Aktuelles 01.06.26

© Marti Gesamtleistungen AG

Vom Schlittelhang zur Grossüberbauung: Oberwil verdichtet am Kerngartenweg

Am Hang zwischen Binningerstrasse und Kerngartenweg in Oberwil soll in den kommenden Jahren eine neue Wohnsiedlung entstehen. Dort, wo der historische Flurname «Stallen» – mundart für Abhang – bis heute die Topografie beschreibt, planen Marti Gesamtleistungen und die Zürcher Architekten Hosoya Schaefer eine verdichtete Überbauung mit rund 100 Wohnungen. Nun gelangen die Quartierplanvorschriften in die öffentliche Mitwirkung.

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Die Wiese leuchtet in saftigem Grün. Der Ort ist kein unbeschriebenes Blatt: Als landwirtschaftlich genutzte Fläche und winterlicher Schlittelhang ist das Areal im kollektiven Gedächtnis der Gemeinde verankert. Gleichzeitig befindet es sich in einem Umfeld, das kaum eindeutiger für die Agglomeration stehen könnte: Ein- und Mehrfamilienhäuser, Schrebergärten, mittelgrosse Überbauungen und grosszügige Abstandsflächen bilden ein heterogenes Gefüge ohne klare räumliche Ordnung. Gerade diese Uneindeutigkeit wird zum Ausgangspunkt des Projekts. Hosoya Schaefer Architekten reagieren darauf nicht mit einem singulären Grossvolumen, sondern mit zwei länglichen, vielwinkligen Baukörpern, die sich entlang der Hangkante staffeln und der Topografie folgen. Durch ihre Gliederung erscheinen die Gebäude nie als monolithische Setzung, sondern brechen Massstab und Länge in kleinere räumliche Situationen auf. Dazwischen entsteht ein grosszügiger Grünraum mit unterschiedlichen Öffentlichkeitsgraden – ein räumliches Kontinuum zwischen Nachbarschaft, Wegnetz und Aufenthalt.

© Hosoya Schaefer

Im Zentrum der künftigen Anlage liegt eine Wiese, die mehr ist als Restfläche. Im Winter erinnert sie an den früheren Schlittelhang, im Frühling an die Obstblüte; zugleich wird sie zur räumlichen Verbindung zwischen Binningerstrasse und Kerngartenweg. Die Querung des Areals bleibt ausdrücklich Teil des Konzepts. Eine kleine Piazzetta bei der Tramhaltestelle soll Gewerbe und gemeinschaftliche Nutzungen aufnehmen und dem Quartier einen neuen Ankunftsort geben. Programmatisch setzt das Projekt auf Durchmischung: Geplant sind Eigentums- und Mietwohnungen, mindestens 30 Prozent davon im Mietsegment, ergänzt durch Gemeinschaftsräume und Kleingewerbe. Die Erschliessung für den motorisierten Verkehr erfolgt ausschliesslich über die Stallenmattstrasse; die Parkierung wird grösstenteils unterirdisch organisiert. Fuss- und Velowege sollen das Areal eng mit seiner Umgebung vernetzen.

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In konstruktiver Hinsicht ist eine Holz-Beton-Hybridbauweise mit Photovoltaikanlage auf dem Dach vorgesehen. Die Umsetzung soll nach dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) erfolgen. Nachhaltigkeit sei dabei nicht allein technisch verstanden, sondern als räumliche und soziale Frage: über Freiräume, Biodiversität, klimaresistente Bepflanzung und unterschiedliche Wohnformen. Dafür gibt es Vorschusslorbeeren. Die Gemeinde Oberwil spricht von einer «rundum vorbildlichen Überbauung». Ob der Balanceakt zwischen substanzieller Verdichtung und ortsbezogener Einfügung gelingt, wird sich erst weisen. Die polygonale Gebäudeform und die Holzfassade wirken auf den ersten Blick eher ortsfremd, wobei die architektonische Qualität der Bauten in unmittelbarer Nachbarschaft eher bescheiden ist. Auf die Mitwirkung darf man gespannt sein. In diesem Sinne: Lieber Oberwiler:innen, engagiert euch!

Quelle: Medienmitteilung Gemeinde Oberwil


Informationsveranstaltung und Mitwirkung

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Am Mittwoch, 3. Juni 2026, findet um 19.00 Uhr eine gemeinsame Informationsveranstaltung der Gemeinde und der Bauherrschaft in der Wehrlinhalle statt. Marti Gesamtleistungen stellen zusammen mit den Architekten von Hosoya Schaefer das Projekt vor und beantworten die Fragen aus dem Publikum.Die öffentliche Mitwirkung zu den Quartierplanvorschriften «Kerngartenweg» läuft vom 3. Juni bis 5. Juli 2026.