Das Smartphone, die Powerbank, die Zahnbürste oder der Rasierer. Alle hängen sie regelmässig an der Steckdose. Auch der Mixer, der Backofen, die Wohnzimmerleuchte, der Kandelaber, die Lichtsignalanlage, das Auto, der Bus oder das Tram und die Bahn. Elektrischer Strom ist heute nicht mehr wegzudenken. Ein grossflächiger Blackout stellt potenziell eine der grössten Gefahren dar. Die Schweiz wurde bereits früh flächendeckend elektrifiziert – als direkte Folge der Kohleknappheit während der beiden Weltkriege. Die Topografie begünstigte den Bau von Wasserkraftwerken. Vom Kraftwerk wird Strom über mehrere Stufen bis in die Haushalte transportiert. Die letzte Spannungsumwandlung geschieht vom Mittelspannungs- aufs lokale Ortsnetz. Dafür nötig sind Transformatoren. Seit ungefähr 1910 finden wir deshalb die Typologie des Transformatorenhäuschens. Da im dörflichen Umfeld anfangs oft Freileitungen für den Transport verwendet wurden, mussten die Gebäude, in denen die Transformatoren untergebracht waren, eine gewisse Höhe aufweisen. Im städtischen Raum setzten sich Stromleitungen im Boden schnell durch, weshalb die Trafos meistens in kleineren Zylindern mit Hut – ähnlich einer Litfasssäule – eingebaut wurden.

Ein Turm war nötig, weil der Strom anfangs über Freileitungen weitertransportiert wurde.
Praktisch in jedem Dorfkern im Baselbiet steht mindestens ein Trafohäuschen. Im Gegensatz zu den heute oft gebauten box-ähnlichen Kleinstbauten der Elektrizitätswerke, kommen die ersten turmartigen Häuschen in unterschiedlichsten Ausführungen daher. Ein besonders schönes Exemplar befindet sich in Hölstein. Das erste 1903 erstellte Werk steht heute nicht mehr. Der kleine Turm aus dem Jahr 1920 am Bündtenweg allerdings ist nach wie vor in Betrieb. Im Gegensatz zu anderen Trafostationen kommt diese relativ schlicht daher. Anstatt etwa durch bossierte Ecksteine, wird die grob verputzte Fassade lediglich durch zwei stockwerktrennende Gurtgesimse – dafür aber durch eine reiche Befensterung gegliedert. In den Giebelfassaden finden wir zudem je ein Segmentbogenfenster, die beiden gegenüberliegenden Zugänge im Erdgeschoss sind mit einem Rundbogenportal ausgeführt. Wer genau hinschaut, erkennt in der Putzoberfläche feine helle Umfassungslinien an Fenster-, Tür- und Gebäudekanten. Ein leicht geknicktes Satteldach bildet den oberen Abschluss. Das von Architekt Eduard Schmid im Auftrag der damaligen Elektra Hölstein geplante Gebäude steht giebelständig leicht abgedreht zur Strasse, weshalb beim Vorbeigehen meist auch immer mehrere Seiten des Baus gleichzeitig zu sehen sind. Die technisch nicht notwendigen Fenster sind zwar «nur Fassade», verleihen dem Gebäude aber einen sehr angenehmen Ausdruck. Zu den ersten Verbrauchern gehörten übrigens sieben elektrische Lampen der öffentlichen Strassenbeleuchtung.

Trafohäuschen Hölstein © Simon Heiniger / Architektur Basel
Ein weiteres interessantes Trafohüsli entdecken wir am Schulweg in Ziefen. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1902. Die heutige Erscheinung mit Dreifachfenstern und geknicktem Walmdach geht auf das Jahr 1919 zurück. Damals wurde das kleine Trafohaus zu einem Turm aufgestockt. Die Isolatoren der ehemaligen Freileitung sind heute noch vorhanden.

Trafohäuschen Ziefen © Simon Heiniger / Architektur Basel

Trafohäuschen Ziefen © Simon Heiniger / Architektur Basel
Eine sehr filigrane Version steht am Wasserhausweg in Münchenstein. Das quadratische Gebäude ist bis auf ein paar neuzeitlich angebrachte Öffnungen in der Fassade symmetrisch aufgebaut und besitzt ein Zeltdach. Neben dem Gurtgesims zeichnet sich das Gebäude vor allem durch den Schriftzug «Elektra Birseck» aus.

Trafohäuschen Münchenstein © Simon Heiniger / Architektur Basel
Strom wurde insbesondere auch für die Industrie benötigt. So kam in Lausen beispielsweise ein Trafohäuschen direkt neben der 1916/17 gebauten Papiermühle zu stehen. In diesem Fall beschränkt sich das Gebäude auf einen der Unterdorfstrasse abgewandten Zugang. Die sichtbaren Fassaden dagegen sind geschlossen. Ein Augenschein vor Ort zeigt: Obwohl die Papiermühle längst nicht mehr in Betrieb ist, scheint der Trafo weiter zu brummen. Auf Anfrage hat die Elektra Baselland mitgeteilt, dass die meisten der Transformatorenstationen in ihren originalen Hüllen auch noch heute weiter betrieben werden.

Trafohäuschen Lausen © Simon Heiniger / Architektur Basel
Zum Schluss machen wir uns in der verwinkelten Waldenburger Altstadt auf die Suche nach einem Trafohüsli. Das Gebäude mit dem Namen «Transformatoren-Station Stadt» versteckt sich hinter Wohnhäusern am Waldrand, stellt sich aber als umso schöneren Bau heraus. Entworfen wurde die 1916 gebaute Station von Architekt Alfred Nägelin. Zwei Jahre nach ihrer Gründung 1898 erstellte die Elektra Baselland um 1900 in Waldenburg ein Ortsnetz. Den Strom bezog man damals vom Elektrizitätswerk Wynau. Inzwischen hat sich viel geändert. Die Station «Stadt» reicht längst nicht mehr aus. Ganze zwölf elektrische Unterwerke sind allein für die Stromversorgung von Waldenburg nötig.

Trafohäuschen Waldenburg © Simon Heiniger / Architektur Basel
Liebhaber*innen dieser Bauaufgabe sei die Website swisstrafos.ch empfohlen. Nicht nur finden sich Standortangaben zu Turmtrafos in allen Kantonen, sondern auch Informationen und Erklärungen zu verschiedenen lokalen Bautypen.
Text: Simon Heiniger / Architektur Basel
Auswahl Transformatorenhäuschen
Hölstein: Bündtenweg 35, 4434 Hölstein (1920, Eduard Schmid)
Ziefen: Schulweg 15, 4417 Ziefen (1902, 1919)
Waldenburg: Mühleweg 11, 4437 Waldenburg (1916, Alfred Nägelin)
Münchenstein: Wasserhausweg 2, 4142 Münchenstein (1920)
Lausen: Unterdorfstrasse 70, 4415 Lausen (1916/17)
Fotos:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0
– Online-Archiv SGTI industriekultur.ch
– Standort- und Bildverzeichnis swisstrafos.ch