Aktuelles 02.07.25
Der aufgestockte Raum ist ein echter Hingucker – riesige Dachterrasse inklusive! Visualisierung: Kren Architektur

Der aufgestockte Raum ist ein echter Hingucker – riesige Dachterrasse inklusive! Visualisierung: Kren Architektur

Wohnung zu vermieten: «urlaubsähnliche Atmosphäre» mit Rheinblick fürs grosse Portemonnaie

Eine Wohnung mit Rheinblick gefällig? Wir sind auf ein Mietinserat gestossen, das die Herzen von Rheinliebhaber:innen höher schlagen lassen dürfte. Aber auch, wer eine Maisonettewohnung sucht, sollte genau hinsehen. Lust auf eine Dachterrasse? Sehr gut – denn davon gibts gleich zwei! Aber können die 5.5 Zimmer auf 180 m2 Wohnfläche auch etwas? CHF 10'450.00 Monatsmiete versprechen viel Exklusivität. Wir schauen genauer hin und machen den Grundrisscheck. Wohnung zu vermieten! Die Liegenschaft an der Oetlingerstrasse 2 in Basel hat ein Erd- und vier Obergeschosse, ist Teil eines Blockrands, stösst stirnseitig aber an den Unteren Rheinweg. Über-Eck-Balkone gestalten die Fassade zum Rhein. Die 16 Wohnungen wurden kürzlich saniert, die Attikawohnungen aufgestockt. Ab Juli sind die beiden Maisonettewohnungen aus der Feder von Kren Architektur zu haben. Ein grosszügiger Wohnbereich mit viel Gangfläche Wir fahren mit dem Lift in den fünften Stock des Zweispänners und betreten die westliche der beiden oberen Wohnungen. Ein grosses Entrée bildet den Auftakt. Hier gibt es eine kleine Garderobe, aber genügend Wandfläche für eigene Kleiderhaken und Schränke oder Abstellfläche für Schuhe. Links neben der Garderobe geht eine Tür zum ersten Schlafzimmer ab, zuerst aber möchten wir einen Blick in ins Wohnzimmer werfen und folgen dem etwas dunklen Gang entlang der Brandmauer zur Nachbarliegenschaft. Der 53.3 m2 grosse Wohnbereich ist als Rundlauf entlang der Fassade organisiert. Nordseitig hat der Esstisch Platz, westlich zum Rhein hin ein grosses Sofa. Mehrere Ausgänge führen auf die (wie die Balkone in den unteren Geschossen) Über-Eck angelegte 60 m2 grosse Dachterrasse. Auch dort gibt's viel Platz für einen Tisch und Sonnenliegen.
Die Küche befindet sich im Auge des Rundlaufs. Trotz heller Wohnung kommt sie etwas dunkel daher. Schade eigentlich... Visualisierung: Kren Architektur

Die Küche befindet sich im Auge des Rundlaufs. Trotz heller Wohnung kommt sie etwas dunkel daher. Schade eigentlich... Visualisierung: Kren Architektur

Im Auge des Rundlaufs ist die 7.5 m2 grosse Küche und ein ebenso grosser Nebenraum untergebracht. Die Küche ist dabei zweiseitig, vom rückseitigen Gang und vom Essbereich her zugänglich. Sie verfügt in der einen Zeile über zwei Hochschränke, die vermutlich durch Kühlschrank, Backofen und Steamer besetzt sind, viereinhalb Elemente Unter- und Oberschränke, von denen zwei durch das Kochfeld, das Lavabo, den Abfall und die Geschirrspülmaschine belegt werden. Für die gegenüberliegende Zeile hat es leider nur für eine 40 cm tiefe Arbeitsfläche mit Unter- und Oberschränken gereicht. Eventuell bedingt durch eine bestehende tragende Wand. Die zusätzliche Arbeitsfläche ist willkommen, ein Hochschrank mehr wäre toll gewesen. Grundrissbedingt kapselt sich die Küche etwas ein, weshalb sie trotz grosser Fassadenverglasungen gar dunkel daherkommt. Dennoch freuen wir uns, dass wir hier für einmal keine überdimensionierte, Designer-Wohnküche mit Insel und Bar vorfinden... Im riesigen Nebenraum gibt's einen Waschturm – und eine Toilette mit Lavabo. Das ist durchaus etwas ungewöhnlich. Eigentlich hätte man sich hier lieber ein Einzel-WC und einen abgetrennten Hauswirtschafts- oder Vorratsraum gewünscht. Da sich die Toilette nun im selben Raum befindet, ist dies leider nicht möglich. Wem gehört nun welches Bad? Den Rundgang fürs erste beendet, werfen wir einen Blick in die Schlafzimmer. Vis-à-vis der Toilette führt eine Tür in ein 17.4 m2 grosses Schlafzimmer mit Badewanne. Hinter einer weiteren Tür befindet sich ein Bad mit Dusche, das zugleich auch vom zweiten Schlafzimmer her zugänglich ist. Uns ist nicht ganz klar, wer hier welche Toilette und welches Bad benutzen soll. Letzten Endes teilen sich die Zimmer die Nasszelle, nicht aber die Badewanne. Wer kann uns hier helfen? Einfacher gestaltet sich die Frage nach dem Zugang zur Dachterrasse; von beiden Schlafzimmern geht's direkt nach draussen.
Grundriss Zugangsgeschoss. Plan: Kren Architektur

