslich Geothermie, Kühlung, Lüftung, Akustik und Alarm wurden nahtlos in die Struktur integriert, in ihr zum Verschwinden gebracht. Einen poetischen Moment hält die transluzente Fassade bereit: Sie schafft es, das Atelier mit viel Tageslicht zu beleuchten, aber auch einen gewissen Grad an Intimität zu schaffen. Die vollverglaste Fassade mit Blick zum Garten öffnet das Gebäude hingegen maximal.

Fazit: Ein durchdachter Entwurf mit einer präzisen Ausführung bis ins letzte Detail. Wir freuen uns über ein neues, ambitioniertes Büro in Basel und sind gespannt auf kommende Bauten am Rheinknie.

Text: Marco Blecher / Architektur Basel


Pläne/Modelle: © Architecture Club
Fotos: © Hélène Binet

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