Literatur 23.06.25
Gelb-Weiss, J-K, Jaeger Koechlin – ein wertiger Einband!

Gelb-Weiss, J-K, Jaeger Koechlin – ein wertiger Einband!

Von Papillon und Mirabilia – 10 Jahre Jaeger Koechlin

«Ein Buch hat ein Anfang und ein Ende, ein spezifisches Format und einen begrenzten Umfang. Wir haben viel ausprobiert und uns intensiv mit dem Medium 'Buch' auseinandergesetzt». Patrick Jaeger sinniert über die Entstehung der kürzlich erschienenen Publikation. Das Cover von «Jaeger Koechlin – The First Ten Years» kommt ganz in Gelb-Weiss daher. Wir wagen einen Blick hinein: «Bauen verändert einen Ort nachhaltig. Mit jedem Eingriff, sei er noch so klein, wird das Vorhandene neu gedeutet, angepasst, in seiner Wirkung gestärkt oder geschwächt», beginnt Christoph Wieser sein Essay über die Arbeit von Patrick Jaeger und Ariel Koechlin, «Bauen heisst intervenieren. Der Eingriff kann zurückhaltend, beinahe unsichtbar sein. Aber auch laut und entschieden auftreten.»
Grossformatige Bilder finden sich im gesamten Buch

Grossformatige Bilder finden sich im gesamten Buch

Auf sechsundneunzig Seiten kriegen wir eine Auswahl von siebzehn Projekten zwischen 2013 und 2023 zu sehen. Den Beginn macht eine Kernsanierung in Arlesheim. 2015 bauten Jaeger Koechlin eine Villa am Waldrand von Arlesheim um; Schweizer Nachkriegsmodern trifft auf japanische Kultur. Die Villa als Bautyp scheint Jaeger Koechlin zu gefallen – oder umgekehrt. Aber sie können auch «profaner», etwa ein Umbau eines Einfamilienhauses mit Anbau in Muttenz. Obschon die Architektur von Jaeger Koechlin ambitioniert ist, strahlt sie eine gewisse Gelassenheit und Abgeklärtheit aus. Christoph Wieser beschreibt es so: «Wenn das Budget knapp ist, sind die Herausforderungen bei Umbauten besonders gross. Es gilt, klare Prioritäten bezüglich den Eingriffen zu setzen und einen sinnvollen Umgang mit den Widersprüchen und Zufälligkeiten der vorhandenen Bausubstanz zu finden. Die Basler Architekten gehen mit solchen Spannungen ebenso gekonnt wie gelassen um. Sie suchen nach einer Versöhnung der Gegensätze.» Ihr erster Wettbewerbsgewinn und das erste ausgeführte Projekt nach der Bürogründung steht seit 2017 in Rorschacherberg. Eine Schulanlage oben am Hang; inmitten von Obstbäumen, im abschüssigen Garten ein Betonhäuschen obendrauf. Der Gemeindepräsident von nennt den Kindergarten «Akropolis», die beiden Architekten sehen in ihm einen Pavillon, einen Papillon, einen Schmetterling.
Die meisten Projekte sind in unterschiedlichen Perspektiven abgebildet

Die meisten Projekte sind in unterschiedlichen Perspektiven abgebildet

Der Verlag Simonett & Baer bewirbt das Buch als Bildband. Patrick Jaeger meint dazu: «Das Buch stellt übergeordnete Zusammenhänge von siebzehn vorwiegend ausgeführten und in unserer Entwicklung relevanter Projekte in den Vordergrund. Dabei war uns die Wirkung der Bilder besonders wichtig: grossformatige Fotografien schaffen eine räumliche Tiefe und lassen den Betrachtenden stärker in ein Projekt eintauchen.» Die Buchmitte besteht wiederum aus Plänen in einheitlicher Grafik und überwiegend vergleichbarem Massstab. Die Pläne bilden dabei jeweils den Endzustand des Projekts ab. Was aber eigentlich schade ist, sind es doch gerade die «Interventionen» und der Umgang mit dem Ort, von denen die Rede ist. Ebenso stehen die Grundrisse – zwar mit unmittelbarer Umgebung – aber ohne Kontext auf dem weissen Papier. Eine bewusste Entscheidung der beiden Verfasser. Auf Detailpläne wurde gänzlich verzichtet. Diese Reduktion ist nachvollziehbar, doch würde man, gerade bei feinfühliger Architektur, wie wir es hier zweifelsohne mit zu tun haben, gerne hinter die sprichwörtliche Fassade sehen. Tiefer blicken hingegen lässt Patrick Jaeger, was die Entstehung des Buchcovers anbelangt: «Erstaunlicherweise entstand das Cover schon sehr früh im Prozess und hat sich seither kaum verändert. Der Entwurf stammt von Dino Simonett. Wir waren auf Anhieb überzeugt durch dessen Einfachheit und Klarheit – und ikonografische Qualität.»
Coverentwurf von Simonett & Baer

Coverentwurf von Simonett & Baer

Neben Gebautem bilden Jaeger Koechlin auch eine Möbelserie und eine skulpturale Arbeit ab. Letztere, Mirabilia aus dem Jahr 2018 verkörpert «Zoe», eine Stadt, in der alle Orte gleich und doch verschieden sind. Ein der fünfundfünfzig Städte Italo Calvinos; auf Einladung der italienischen Galerie Antilia. Das bis dato aktuellste Projekt stammt dann wieder aus Basel. Das Baufeld E am Walkeweg. Neben Christoph Wieser stösst man im Buch auf je einen Text von Lilitt Bollinger und Santiago Espita Berndt. «Zu den beiden haben wir nicht nur eine fachliche, sondern auch eine persönliche Verbindung», sagt Patrick Jaeger. «Sie bringen mit ihren Texten eine eigene Perspektive ein und bereichern das Buch damit auf unterschiedliche Weise.»
Grundrisse und Grafiken – Detailpläne allerdings gibts nicht. Schade eigentlich.

Grundrisse und Grafiken – Detailpläne allerdings gibts nicht. Schade eigentlich.

'Jaeger Koechlin – The First Ten Years' ist ein kleines schönes Buch. Gerade noch al dente. Wer eine Monografie oder eine ausgedehnte Projektsammlung erwartet, dem oder der dürfte die Publikation etwas gar eingedampft sein. In diesem Fall empfiehlt sich ein Besuch ihrer Website. Dort gibts alles, was es nicht ins Buch geschafft hat. Und noch ein bisschen obendrauf. «Man denke an Sigurd Lewerentz, der als 80-jähriger Architekt Tag für Tag auf der Baustelle der Kirche St. Peter in Klippan, 1966, den Maurern die genaue Position der Backsteine aufzeigte.» Mit diesem Vergleich versucht Christoph Wieser die Motivation von Patrick Jaeger und Ariel Koechlin einzufangen. «Mit Absicht übernahmen sie (bereits als junges Büro) auch die Bauleitung und damit alle Leistungsphasen. Diesen generalistischen Ansatz pflegen sie, wenn immer möglich, bis heute.» Text: Simon Heiniger / Architektur Basel

Jaeger Koechlin The First Ten Years

Gelb-Weiss, J-K, Jaeger Koechlin – ein wertiger Einband!

Gelb-Weiss, J-K, Jaeger Koechlin – ein wertiger Einband!

Jaeger, Patrick; Koechlin, Ariel; Simonett, Dino 96 Seiten, Hardcover Einband, 23.5 × 28cm Auflage: 500 Exemplare © 2024 Simonett & Baer, Basel ISBN: 978-3-906313-58-0 CHF 58.00 / EUR 58.00