Aktuelles 19.03.26
Foto: Klybeckplus.ch, Stefan Schmidlin

Foto: Klybeckplus.ch, Stefan Schmidlin

Wenn Backsteine verstummen

Mit dem Rückbaugesuch für sieben ehemalige Fabrikationsgebäude setzt die Rhystadt AG ihre Entwicklung des Klybeck-Areals fort – und zugleich eine Haltung, die sich bereits im Richtprojekt des vergangenen Herbstes abzeichnete: Die Gebäude im Osten des Areals waren darin nicht mehr vorgesehen. Was nun folgt, ist die konsequente Fortschreibung dieser Tabula-Rasa-Taktik an der Mauerstrasse.

© Kathrin Schulthess

Dem Entscheid vorausgegangen ist die Entlassung der Bauten aus dem Inventar der schützenswerten Objekte durch die Kantonale Denkmalpflege Basel-Stadt. Ausschlaggebend waren Schadstoffbelastungen aus der vergangenen industriellen Nutzung. Selbst umfassende Sanierungen, so das Fazit unter Einbezug externer Expert:innen, könnten ein gesundheitliches Restrisiko nicht ausschliessen. Damit setzte ein Grundsatzentscheid durch, der über den Einzelfall hinausweist: Schutzfähigkeit wird höher gewichtet als Schutzwürdigkeit.

© Klybeck Atlas

Gerade diese Verschiebung wiegt baukulturell schwer. Denn die betroffenen Gebäude – Erweiterungen der ehemaligen Ciba aus den Jahren 1924 bis 1965 – tragen im Bundesinventar ISOS das höchste Erhaltungsziel A. Gewürdigt wird dort eine „architektonisch bemerkenswerte“ Reihe von Industriebauten mit Sichtbacksteinfassaden. Gemeint ist nicht nur einzelne Architektur, sondern ein städtebauliches Ensemble: die geschlossene Gebäudeflucht, geprägt durch den roten Backstein, durch rhythmische Fensterbänder und konstruktive Lesbarkeit.

© Kathrin Schulthess

Mit dem Rückbau droht dieses Gefüge vollständig zu verschwinden. Die baukulturelle Identität im Osten des Areals – einst Ausdruck industrieller Produktion und architektonischer Kohärenz – wird damit weitgehend ausgelöscht. Die Argumentation der Rhystadt folgt dabei einer klaren Logik: Die optimale Entwicklungsfähigkeit des Areals steht im Vordergrund. Der Rückbau erfolge gemäss Medienmitteilung unter strengen Auflagen, der Umgang mit belasteter Substanz ist geregelt, Risiken für Mensch und Umwelt sollen ausgeschlossen werden. «Der Umgang mit dem Untergrund wird erst im Rahmen eines konkreten Bauprojekts geklärt. Solange dieser versiegelt bleibt, gehen von den Belastungen keine Gefahren aus», schreibt die Rhystadt.

© Klybeck Atlas

Was bleibt, ist eine Leerstelle, die der neue Städtebau gemäss Richprojekt wenig überzeugend zu füllen vermag. So viel ist klar: Mit jedem abgebrochenen Gebäude auf dem Klybeck verschwindet nicht nur belastetes Material, sondern auch gebaute Geschichte. Die Frage ist weniger, ob diese Bauten schutzfähig sind – sondern ob der vollständige Rückbau alternativlos ist. Ansonsten verstummen die Backsteine der heroischen Basler Industriegeschichte demnächst. Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel