Aktuelles 18.10.20

Visualisierung Roche_Südareal © F. Hoffmann-La Roche Ltd

Wenn man vor lauter Roche-Türmen Basel nicht mehr sieht...

Die überraschende Veröffentlichung der neuen Pläne der Roche samt drittem Turm wurde auf Social Media rege diskutiert. Zwischen "potthässlich" und "genial" wurde so ziemlich jede Facette der Meinungsäusserung bemüht. Offensichtlich sind die neuen Hochhaus-Pläne für viele Menschen in Basel eine hochemotionale Sache. Wir wagen eine Zusammenfassung.

"Super was Roche vorhat !!! Basel muss stolz sein!!", stimmte Sonja Weber ein fast schon euphorisches Ausrufezeichen-Loblied auf den Pharmakonzern an. Maria Muster schloss sich ihr an: "Ich finde die ‚Türme‘ sehr schlicht - und daher sehr schön !!" Auf Seite der Befürworter wurde vielfach die ökonomische Karte ausgespielt und das klare Bekenntnis der Firma zum Standort Basel gelobt. Katrin Hasel fand: "Ein commitment an die Stadt Basel. Recht wäre es den Kommentatoren hier sicher auch nicht, wenn für so viele Arbeitsplätze in die Fläche gebaut würde. Es wird vergessen, dass dadurch momentan zubetonierte Fläche in einen Park umgewandelt wird und Roche sich bemüht, sehr nachhaltig zu bauen. Der dritte Turm heisst für mich: Arbeitsplätze in Basel = Steuereinnahmen für die Stadt und auch eine nachhaltige Stadt durch Verdichtetes Bauen."

"Architektonisch gefallen mir die Dinger auch nicht besonders (die ursprünglich geplante Doppelhelix wäre toll gewesen), aber das ist letztlich einfach Geschmackssache."

Visualisierung Roche_Südareal © F. Hoffmann-La Roche Ltd

Vielfach wurde die Verdichtung der Stadt zum Schutz von Grünraum und Landschaft ins Feld geführt. Philip Whitfield begrüsste, "dass die Roche im Gegensatz zu anderen lieber in die Höhe baut." Und Beat Voellmy doppelte überschwänglich nach: "Von mir aus darf in ein paar Jahren auch noch ein vierter Turm kommen, Platz hat es noch genug in Richtung Osten." Ob der Solitude-Park überbaut werden kann, ist eher fraglich und wäre wohl kaum wünschenswert. 

Basil Boesch fasste es pragmatisch zusammen: "Die Frage ist, was wäre die Alternative? In die Breite bauen geht ja kaum mehr. Die Gebäude (und damit die Arbeitsplätze) ins Ausland verlegen, wo es mehr Platz gibt? Auch nicht so toll. Also bleibt fast nur noch, in die Höhe zu bauen. Ich bin froh, dass Roche wenigstens am Standort Basel festhält." Worauf Roman Wachter mit spitzer Feder konterte: "Die Alternative wäre, auch in die Höhe ansehnlich zu bauen und vielleicht auf die Formensprache des Art Deco zurückzugreifen. Anstatt Pfuschern (zugegeben mit Renommee) den Auftrag zuzuschanzen." Das parierte Boesch mit grösster Sachlichkeit: "Architektonisch gefallen mir die Dinger auch nicht besonders (die ursprünglich geplante Doppelhelix wäre toll gewesen), aber das ist letztlich einfach Geschmackssache."

"Es kann auch noch ein vierter Turm kommen. Sehr schade ist allerdings die kompromisslose Haltung der Roche zu den bestehenden, architektonisch wertvollen Gebäuden von Rohn und von Salvisberg. Es wäre eine Schande, diese wichtigen Gebäude unwiederbringlich zu verlieren."

Visualisierung Roche_Südareal © F. Hoffmann-La Roche Ltd

Selbstredend durfte in der Kommentarspalte auch das Architekten-Bashing nicht fehlen. Wäre ja langweilig ohne. Eine grosse Portion Ironie schwang im Kommentar von Hampe Schwendemann mit: "Architektonisch e Meischterleistig. Dä Styl und die Eleganz, die hänn sicher Tage brucht zum das entwärfe." Bitterbös Tobias Biedert: "D Roche denkt sich so: "Chame ab dr Stange chaufe, das Huus" wird sichr mit jedem Stückzahl nomol bitz günstiger." Und sozialkritisch William Dalcher: "Statt die Stadt mit unsinnigen Betonklötzen zubetonieren, könnten sie das überschüssige Kleingeld den Mitarbeitern verteilen oder neue Jobs kreieren. Aber eben, Pharaonismus ist halt prestigeträchtiger."

Ganz praktische Bedenken äusserte Rudolf Haab: "Wenn jemand zuoberst arbeitet und er muss im anderen Turm zuoberst erscheinen nimmt er dann den Lift oder werden oben noch Brücken gebaut oder vielleicht eine Seilbahn?" Tatsächlich eine berechtigte Frage, die wir gerne den Projektverantwortlichen weiterleiten werden. Fundiert und differenziert fasste Philipp Fuchs die Pläne zusammen: "Verdichtung an diesem Ort macht Sinn. Ich finde, als Ensemble wirken die Roche Tower noch deutlich besser. Schon zwei sind besser als einer, wie man jetzt sieht. Wie hier auch schon erwähnt wurde: es kann auch noch ein vierter Turm kommen. Sehr schade ist allerdings die kompromisslose Haltung der Roche zu den bestehenden, architektonisch wertvollen Gebäuden von Rohn und von Salvisberg. Es wäre eine Schande, diese wichtigen Gebäude unwiederbringlich zu verlieren. Bitte überdenken und Verantwortung übernehmen, liebe Roche." Word. 

"NY City-Style und Birsfelden isch Bronx."

Visualisierung Roche_Südareal © F. Hoffmann-La Roche Ltd

Wenn man vor lauter Roche-Türmen Basel nicht mehr sieht... "Am Schluss gsesch vo ganz Basel numme Rochetürm", befürchtete Rahim Allam, wobei zahlreiche Leserinnen und Leser den Vergleich mit New York bemühten. Daniel Clavero schrieb beispielsweise: "NY City-Style und Birsfelden isch Bronx." Ihm sei versichert, dass Basel von einer deratigen Skyline noch meilenweit entfernt ist und es wohl auch für immer bleiben wird. Wenn man in einer mitteleuropäischen Stadt Erfahrungen mit Hochhäusern hat, dann in Frankfurt am Main. Von dort schaltete sich Hans-Ulrich Fitze in die Diskussion ein: "Als Frankfurter kann ich da nur milde lächeln über diese Sorgen."

Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel