Auszeichnung Guter Bauten: Eine Handvoll Überraschungen und Herzog & de Meuron als grosse Abräumer

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Es war ein würdiger Rahmen. Der Lichthof des Bau- und Verkehrsdepartements am Münsterplatz 11 wurde von zahlreichem Publikum bis in die oberen Galerien gefüllt. In dieser feierlichen Stimmung wurden insgesamt 35 gute Bauten, erbaut zwischen 2013 und 2018 in Basel-Stadt und Baselland, ausgezeichnet. Die Platzhirsche Herzog & de Meuron waren dabei die grossen Abräumer des Abends. Beeindruckende fünf Auszeichnungen durften sie an die Rheinschanze mitnehmen.

Auszeichnung Guter Bauten 2018 © Architektur Basel

Beat Aeberhard: „Baukultur geht uns alle an“ © Architektur Basel

Der Basler Kantonsbaumeister Beat Aeberhard betonte in seiner einleitenden Ansprache, „wie wichtig die Baukultur im Raum Basel ist.“ Es ginge bei der Auszeichnung Guter Bauten nicht nur darum, die Leistung der Architekturbüros auszuzeichnen: „Wir honorieren damit auch das grosse Engagement der Bauherren. Ohne sie gäbe all diese Bauten nicht.“ Baukultur gehe uns alle an. Aeberhard betonte, ihm sei es ein grosses Anliegen, „dass man diese guten Bauten in die Öffentlichkeit trägt.“ Erstmals gibt es deshalb eine Ausstellung in Basel und Liestal, wo alle ausgezeichneten Bauten präsentiert werden. „Wir erhoffen uns dadurch eine noch breitere Wahrnehmung und Diskussion über unseren bebauten Lebensraum.“

Wohnungen Sempacherstrasse von Miller & Maranta Architekten © Architektur Basel

Ausgezeichnete Wohnungen Sempacherstrasse von Miller & Maranta © Architektur Basel

Die 35 ausgezeichneten Bauten erfüllten viele Erwartungen, hielten gleichzeitig aber auch Überraschungen bereit. Erwartungsgemäss waren Herzog & de Meuron die grossen Gewinner. Ihre Bauten vom neuen Ricola Kräuterzentrum über das Helsinki Dreispitz bis zum Naturbad in Riehen sind von höchster architektonischer Güte. Insgesamt fünf Auszeichnungen erhielten die Basler Stararchitekten zugesprochen. Genau so wenig überraschend war die Prämierung des Kunstmuseum Erweiterungsbaus von Christ & Gantenbein. Trotz einigen kritischen Stimmen und gewissen technischen Startschwierigkeiten ist der Neubau für die Kulturstadt Basel von grosser Bedeutung. Ebenfalls zu erwarten waren die Auszeichnungen für Miller & Maranta. Mit den Wohnbauten an der Sempacherstrasse und dem neuen Kindergarten in Riehen gelangen ihnen zwei bemerkenswerte Beiträge zur Baukultur. Gleiches gilt für Luca Selva mit dem Wohnhaus Gellertpark und dem Erlenmattschulhaus, Buchner Bründler mit dem Genossenschaftshaus Stadterle und dem Hotel Nomad sowie Buol & Zünd mit dem Jazz Campus und dem Haus Bernardi. Schliesslich durfte auch Altmeister Roger Diener nicht fehlen: Sein Maison Davidoff wurde ebenfalls ausgezeichnet. Wenig überraschend, weil mitunter ein Lieblingsbau der Architektur Basel-Redaktion, kam ausserdem die Auszeichnung für das geniale Raumgefüge namens Primarschulhaus Gründen in Muttenz von Nord Architekten.

Schulhaus Gründen Muttenz / Nord Architekten / © Architektur Basel

Hier musste die Jury nicht lange nach Gründen für die Prämierung suchen: Primarschulhaus in Muttenz von Nord Architekten © Architektur Basel

