Buchbesprechung „Das Homburgertal“ – ein Spazierbegleiter

0

Fast 70 Prozent der Baselbieter Stimmberechtigten hatten sich im vergangenen November gegen eine Umstellung der Bahnlinie S9 Sissach-Olten auf einen Busbetrieb ausgesprochen. Das «Läufelfingerli» darf also auch weiterhin auf grosszügige Unterstützung aus der Bevölkerung zählen. Heute gehen wir aber nicht auf den politischen Diskurs ein, sondern widmen uns der architektonischen Komponente der Hauenstein-Bergstrecke.

In der Publikation «Das Homburgertal: Die Eisenbahn prägt die Landschaft» beleuchtet Autor Hansjörg Stalder verschiedene Aspekte des Eisenbahnbaus in der Schweiz im Allgemeinen und im Homburgertal im Speziellen. Er zeigt die Auswirkungen der veränderten Mobilität auf das Landschaftsbild und knüpft Verbindungen zu städtebaulichen und architektonischen Themen.

Querbezüge zur Architektur
Der haptisch ansprechende Band geht dabei in zwei Schritten vor. Ein erster, etwas kürzerer Teil geht im Detail auf die geschichtliche Entwicklung des Homburgertals und seiner Gemeinden ein.
Wir beginnen mit einer Landkarte der Homburger Vogtey um 1680 von Georg Friedrich Meyer. Noch sind Täler und Flüsse die massgebenden Elemente. Ganz anders verhält es sich mit der Dufourkarte aus dem 19. Jahrhundert oder mit der Landeskarte von 2012. Bahn und Strasse sind zu einem wesentlichen Bestandteil der Landschaft geworden und schaffen eine deutliche Hierarchisierung. Anhand historischer Aufnahmen aus dem Archiv von Heinz Spinnler und aktueller Fotografien von Fotograf Andreas Zimmermann zeigt das Buch die Veränderungen im Landschaftsbild. Lag der Homburgerbach in Buckten 1933 beispielsweise noch offen, so ist er auf dem Bild von 2012 zugunsten der Strasse eingedolt.

Buckten 1933 (oben, Archiv Heinz Spinnler) und heute (unten, © Andreas Zimmermann)

Buckten 1933 (oben, Archiv Heinz Spinnler) und heute (unten, © Andreas Zimmermann)

Stalder setzt die Passverbindung über den Hauenstein in den Kontext mit dem Bau der Rheinbrücken in Basel oder der Überquerung des Gotthards um 1200. Die Entwicklung der ganzen Region war damit auf die eine oder andere Weise verknüpft. Möglicherweise lässt sich beispielsweise das frühe Aufkommen von steinernen Häusern mit dem wirtschaftlichen Aufschwung dieser Verkehrsroute erklären. Schon früh hatte sich diese Verbindung in gewisser Weise nicht nur im nationalen, sondern auch im internationalen Umfeld etabliert. Mit dem Satz «Aber nicht Olten, sondern die Welt war das Ziel» unterstreicht Stalder die Wichtigkeit der Linie. Zweifelsohne stand die Bahn für die Zukunft.

Läufelfingen mit Bahndamm 1895 (oben, Archiv Heinz Spinnler) und heute (unten, © Andreas Zimmermann)

Läufelfingen mit Bahndamm 1895 (oben, Archiv Heinz Spinnler) und heute (unten, © Andreas Zimmermann)

Wander- und Spazierführer
Der zweite Teil widmet sich den Gebäuden und landschaftsprägenden Kunstbauten, wie etwa dem Viadukt in Rümlingen und prägenden Eingriffen wie dem hohen Bahndamm in Thürnen. Auf einer Karte werden die interessanten Objekte übersichtlich verortet und anschliessend detailliert besprochen. Wo andere Architekturführer den Fokus nur auf die Aufnahmegebäude legen, nimmt sich Stalder Drehscheiben, Remisen, Wassertürmen oder topografisch bestimmenden Geleiseanlagen an. Wie schon im ersten Teil aber beschränkt sich das Buch nicht auf die Bahn selbst, sondern gibt vertiefte Einblicke in die Siedlungsentwicklung, etwa jener von Sissach. Alte Übersichtspläne und Karten ergänzen den Text anschaulich.
Dem für uns heute so selbstverständlichen Bild der «Eisenbahn in der Landschaft», wie wir das beispielsweise von der Bernina-Bergstrecke zwischen dem bündnerischen Pontresina und dem italienischen Tirano kennen, setzt uns Stalder die historischen Zeichnungen der verschiedenen Dörfer im Homburgertal von Emmanuel Büchel um 1750 vor und schafft Kontraste. Den fast schon romantischen Darstellungen stehen die exakten Architekturpläne der Bahnhöfe, Stationsgebäude und Stellwärterhäuser gegenüber.

Bahnarchitektur: Wasserturm in Sissach (Baujahr 1899) © Andreas Zimmermann

Bahnarchitektur: Wasserturm in Sissach (Baujahr 1899) © Andreas Zimmermann

Das Werk von Hansjörg Stalder ist mitnichten ein Buch alleine über die Bahn. Viel mehr zeigt es die verschiedensten Bezüge zur sozialen Entwicklung der Region, Aspekte der Landschaft und Auswirkungen auf die Architektur. Die Publikation versteht sich selbst weniger als wissenschaftliches Werk, denn als zusammenfassende Darstellung und Spazierbegleiter für unterwegs. Wem das Hardcover doch etwas zu gross und sperrig (und, notabene, zu hochwertig) für den Rucksack ist, dem sei die beigelegte klappbare handliche Karte empfohlen. Sie enthält alle besprochenen Standorte und Kurzbeschriebe.

Zu kaufen gibts die vom Heimatschutz Baselland herausgegebene Publikation im Webshop des Verlags des Kantons Basellandschaft.

Text: Simon Heiniger / Architektur Basel
Fotografien: © Andreas Zimmermann
Abbildungen: Privatarchiv Heinz Spinnler


Hansjörg Stalder

Das Homburgertal: Die Eisenbahn
prägt eine Landschaft
Spazierbegleiter Kulturlandschaft

118 Seiten, Abbildungen farbig und s/w
Halbleineneinband
24.5 × 23.5 cm
© Baselbieter Heimatschutz, 2012
CHF 38.00
ISBN:  978-3-85673-689-7
Erschienen: 2012
Herausgeber: Baselbieter Heimatschutz
Erhältlich im Webshop Verklag Kanton BL

Teile diesen Beitrag!

Comments are closed.