Staehelin Meyer Architekten: Zwei Findlinge am Rütiring in Riehen

0

Vor Millionen Jahren hat ein gigantischer Gletscher auf seinem Rückzug in Richtung Alpen zwei grosse Felsblöcke am Fusse des Unterbergs in Riehen zurückgelassen… So könnte die Geschichte beginnen, die vom neusten Werk der Architekten Staehelin Meyer aus Basel handelt. Tatsächlich wirken die beiden Doppeleinfamilienhäuser am Rütiring umgeben von ziegelbedeckten Satteldachhäusern ein bisschen wie zwei grosse, liegengebliebene Findlinge. Dazu trägt auch die monolithisch-mineralische Erscheinung der Betonfassade bei – und der bewusste Entscheid zum Verzicht auf ein zurückgesetztes Attikageschoss.

Situationsplan

Situationsplan

Das grosse, hölzerne Garagentor ist das einzige unmittelbare Zugang von der Strasse her. Dahinter verbirgt sich die Einstellhalle, die beide Häuser unterirdisch miteinander verbindet. Die beiden polygonalen Bauvolumen werden geschickt in den Hang gesetzt, in der Höhe differenziert, in der Ausrichtung präzise orientiert. Der üppige Garten, der von Fontana Landschaftsarchitekten gestaltet wurde, sucht mit den hohen Gräsern und wilden Sträuchern bewusst die gestalterische Abgrenzung zu den akkurat gesetzten, scharfkantigen Betonbauten. Wege, von den Architekten als „Trampelpfade“ bezeichnet, werden gekonnt mit der Vegetation verzahnt. Man könnte von einer wohlkomponierten Wildnis sprechen. Auch hier grenzt sich die Bebauung von den akkurat geschnittenen Hecken und Rasenflächen der Nachbarn ab.

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Erdgeschoss

Die Typologie sucht für jede Wohneinheit die grösstmögliche Privatheit. Die getrennte vertikale Verbindung der ober- und unterirdischen Räume zu den Wohnungen soll den Charakter eines Einfamilienhauses erzeugen. Jede Wohnung hat einen eigenen privaten Aussenraum, als Gartensitzplatz oder Dachterrasse. Eine typologische Erfindung sind die Mehrzweckräume (pro Wohnung je einer) im Untergeschoss. Gästeappartement, Fitnessstudio oder Atelier – die Nutzung wird den Bewohnern überlassen. Spektakulär ist die Belichtung: Lichtkanonen bringen viel Sonne ins Untergeschoss und lenken den Blick zum Himmel. Die introvertierten Räume werden vom intensiven, zenitalen Lichteinfall aufgeladen. Eine spannungsvolle, fast sakrale Stimmung entsteht. Der Grundriss der darüber liegenden Wohngeschosse funktioniert als Enfilade sämtlicher Räume entlang der Fassade, rund um den zentralen Erschliessungskern. Der Rundlauf lässt die Wohnungen grosszügig wirken.

Zwei Doppeleinfamilienhäuser Rütiring Riehen © Staehelin Meyer Architekten

Zwei Doppeleinfamilienhäuser Rütiring Riehen © Staehelin Meyer Architekten

Die innere Materialisierung ist eine Fortführung der mineralischen Fassade: Sichtbeton an den Decken, ein geschliffener Betonboden und verputzte, lasierte Wände prägen das Bild. Kontrastierend wirken die massiven Eichenfenster deren Laibung ebenfalls holzverkleidet ist. Auch die inneren Ausbauten, wie Küchen, Einbauschränke oder Türen sind in geöltem Eichenholz materialisiert. Die Architekten wollten gemäss eigener Aussage „das echte Material ohne kosmetische Überdeckungen“ zeigen. Brutalismus im besten Sinne. Die Details sind präzise und mit Sorgfalt ausgeführt. Die innere Gestaltung hält zwar wenig Überraschungen bereit, bleibt jedoch in grösstmöglicher Stringenz zur äusseren Erscheinung.

Und so liegen die beiden bewohnbaren Findlinge – trotz aller Abgrenzung zur Nachbarschaft – mit grosser Selbstverständlichkeit am Fusse des Unterbergs in Riehen. Wir freuen uns über einen gelungenen Beitrag zur Baukultur in der Region Basel.

 Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel


PROJEKTINFOS
Adresse: Rütiring 2+4, 4125 Riehen
Bauherrschaft: Gabriela und Philip Zindel
Projektverfasser: Staehelin Meyer Architekten
Fachplaner: Fontana Landschaftsarchitektur, Schnetzer Puskas Ingenieure

 

Teile diesen Beitrag!

Comments are closed.