Glücklicherweise gab es auch eine Handvoll Überraschungen: Das eklektizistische Mehrfamilienhaus an der Benkenstrasse in Binningen von Lütjens Padmanabhan Architekten mag wohl so manchen Basler Architekten nicht zu begeistern. „Banal oder raffiniert?“, fragt die Jury und lobt den Umgang mit den standardisierten Elementen, die sich bei „eingehender Betrachtung als höchst kunstvoll gefertigt erweisen“. Ebenso erfrischend wie überraschend kam die Auszeichnung der Villa Hammer aus der Feder der jungen Architekten Sauter von Moos. Sie schufen gemäss Jury „auf lustvolle Weise einen regelfreien Raum“. Besondere Beachtung verdiente ausserdem der subtile, aber äusserst stimmige Umbau eines Einfamilienhauses in Muttenz aus dem Jahre 1969 von Staehelin Meyer Architekten, die in der Region Basel – ohne grosses Aufsehen zu erregen – seit einigen Jahren für qualitätsvolle Architektur sorgen. Ohne jegliche Anbiederung gelang ihnen in Muttenz eine zeitgemässe Weiterentwicklung der bestehenden Architektur. Die ausgezeichneten „Überraschungsmomente“ sind darin zu suchen, dass die Jury unter Vorsitz von S AM-Direktor Andreas Ruby mitunter Projekte auswählte, „über die wir uns am längsten und heissblütigsten gestritten haben, weil wir ihre Streitbarkeit als Indiz ihrer gesellschaftlichen Relevanz bewerten.“

Villa Hammer von Sauter von Moos, 2018 © Architektur Basel / A. Schärer

Villa Hammer von Sauter von Moos 2018 © Architektur Basel / A. Schärer

Bemerkenswert waren ausserdem die vielen prämierten Schulhäuser. Bildungsbauten sind offensichtlich ein besonderer Träger unserer Baukultur. Vom Primarschulzentrum in Laufen bis zur Schulanlage Bäumlihof in Basel. Die an der Seite von Hans-Peter Wessels an der Auszeichnung anwesende Baselbieter Regierungsrätin Sabine Pegoraro freute sich besonders über die zahlreichen Schulen – insbesondere Primarschulen – die ausgezeichnet wurden. „Mein Favorit ist – und da bin ich jetzt ein wenig parteiisch und nicht ganz objektiv – die neue Fachhochschule in Muttenz. Ein ganz toller Bau! Und zwar nicht nur weil er im Baselbiet steht.“

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

„Ein ganz toller Bau“, findet Pegoraro. Der Kubuk von pool Architekten © Architektur Basel

Das äusserst selektive Auswahlverfahren lässt nicht nur Gewinner zurück. Bedeutende Bauten wie die Hochschule für Gestaltung und Kunst von Morger Partner, der Roche-Turm oder der vielgelobte Umbau der St. Jakobshalle der Architektengemeinschaft Degelo/Berrel Berrel Kräutler wurden nicht berücksichtigt. Leider kamen kaum junge Architekturbüros zum Zug. „Offenbar haben es junge Talente schwer, an spannende und bedeutende Projekte heranzukommen. Hier seien vor allem die Bauherrschaften aufgefordert, Bauaufgaben auch an jüngere Architekturbüros zu vergeben“, resümierte Jurymitglied Martin Hofer. Ebenso spärlich findet man unter den 35 Auszeichnungen Umbauten oder Renovationen. Dies wiederspiegelt in keiner Weise die grosse Bautätigkeit in diesem Bereich. Jurymitglied Dorothee Huber mahnte deshalb: „Wollen wir das Bauschaffen in seiner ganzen Breite beachten, gehören Umbauten zweifellos dazu, vielleicht gerade heute. Und so möge es denn den Verantwortlichen der „Auszeichnung“ in fünf Jahren gelingen, ihren Blick zu weiten und ihren Sinn zu schärfen für die verborgenen Reize von klugen, architektonisch raffinierten Umbauten.“

Zum Schluss seien nochmals die Worte von Beat Aeberhard in Erinnerung gerufen. Für ausgezeichnete Baukultur brauche es ausgezeichnete Bauherrschaften. Hier darf man ein besonderes Lob an die Stiftung Habitat aussprechen. Bei insgesamt vier Bauten waren sie direkt oder indirekt als Bauherrschaft involviert. Die Stiftung gehörte damit neben Herzog & de Meuron zu den heimlichen Gewinnern des Abends. „An dieser Stelle mein Respekt und mein Dank an die Projektverfassenden und Bauherrschaften, die diese Beiträge zur Basler Baukultur ermöglicht haben.“ Den Worten von Jurymitglied Emanuela Ferrari ist nichts beizufügen.

Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel 
Fotos: Armin Schärer / Architektur Basel


Sämtliche ausgezeichneten Bauten online > https://www.auszeichnungguterbauten-bl-bs.ch/

Ausstellungen der prämierten Bauten
Datum: 31. Oktober bis am 12. November 2018
Ort: kleiner Theaterplatz in Basel / Vorplatz des Regierungsgebäudes in Liestal

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