Grundriss Zugangsgeschoss. Plan: Kren Architektur

Eine teure Aufstockung Die Treppe in der Verlängerung des Eingangs führt ins obere aufgestockte Geschoss. Leider gibt es keinen Grundriss; nur die Visualisierung. Gemäss Beschrieb finden wir hier einen 38 m2 grossen Raum und nochmals ein Bad mit Toilette und Dusche. Die Raummitte bildet ein Cheminée mit hohem Kamin. Eine gegenüberliegende Hebeschiebtür führt auf die obere 63 m2 grosse Dachterrasse. Was genau im oberen Zimmer passieren soll, ist nicht klar. Die Visualisierung zeigt neben einem Bett auch noch einen grossen Tisch. Da das Dachzimmer über keinen eigenen Zugang verfügt, kann es nicht als unabhängiges Studio benutzt werden. Wir meinen: räumlich durchaus interessant, aber vermutlich unverhältnismässig teuer für das eine Zimmer. Viel Holz und viel Weissputz Beim neuen Dachzimmer handelt es sich vermutlich um einen Holzbau. Aufgrund des niedrigen Eigengewichts der Konstruktion eignet sich diese Bauweise für Aufstockungen sehr gut. Die inneren Oberflächen wurden denn auch gleich in Holz belassen, wenngleich die Fichte-Tanne-Dreischichtplatten der Wände und Dachuntersichten neben dem Eschenparkett vielleicht etwas gar viel Holz auf einmal sind... Den Eschenparkett findet man auch im Zugangsgeschoss in allen Räumen ausser der Küche wieder. Bei deren Bodenbelag könnte es sich gemäss Visualisierung um einen dunkel pigmentierten, geschliffenen Hartbeton oder einen Gussasphalt handeln. Die Küche selbst hingegen macht keinen speziell gestalteten Eindruck. Jedenfalls wäre es auf den Visualisierungen nicht erkennbar. Oftmals stimmen diese Bilder in solchen Details aber auch gar nicht mit der Realität überein. Über die Gestaltung der Bäder erfahren wir nichts. Der Baubeschrieb jedenfalls spricht im Allgemeinen von einer «hochwertigen Materialisierung».
Der aufgestockte Raum ist ein echter Hingucker – riesige Dachterrasse inklusive! Visualisierung: Kren Architektur

Der aufgestockte Raum ist ein echter Hingucker – riesige Dachterrasse inklusive! Visualisierung: Kren Architektur

Urlaubsähnliche Atmosphäre an der Oetlingerstrasse Wenngleich der Text des Beschriebs etwas gar verkrampft daherkommt, so spart er mitnichten an Superlativen: von einem «eleganten Wohngefühl» etwa ist die Rede, einer «Raumgestaltung mit möglichst viel Tageslicht» und einer «fast schon urlaubsähnlichen Atomsphäre». Die grosse Dachterrasse und der Rheinblick sind tatsächlich nicht von schlechten Eltern, der Wohn- und Essbereich und die Schlafzimmer gross. Ja gar etwas zu gross vielleicht? Vorbehalten der Möglichkeiten und Limitationen bestehender Wände und Fassadenteile hätte wir uns über ein drittes Zimmer im unteren Geschoss auf Kosten der ungenutzten Gangflächen gefreut. Bäder dafür gäbe es jedenfalls bereits jetzt genug. Viel Raum ... Bei diesen riesigen Flächen drängt sich die Frage auf, wer sich durch diesen Grundriss angesprochen fühlt. Das Inserat meint etwas plump, das Matthäusquartier sei insbesondere für «Stadtliebhaber, welche auch gerne Outdoor-Aktivitäten ausüben» interessant und verweist damit wohl auf die nahegelegene Dreirosenanlage oder das Naherholungsgebiet entlang der Wiese. Was die angepriesene «ruhige Wohnatmosphäre» anbelangt, sind wir etwas kritischer. Die Oetlingerstrasse ist zwar alles andere als eine Autobahn, aber nirgends in ganz Basel dürften sich an warmen Sommerabenden mehr Leute tummeln wie am Rhein. ... fürs grosse Portemonnaie So oder so: die drei Schlafzimmer, vier Bäder mit insgesamt drei Toiletten, vier Lavabos, zwei Duschen und einer Badewanne, ein grosser Wohn- und Essbereich, eine dunkle Küche und zwei riesige Dachterrassen kommen ohnehin nur für jemanden – oder besser gleich mehrere Personen – mit sehr gutem Einkommen daher. Die Wohnung bietet zwar sehr viel Platz; eng dürfte es hingegen aber im Portemonnaie werden: für die knapp 180 m2 Wohnfläche und 120 m2 Aussenfläche werden stolze CHF 10'450.00 inklusive Nebenkosten fällig. Auf die Wohnfläche bezogen bedeutet dies Kosten von bisher ungeschlagenen CHF 697 pro Quadratmeter im Jahr. Als Vergleich: die teuerste Wohnung im umgebauten Bollwerk am Bahnhof SBB schlug mit CHF 528 pro Quadratmeter im Jahr zu Buche. Bei diesem Mietpreis an der Oetlingerstrasse lässt sich gar keine Eignungsempfehlung mehr abgeben. Egal ob Familie, WG oder DINKs: das Kriterium scheint einzig und allein: das nötige Kleingeld muss vorhanden sein... Fazit Viel Geld für viel Platz und viel Ausblick ist hier die Maxime. Dabei sind die Räume aber gar nicht mal so gut. Die vielen Gänge, dunkle Ecken und unserer Ansicht nach umständlich organisierten Bäder überzeugen nur bedingt. Das Dachzimmer als Hingucker hingegen kann sich sehen lassen! Insgesamt hinterlässt die Wohnung gemischte Gefühle. Umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, wer die Eigentümer der Liegenschaft sind. Gemäss Beschrieb gehört das Gebäude der JP IA AG, beheimatet an der Rheinschanze 6 in Basel – und wer dort zuhause ist, wissen wir alle... Text: Simon Heiniger / Architur Basel
Pläne und Visualisierungen: Kren Architektur, Basel Eigentümerin: JP IA AG, Basel